Paul van Dyk: TikTok-Techno ist „scheiße und bewegt niemanden“

Paul van Dyk hat in einem aktuellen Interview deutliche Worte für aktuelle Entwicklungen in der elektronischen Musik gefunden.

Der Trance-Pionier sprach über sein neues Mentoring-Programm, die Bedeutung künstlerischer Eigenständigkeit und erklärte, warum er Trends seit jeher bewusst ignoriert. Im Mittelpunkt seiner Kritik steht eine Entwicklung, die er als „TikTok-Techno“ bezeichnet.

Gemeint sind Produktionen, die vor allem auf kurze Social-Media-Momente zugeschnitten sind. Für Paul van Dyk steht dieser Ansatz im Widerspruch zu seinem Verständnis elektronischer Musik. Der Berliner DJ und Produzent betont, dass Trends für ihn nie der Maßstab gewesen seien.

Stattdessen habe er schon früh seinen eigenen musikalischen Anker gefunden. „Mir ist es Wurst, was gerade der letzte Trend ist. Mir geht es um meine musikalische Idee, meinen künstlerischen Ansatz“, erklärt er gegenüber DJ Mag.

Für van Dyk müsse Musik mehr sein als ein kurzer Aufmerksamkeitseffekt. Entscheidend sei, dass sie Bedeutung und Substanz habe. Nur wenn ein Künstler selbst vollständig von seiner Musik überzeugt sei, könne er diese Energie auch an das Publikum weitergeben.

Besonders kritisch äußert er sich über die Schnelllebigkeit sozialer Medien. „Für mich hat elektronische Musik, und das klingt plakativ, aber immer mit einer Reise zu tun, und das ist bei den TikTok-Style-DJs anders“, sagt van Dyk.

Aus seiner Sicht entferne sich dieser Ansatz von den emotionalen Grundlagen, auf denen elektronische Musik entstanden sei. „Es gibt ja heute so was wie TikTok-Techno, wobei es nur um zehn Sekunden geht, die bei Social Media gut aussehen. Aber das ist als solches einfach scheiße und bewegt niemanden.“

Aktuell möchte van Dyk verstärkt junge Produzenten fördern. Mit seinem neuen Mentoring-Programm will er Künstlern dabei helfen, ihren eigenen Stil zu entwickeln. Bewerber sollen dabei nicht nur technisch unterstützt werden, sondern vor allem lernen, eine langfristige künstlerische Identität aufzubauen.

Als wichtige Voraussetzung nennt er dabei nicht allein Talent. Vielmehr gehe es darum, kreative Ideen zu erkennen und weiterzuentwickeln. Van Dyk sieht häufig Produzenten, die einen einzelnen erfolgreichen Track veröffentlichen.

Für eine nachhaltige Karriere brauche es jedoch deutlich mehr als einen kurzfristigen Erfolg. Bei dem Programm sollen ausgewählte Teilnehmer gemeinsam mit ihm und seinem Team an ihrer Musik arbeiten.

Über die verschiedenen Labels seines Umfelds besteht zudem die Möglichkeit einer Veröffentlichung, sofern die Produktionen den gewünschten Qualitätsansprüchen entsprechen. Entscheidend sei für ihn am Ende nur das Ergebnis.

Musik müsse Menschen erreichen, motivieren und idealerweise Emotionen auslösen. Genau darin sieht Paul van Dyk auch den Unterschied zwischen nachhaltiger künstlerischer Arbeit und kurzlebigen Trends der sozialen Medien.

 

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Quelle: DJ Mag

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