Overdrive Records: Vinyl-Store-Inhaber Andy Düx im Interview

 

1990 rief Andy Düx gemeinsam mit Udo Niebergall das Label Overdrive Records ins Leben, auf dem unter anderem Mark N-R-G, Sven Wittekind und Tom Wax ihre Musik veröffentlichten. Einher mit dem Label ging auch der gleichnamige Recordstore in Mainz, den Düx bis heute führt. Wir haben mit ihm über goldene alte Zeiten und die harte Realität im Jahre 2024 gesprochen.

Hallo Andy. Du bist seit 1980 DJ. Wann hast Du angefangen, Platten zu verkaufen und wo?

Hey! Das war nach den Sommerferien 1987. Ich habe meine Ausbildung beendet und bis 1992 bei Schallplatten Knie in Wiesbaden Vinyl gedreht. Danach habe ich meinen eigenen Recordstore mit Holger Wick (Now) in Mainz eröffnet.

Bereits einige Jahre zuvor hattest du das Label Overdrive mitgegründet. Den Recordstore gibt es bis heute. Montagmittag, 13 Uhr. Der Laden öffnet. Was machst du als erstes? 

Ich fange meist an, mir ein paar News of the week anzuhören, also neue Releases. Im Anschluss hole ich die Anfragen und Nachrichten auf Facebook und Instagram nach. Montags und Dienstags ist es meistens sehr ruhig.

Die Öffnungszeiten sind vergleichsweise kurz. Zwischen vier und fünf Stunden hat der Store auf. Was machst du davor und danach?

Vor zehn Uhr stehe ich selten auf. Bis 12 versuche ich dann langsam in den Tag zu kommen. Nach dem Shop geht’s entweder zum Fußballtraining mit meinem Sohn Luca oder mit den Jungs ins Studio, um etwas Neues zu produzieren.

Schmeißt du den Laden komplett alleine oder gibt es Unterstützung?

Mittlerweile stehe ich alleine im Shop, es hat sich viel verändert und ich kann mir derzeit keine Aushilfen leisten. Das liegt vor allem an den Preisen von neuem Vinyl, vielen meiner Stammkunden ist es einfach zu teuer geworden und mit Second Hand klappt das nur bedingt.

Du bist trotzdem weiterhin mit viel Herzblut dabei. Was liebst du besonders an der Arbeit? 

Im Moment freue ich mich am meisten, wenn ab und zu ein paar Jungs auftauchen, die ich seit Monaten nicht mehr gesehen habe. Man quatscht über neue Releases, Events und alles was dazu gehört.

Gibt es auch etwas, was dich nervt?

Am meisten nervt mich das lange Hören der Neuheiten. Es wiederholt sich ständig alles, wir drehen uns doch schon seit Jahren im Kreis. Für uns alte Hasen ist es echt langweilig, aber für die junge winkende Generation ist das natürlich alles neu.

Drehen wir die Zeit zurück. Wann befand sich der Laden auf dem Höhepunkt?

Die beste Zeit im Shop war um 1996 herum. Wir haben 100 „Homework”-Alben von Daft Punk in nur einer Woche verkauft.

Gab es auch etwas wie einen Tiefpunkt? Die Corona-Zeit war sicher nicht einfach, oder?

Genau, die Corona Zeit war sehr hart, auch wenn es zwischenzeitlich mal ganz gut mit dem Versand lief.

Mittlerweile verkaufst du auch Second Hand, Wave und Rock. Eine Notwendigkeit? Wo kaufst Du Deine Neuheiten ein?

Wenn ich Genres wie Wave, Rock, Dance und Co. nicht hätte, wäre ich echt pleite. Der Umsatz mit Elektronischer Musik ist nach Corona stark eingebrochen, was natürlich mit den Preisen zusammenhängt. Meistens kaufe ich bei Deejay.de und bei kleinen Labels direkt.

Es gab ja auch lange Jahre das Label zum Shop. Warum wurde das Label damals eingestellt?

2010 wollte ich nach 20 Jahren Overdrive Records nochmal frischen Wind fürs Label einbringen und habe 50 Prozent der Anteile Verkauft. Leider haben wir uns nach vier Jahren so zerstritten, dass wir Overdrive Records eingestellt haben.

Welche Platten hast Du am besten verkauft? 

Top 3 Overdrive:

  • Mark N-R-G – Don’t Stop
  • Mark N-R-G – Nightflight On Wax
  • Microbots – Cosmic Evolution

Top 3 Maxi:

  • Thomas Schumacher – Ficken?
  • Emmanuel Top – Turkish Bazar
  • Jeff Mills – Kat Moda

Top 3 LP:

  • Daft Punk – Homework
  • Johannes Heil – Reality To Midi
  • C-Tank – Nightmares are Reality 1