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Mit dem NV war Numark der erste Hersteller, der Farbdisplays auf einem Controller für Serato DJ vorstellte, um den Blick wieder weg vom Laptop auf die Hardware zu lenken. Mit dem selbstbewussten Claim „This Changes Everything“ will der amerikanische DJ-Equipmenthersteller eine neue Ära einläuten. Nun stellt sich die Frage, ob das gelungen ist. Ist der NV wirklich der Wendepunkt für Controller? Die Messlatte, an der sich nun alle anderen messen müssen? Vielleicht gar der erste Schritt in eine Zeit, in der sich DJs nicht mehr für den Einsatz eines Laptops rechtfertigen müssen?

Beim Auspacken zeigt sich schon, dass Numark versucht hat, den NV möglichst kompakt zu halten. Der Controller ist knapp 55 Zentimeter breit und 32 Zentimeter tief. Er beansprucht also nicht zu viel Platz und sollte selbst in einer engen DJ-Kanzel untergebracht werden können. Mit ungefähr 3,3 Kilogramm Gewicht ist die Wahrscheinlichkeit eines Bandscheibenvorfalls für mobile DJs auch eher gering. Ausgestattet ist der NV mit zwei fünf Zoll großen Jogwheels, die eine berührungsempfindliche Oberfläche haben. Vier Decks stehen insgesamt zur Verfügung, jeder Kanalzug besitzt einen großen Filterknopf unterhalb des Equalizers. Vier kurze LED-Ketten am oberen Ende zeigen an, wie laut das Signal ist; in der Mitte finden sich zwei Streifen für den Master. Direkt darüber blinkt eine horizontale LED-Kette, um Hilfestellung beim Beatmatching zu geben. Die Regelung des Mikrofon- oder Aux-Kanals ist auf zwei Drehregler für Tone und Gain begrenzt, direkt daneben finden sich zwei Regler für den Booth- und Masterausgang. Sowohl Booth als auch Master verlassen den Controller über Cinch-Anschlüsse, für lange Kabelwege wurde zudem ein XLR-Master-Ausgang integriert. Ein Mikrofon kann über eine 6,35 Millimeter Klinke angeschlossen werden, der Aux-Eingang ist wiederum als Cinch ausgeführt. Abgesehen von USB-Port und Strom befinden sich noch eine Erdungsschraube und der Power-Schalter auf der Rückseite des Geräts.

Über den Jogwheels prangen an beiden Seiten die zwei Farbdisplays. Ungefähr in Smartphone-Größe zeigen sie alle relevanten Informationen von Serato DJ direkt auf dem Controller an. Egal ob Waveform, Loops, Effekte, BPM, Zeit oder Pitch – alle wesentlichen Serato-Parameter finden sich auf dem NV-Display, so dass man hier bereits sagen kann: Ja, der Blick auf den Laptop ist prinzipiell unnötig. Zu beiden Seiten der Screens sind diverse Knöpfe für das Auswählen und Laden von Tracks, den Deckwechsel, die Beatgrid-Änderungen und andere Funktionen untergebracht.

Direkt unter den Screens sind die Drehregler und Knöpfe für die Effekte angeordnet. Und schließlich unterhalb der Decks noch acht berührungs- und druckempfindliche Pads, mit denen Cues, Loops, Sampler und Slicer bedient werden können.

In der Praxis
Die ausführliche Beschreibung der Bedienelemente soll den folgenden Abschnitt anschaulicher machen. Denn so interessant das Konzept von Displays auf einem Controller ist und so flüssig die Einbindung von Serato auch läuft: Der Hauptaspekt eines Controllers ist und bleibt die Haptik, die einen guten Mix ermöglichen soll. Und genau hier wirkt der NV nicht immer optimal abgestimmt. Der NV ist der erste Controller, bei dem ich das Gefühl habe, dass die Knöpfe des Equalizers zu schwergängig sind. Schnelle Bewegungen, um den Bass zu killen, sind schwierig. Hingegen bewegen sich die Fader zu leicht. Auch den Jogwheels, die sich intelligent an ihre Umgebung anpassen, hätte ein wenig mehr Widerstand wohl gutgetan. Und schlussendlich ist der fehlende Klick bei den Pads gut für den Slicer, aber verwirrend für die Loops. Denn die beatgenauen Loops finden sich – und das hat mich am meisten verwirrt – nicht unter „Loops“, sondern unter „Auto“. Wer eigene Loops setzen möchte, bekommt mit der Loop-Funktion die Gelegenheit und darf sich freuen, wenn er genau den Takt trifft. Dafür braucht man aber wohl mehr als einen Versuch. Denn wenn man den Loop-In setzt, leuchten das erste und darauf dann das dritte Pad. Wer nun denkt: „Hey, wenn es leuchtet, muss es der Loop-Out sein“, liegt leider falsch. Denn der Druck auf das dritte Pad legt nicht den Endpunkt fest, sondern deaktiviert den Loop komplett. Warum das so ist, bleibt wohl ein Geheimnis der Konstrukteure. Das Layout zeigt auch an weiteren Stellen logische Ungereimtheiten. Die Effektknöpfe zum Beispiel sind simple Potentiometer, keine Endlos-Encoder. Auch die Display-Anzeige, bei welchem Wert sich nun der Effekt befindet, ist prinzipiell überflüssig, denn der Knopf zeigt dies analog mit einem weißen Strich an. Vielmehr ergibt sich hier auch die Schwierigkeit, dass man die Position kalibrieren muss. Und dann bleibt noch das Laden der Tracks. Wie von CDJs und anderen Controllern gewohnt, gibt es einen großen Drehknopf zum Durchstöbern der Sammlung. Aber auch hier schlägt Numark einen eigenen Weg ein. Denn das Drücken des Knopfes bewirkt nicht das Laden, sondern springt in den nächsthöheren Ordner. Obwohl sich direkt darüber der „Zurück“-Knopf befindet. Und darüber schließlich dann der „Load“-Button. Hier lässt sich über den Grund für die Redundanz ebenfalls nur spekulieren. Schlussendlich platziert Numark die Cue- und Play-Tasten zwar sinnvoller als andere Controller. Nämlich spiegelbildlich an den Innenseiten der Decksektion. Aber es wäre vielleicht dennoch ergonomischer gewesen, diese an die Außenseiten zu legen, damit man zum Track-Start nicht wie ein T-Rex die Arme vor dem NV verschränken muss. Zugegeben, dieser Kritikpunkt ist Geschmackssache.

Does this change everything?
Abgesehen vom hier und da eigenwilligen Layout der Knöpfe und der in Teilen unausgewogenen Haptik ist der NV ein zweifellos guter Controller. Das Ziel, ohne Blick auf den Laptop auflegen zu können, erreicht das Gerät auf jeden Fall. Und sobald man die Eigenheiten beim Laden von Tracks verinnerlicht hat und ein wenig beherzter an den Equalizer greift, macht das Auflegen mit dem NV definitiv Spaß. Zu den größten Stärken zählt die perfekte Einbindung von Serato DJ inklusive der vielen Effekte, die das Programm liefert. Es gibt sogar dedizierte Knöpfe für Filter Roll und einen Schalter, der die Effektknöpfe berührungsempfindlich macht. Wer seine Tracks also gerne moduliert, wird mit dem NV seine helle Freude haben. In gewisser Weise beschreitet der NV wirklich Neuland. Was vor einigen Monaten noch wie Zukunftsmusik erschien, ist innerhalb kürzester Zeit real geworden: Eigene Screens auf Controllern werden zum Standard. Das liegt auch am NV, der für einen Straßenpreis von rund 730 EUR inklusive einer Serato DJ-Vollversion wirklich viel bietet. Von daher: Ja, der NV ist ein guter Controller. Zwar veränderter nicht alles grundlegend, weil er im Grunde genommen ein klassischer Vierkanaler ist. Aber er ist ein Fingerzeig, wohin die Reise nicht nur bei Numark geht. So stellten die US-Boys auf der letzten NAMM die neuste Version ihres Flaggschiffs NS7 vor – natürlich mit Displays. Wer diesen (wie auch den NV) antesten möchte, sollte sich zur Frankfurter Musikmesse an den inMusic Stand 5.1 B35 begeben.

Technische Daten:
– Vier Decks
– Zwei integrierte 4,3 Zoll Vollfarbdisplays
– 1:1 Abbildung von Serato DJ über die Screens
– Berührungsempfindliche Regler zur Steuerung der Filter, EQs und Effekte
– 5 Zoll Jogwheels aus Metall mit Such- und Scratchmodi,
– Automatische Umgebungs-Anpassung der Jogwheels (Temperatur, Luftfeuchtigkeit)
– 16 anschlagdynamische Trigger Pads mit RGB Beleuchtung
– Zehn Pad Modi zum Triggern von Samples, Cues, Loops und Slicing
– Dedizierte Regler zur Steuerung der 12 iZotope FX
– BPM-Anzeige zur manuellen Anpassung oder Sync-Button für automatisches Beat-Matching
– Crossfader mit Faderstart und variabler Curve-Einstellung
– Integriertes 24-Bit USB 2.0 Audiointerface
– Eingänge: Aux und symmetrische Mic
– Ausgänge: Zone/Booth und symmetrisch (XLR)
– Plug and Play mit Serato DJ – Vollversion inklusive
– Inklusive Toolroom Records Artist Remix Packs (Download)
– Preis: 839 EUR UVP (699 EUR MusicStore)

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