Patrik Berg und Frank Sonic kommentieren den aktuellen Hardtechno-Skandal

Patrik Berg und Frank Sonic kommentieren den aktuellen Hardtechno-Skandal

Die Skandale rund um die Hardtechno-Szene erreichten uns alle überraschend. Immer mehr DJs melden sich zu Wort, teilen eigene Erfahrungen oder Meinungen, die sie bereits lange vermutet hatten und die sich nun bestätigt haben. Unter ihnen ist auch der DJ und Labelgründer Patrik Berg, der öffentlich seine Sichtweise äußert. Auch andere Künstler wie Frank Sonic melden sich zu Wort.

Auf Instagram teilte Patrik Berg zuletzt mehrere Storys, in denen er seine Meinung und seinen Standpunkt erklärte. Für ihn ist die aktuelle Entwicklung traurig: Aus einer Szene, die einst für Akzeptanz und Entfaltung stand, ist ein Umfeld geworden, das stark von Kommerz und Machtstrukturen geprägt ist. Gleichzeitig betont er, dass ihn diese Entwicklung nicht überrascht. Was einst als Safe Space galt, ist heute ein Ort, an dem vor allem Kommerz und Reichweite zählen. Laut ihm werden DJs zunehmend wegen ihrer Social-Media-Präsenz gebucht – nicht wegen ihrer Musik.

Während Acts, die die elektronische Musikszene geprägt haben, verschwinden, tauchen neue Acts auf, die große Reichweite besitzen, aber musikalisch wenig Substanz bieten. Diese Entwicklung führt zu einem eher elitären Konzept, bei dem Reichweite und Gagen im Vordergrund stehen – und Macht missbraucht wird. DJs erkennen ihre Position und nutzen sie aus.

Was einst eine Kultur war, die von marginalisierten Gruppen aufgebaut wurde, ist heute stark kommerzialisiert. Früher ging es um Entfaltung und um die Schaffung eines sicheren Ortes, an dem jede:r man selbst sein konnte. Heute bestehen viele Headliner aus TikTok-DJs, die ihre Fanbase mitbringen und die Szene eher als Ästhetik begreifen, statt sie aktiv zu leben. Viele DJs schämen sich mittlerweile dafür, Teil der Szene zu sein.

Auch Frank Sonic vergleicht die alte Szene mit der heute überpopularisierten Hard-Techno-Szene. Er berichtet, dass Acts heute immer schneller an Bekanntheit gewinnen – etwas, wofür man früher hart arbeiten musste. Social-Media-Plattformen wie TikTok und Instagram erleichtern den Einstieg, sodass Künstler:innen schneller Aufmerksamkeit erlangen. Gleichzeitig zeigt sich jedoch oft, dass es nur um Schnelllebigkeit geht: Viele Tracks werden hastig produziert und auf den Markt gebracht, damit sofort der nächste Track folgen kann.

Natürlich existieren noch Legenden wie Jeff Mills oder Sven Väth, doch viele jüngere Menschen der Szene kennen diese Namen kaum. Heute prägen DJs wie Holypriest und andere die Szene der jüngeren Generation. Acts, die gerade erst Fuß fassen, sind oft nur vorübergehend bekannt.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, warum eine Szene, die ursprünglich weit vom Kommerz entfernt sein wollte, sich so stark kommerzialisiert hat. Warum unterstützen wir Künstler:innen, die nur wegen Gagen oder Sichtbarkeit Teil der Szene sind und nicht ihre eigene Linie verfolgen? Warum unterstützen wir nicht kleine Kollektive, Events oder Acts, die klein anfangen, denen Kommerz egal ist und die den Kern der Szene noch aufrechterhalten?

Es ist ein Thema, das uns allen erneut deutlich macht, dass sich die Szene in eine negative Richtung entwickelt hat – ein Thema, das uns alle zum Nachdenken anregt.

Mehr von und über Patrik Berg erfahrt ihr in der kommenden FAZEmag-Ausgabe, in der der Kölner als Titel-Act gefeatured wird. Frank Sonic schreibt regelmäßig Technik-Reviews für unser Magazin.

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