Paul Kalkbrenner: Anwohner bei Stadt-Konzert über Lärm verärgert

Paul Kalkbrenner – Anwohner in Karlsruhe über Lärm verärgert

„Sky and Lärm“, so titelte die lokale News-Seite ka-news über das Konzert Paul Kalkbrenners vom vergangenen Sonntag in Karlsruhe vor 20 000 Besuchern und fokussierte sich auf verärgerte Anwohner.

Paul Kalkbrenner in der Stadt auf einem zentralen Platz? Geil, hin da! Das zumindest würden die meisten unserer Leser sagen, wenn der Berliner Techno-Produzent und -DJ in ihrem Wohnort ein großangelegtes Konzert geben würde. Die Leser von ka-news.de sehen das jedoch anscheinend teilweise anders.

Vergangenen Sonntag spielte Kalkbrenner auf dem zentral gelegenen Messplatz der in Baden-Württemberg gelegenen Großstadt Karlsruhe. Die Veranstalter warben mit einem einzigartigen Erlebnis, einem abgestimmten Bühnenkonzept und einer 100m²-LED-Wand. Tickets gab es ab 35 Eur. Sicherlich ein Spektakel für alle regional wohnenden Techno-Fans und Liebhaber künstlerisch hochwertiger elektronischer Musik. Das nicht alle die Techno-Musik Kalkbrenners als auditive Kunst sehen, bewiesen die Reaktionen mehrerer Anwohner der umliegenden Wohngebiete. Da bekam die Veranstaltung, die unter dem Motto „Karlsruhe Calling“ durchgeführt wurde, eine ganz andere Bedeutung: Zahlreiche Anwohner riefen bei der örtlichen Polizei aufgrund von Lärmbelästigung an. Karlsruhe Calling im wahrsten Sinne des Wortes. Ganz anders als noch im Juni beim Konzert in Dresden, bei dem sich die Besucher über eine zu leise Lautstärke beschwerten.

Hier ein Eindruck von Paul Kalkbrenners Konzert vergangenen Sonntag in Karlsruhe:

Dass die sich beschwerenden Anwohners andere Interessen als den Musikgenuss und ein kulturelles Angebot vor Ort vertreten, zeigte etwa der Post eines Lesers von ka-news: „“Sonntagabend die Stadt mit Techno-Bässen beschallen? Kinder haben morgen ersten Schultag!“ Eine andere Leserin des News-Portals beschwerte sich über die Lautstärke des Happenings: „Die Lautstärke war abartig laut und das Konzert noch kilometerweit zu hören, der Schalldruck, der von den Häusern abprallte, war einfach unglaublich.“ – So unterschiedlich kann man Techno erleben. Brigitte, so der Name der Leserin, sei der Meinung, andere Locations der Stadt seien besser geeignet für derartige Austragungen. Tatsächlich wollten die Veranstalter, eine GmbH aus Karlsruhe, die unter anderem auch Erfahrungen mit der Veranstaltung des Rheingrün Open Airs in Karlsruhe hat, das Konzert auch eigentlich auf dem dezentraleren gelegenen Schlossplatz in Karlsruhe austragen – mit einer bezaubernden Kulisse vor dem Schloss Karlsruhe aus dem 18. Jahrhundert. Eigentlich eine schöne Idee, oder? Erinnert uns an die Solomun-Show oder die Cercle-Shows vor dem Château de Chantilly in der Nähe von Paris.

Hätte das Konzert Kalkbrenners etwa so ausgesehen, wenn es vor dem Karlsruher Schloss stattgefunden hätte?

Das lehnte die Stadt jedoch ab, da sie den Messplatz als geeigneter und besser angebunden empfunden hat: „“Der Messplatz ist von der Größe, Infrastruktur und Anbindung an den ÖPNV sowie an die öffentlichen Verkehrsflächen durchaus geeignet für die Durchführung von Großveranstaltungen“.  Auch nach den Beschwerden der Anwohner hält die Stadt daran fest.

Der Einlass für die Veranstaltung erfolgte ab 15 Uhr, das Warm-up ab 18 Uhr. Genehmigt wurde das Open-Air bis 22 Uhr. Pünktlich zur Nachtruhe war also Schluss. Auch die Lautstärke habe sich im rechtlichen Rahmen bewegt. Das Ordnungsamt bestätigte, „dass das Beschallungskonzept funktioniert hat“. Dieses sah eine Lautstärkemessung an sieben Punkten vor. Ka-news unterdessen hat ein Statement beim Veranstalter angefragt, das, sobald es vorliege, zum Artikel ergänzt werden solle.

Paul Kalkbrenner postete gestrig einen Ausschnitt vom Konzert, das ihm mit Regen im Vordergrund beim Performen seines Hits „Cloud Rider“ zeigt mit den Worten „The rain couldn’t stop us“ – die Anwohner konnten das Konzert wohl genauso wenig stoppen.

Trotzdem wirft das Prozedere rund um das kulturell-künstlerische Open-Air erneut Fragen um Veranstaltungsflächen und das Zusammenleben in Städten auf. Wem gehört die Stadt, wie kann ein gemeinsames Zusammenleben zwischen verschiedenen Interessen in einem urbanen Raum erfolgreich gelingen, so, dass alle gleichberechtigt sind und wo gibt es in Städten geeignete Open-Air-Flächen, um Kulturveranstaltungen auszutragen, sodass die Kunst nicht auf der Strecke bleibt? Im Fall von Karlsruhe ist aus Kultursicht positiv hervorzuheben, dass die Stadt eine Fläche wie den Messplatz anbietet. Doch was ist, wenn damit nicht alle Interessen berücksichtigt werden und sich manche Menschen gestört fühlen? Ein aktuelles Politisches Thema der Stadtpolitik, dass sich nicht nur auf Karlsruhe beschränkt.

Wer den Gig von Paul Kalkbrenner in Karlsruhe verpasst hat, der bekommt übrigens morgen, am 14. September 2024 in Berlin die Chance Paul Kalkbrenner live spielen zu sehen. Dort spielt er morgen Abend auf der Waldbühne. Zu den noch verfügbaren Tickets geht es hier.

Quellen: ka-news.de, karlsruhe-erleben.de, Facebook

 

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