
Ein Londoner ist wegen des Betriebs einer der größeren Fälschungsproduktionen für Vinyl in Großbritannien zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden.
Er bekannte sich laut The Guardian der Verletzung von Urheberrechten sowie des Erwerbs und der Verwendung kriminell erlangten Eigentums schuldig. Der Mann betrieb über Phoenix of Vinyl und Paragon Music eine illegale Presserei.
Dort wurden gefälschte Platten von Acts wie Taylor Swift, Coldplay und Kendrick Lamar hergestellt und über Plattenläden sowie Plattformen wie Discogs und eBay verkauft. Bei einer Razzia in der Fabrik im Westen Londons beschlagnahmte die Polizei im Februar 2024 Produktionsanlagen und 15.000 Schallplatten.
Die Produktion erfolgte vollständig vor Ort. Drei oder vier Personen waren daran beteiligt, während Labels und Cover extern gedruckt wurden. Wie groß das Problem mit gefälschten Tonträgern ist, zeigt eine Bilanz der British Phonographic Industry (BPI).
Die Organisation unterstützte in den vergangenen zwei Jahren 43 Durchsuchungen wegen gefälschter Vinyls und CDs. Dabei wurden rund 600.000 Tonträger mit einem geschätzten Verkaufswert von bis zu etwa 9,2 Millionen Euro beschlagnahmt.
Mindestens zehn weitere Ermittlungen wegen gefälschter Vinyls laufen laut BPI derzeit. Für Käufer stellt sich dabei auch die Frage, wie sich echte Veröffentlichungen von Fälschungen unterscheiden lassen.
Bei einem Counterfeit handelt es sich um ein möglichst identisches Duplikat einer regulär veröffentlichten Schallplatte. Ein Bootleg bezeichnet dagegen eine Pressung einer Aufnahme, die nicht zur Veröffentlichung gedacht war oder bislang nicht offiziell erschienen ist.
Bootlegs können beispielsweise Konzertmitschnitte oder Studioaufnahmen enthalten, die auf anderem Weg an die Öffentlichkeit gelangt sind. Ihr rechtlicher und moralischer Status wird im bereitgestellten Hintergrundtext als teilweise nicht eindeutig beschrieben.
Ein früherer Fall zeigt zudem, wie nah Fälschungen am Original sein können. Ein Händler soll laut The Guardian mit gefälschten Schallplatten mehr als eine Million Pfund umgesetzt haben, umgerechnet rund 1,15 Millionen Euro. Er soll die Tonträger online nach Europa verkauft haben.
Aufgeflogen sei der Fall nach einer Beschwerde eines unzufriedenen Kunden. Die zuständige Behörde bestellte daraufhin selbst Platten und stellte fest, dass es sich um Fälschungen handelte.
Der Händler musste anschließend für einige Monate ins Gefängnis und eine Geldstrafe zahlen. Wer Vinyl auf Echtheit prüfen möchte, kann zunächst kontrollieren, ob die betreffende Veröffentlichung überhaupt regulär erschienen und in der Diskografie des jeweiligen Acts verzeichnet ist.
Auch die Matrixnummer in der Auslaufrille kann mit Angaben zur jeweiligen Pressung abgeglichen werden. Weitere Hinweise können Cover und Verarbeitung liefern. Matte Kopien des Originals, fehlende Gatefold-Cover oder identische Cover verschiedener Veröffentlichungen können auffällig sein.
Auch scharfe Kanten und Unebenheiten am Rand der Platte gelten als mögliche Hinweise. Der Klang kann ebenfalls Aufschluss geben. Bei hochwertigen Fälschungen sind die Unterschiede zum Original allerdings teilweise so gering, dass sie meist nur bei genauem Hinhören auffallen. Fehlende Beilagen können ebenfalls ein Indiz sein.
Besonders beim Online-Kauf über Plattformen wie Discogs oder eBay ist eine vorherige Prüfung schwierig. In einem Plattenladen besteht dagegen die Möglichkeit, das Vinyl und seine Verarbeitung unmittelbar zu inspizieren und gegebenenfalls kurz hineinzuhören.
Quelle: Resident Advisor / HIFI.de
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