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Oliver Koletzki – Gestern, heute, morgen


Der Stil-vor-Talent-Labelboss ist ein Künstler, der in seinen Tracks genau das macht, was er will: Er erlangte die Aufmerksamkeit der Szene mit seinem Track „Mückenschwarm“, produzierte ganze vier Alben mit Pop-Affinität und besinnt sich seit einiger Zeit zurück auf den harten, treibenden Techno, mit dem bei ihm alles begann. Nach einigen gehypten Tracks, sei es zusammen mit Label-Mate Niko Schwind oder auf Solopfaden, kommt jetzt sein Album „The Arc of Tension“ raus, das einen weiteren Melienstein zu seinem markantem Technosound darstellt. Genug Gesprächsstoff, um mit Oliver über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu sprechen:

GESTERN:

Die letzten Alben waren sehr Vocal- und Pop-lastig. Wie schaust du zurück auf diese Phase?

Ich bin durchaus zufrieden mit dem, was ich in dieser Phase meines Schaffens zustande bekommen habe. Das waren immerhin vier Alben: 40 Full-Vocal Tracks mit 15 verschiedenen Sängern. Einige Songs wie „Hypnotized“, „Bones“ oder „After All“ haben einer ganzen Menge Menschen offensichtlich gut gefallen. Bereuen tue ich auf jeden Fall nichts.

Vor gut zwei Jahren hast du in einem Interview mit der „Welt“ die kommerziellen Auswüchse von EDM stark kritisiert. Wie sieht du das aus heutiger Sicht?

Das sehe ich natürlich noch genauso. Der Unterschied ist nun, dass EDM zum Glück am Aussterben ist, wenn nicht schon ganz tot. Aber das war abzusehen: Jede Strömung die so schnell aufsteigt, vor allem wenn sie so offensichtlich kommerzielle Absichten hat, verschwindet genauso schnell wieder.

HEUTE:

Dieses Mal hast du komplett auf Lyrics verzichtet und Instrumenten das Storytelling überlassen. Ist dir das leicht gefallen?

Grundsätzlich schon, da ich Vocals in einem Strophen-Refrain-Schema wirklich nicht mehr hören kann. Geschweige denn produzieren. So konnte ich wieder Arrangements und Melodien in den Fokus rücken. Das war sehr erfrischend.

Auf dem Album finden sich smoothe Downtempo-Stücke neben Techno-Brettern wieder. Wie schwer ist es für dich, solche Gegensätze in einem Projekt zu vereinen?

Ja, „Downtempo“ und „Techno“ bei diesem Album unter einen Hut zu bringen war die größte Herausforderung. Es wäre sehr viel einfacher gewesen ein reines Downtempo- oder ein reines Techno Album zu schreiben. Aber diese beiden Musikrichtungen haben es mir im Moment nun mal angetan, deswegen musste ich sie beide irgendwie unterbringen.

Beim Hören fallen sofort detailverliebte Spielereien auf, die sehr psychedelische anmuten. Wie sah die Studioarbeit für „The Arc Of Tension“ aus?

Die Hälfte der Songs habe ich skizzenhaft in Australien und Thailand begonnen zu schreiben. Instrumente wie Klavier, Cello und Trompete sind echte Instrumente, die wir in meinem Studio in Berlin aufgenommen haben. Ansonsten habe ich die synthetischen Sounds hauptsächlich mit einem Moog Liberation und dem Omisphere 2 produziert.  Die Naturgeräusche sind teilweise selbst recordet und teils von Meditations-CDs geliehen. Insgesamt habe ich zweieinhalb Jahre an diesem Album gesessen. Für meine Verhältnisse ist das relativ lange.

MORGEN:

Nach dem Album ist vor dem Album. Läuft das schon was in deinem Kopf, was da passieren könnte?

Ich bin seit drei Wochen mit Niko in Südafrika nahe Kapstadt. Wir haben uns hier ein Airbnb gemietet, die Hälfte unserer Studios mitgenommen und schreiben unser erstes Koletzki- & Schwind-Album. Das kommt dann allerdings erst 2018 raus.

Wo siehst du dich in zehn Jahren?

Ich sehe mich sehr oft im Studio neue Tracks produzieren und ab und zu mal auf einem Festival auftreten.

Aus dem FAZEmag 063/05.2017
www.oliver-koletzki.de 

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