Credits: Christoph Köstlin


Vor wenigen Wochen meldete sich Booking United erneut mit einem offenen Brief zu Wort, um auf das Leid der Kulturszene aufmerksam zu machen. Zu den Schirmherren der Mitteilung gehörten auch zahlreiche Künstler-Größen wie Sven Väth, Dr. Motte oder Paul van Dyk. Letzterer äußerte sich nun in einem Interview mit dem Magazin “Der Spiegel” abermals zu der brisanten Thematik.

Auf das angesprochene Risiko der hohen Ausbreitungsgefahr bei Tanzveranstaltungen in geschlossenen Räumen entgegnete van Dyk, dass es speziell ausgearbeitete Konzepte für Innenräume gebe, die ein Clubben prinzipiell ermöglichen würden. Dies bleibe von der Politik jedoch weitestgehend unbeachtet. Auch kritisiert er, dass der gesamte kulturelle Bereich von den Politikern “stiefmütterlich” behandelt werde. Ein Konzert- oder Theater-Abend oder ein Nachmittag in der Kneipe seien laut van Dyk genauso ein kulturelles Bedürfnis wie “am Wochenende zu elektronischer Musik zu tanzen”.

27 Millionen Euro hat die Kulturstaatsministerin Monika Grütters der Kultur-Branche zugesichert. Ob dies nun ausreichend ist oder nicht, sei für den mit bürgerlichem Namen heißenden Matthias Paul hingegen irrelevant. Ihm gehe es vor allem darum, wieder arbeiten zu dürfen. Solange Clubs und Veranstaltungsorte jedoch weiterhin als gefährdende statt gefährdete Orte angesehen werden, stehen die Aussichten für den 48-jährigen und alle anderen Künstler bzw. Musiker jedoch schlecht. Für die Schließung der Locations hat van Dyk kein Verständnis: “Es ist viel die Rede von “illegalen Partys”, die zur Weiterverbreitung des Virus beitragen. Da ist es doch absurd, Klubs und Veranstaltungsräume zu schließen. Das wären genau die Locations, in denen man Hygienekonzepte umsetzen könnte, wo man nachverfolgen könnte, wer wann da war. Das geht nicht, wenn die Leute wie jetzt vor 22 Uhr in den Supermarkt gehen, Alkohol kaufen und dann zusammen in einer kleinen Wohnung feiern”, so die Trance-Ikone.

Doch “funktioniert Klubkultur ohne Zügellosigkeit?”, will der Spiegel wissen. Und auch hierfür hat Van Dyk eine klare wie auch simple Antwort parat: Für ihn gehe es nicht um Zügellosigkeit, sondern um die Musik, die ihn antreibe.

Die Frage, ob Livestreaming ein “Weg aus der Krise der Klubkultur” sein kann, beantwortet van Dyk mit einem klaren “Nein”. Als Künstler habe man schließlich die Kosten für die Technik(er) und den Social-Media-Aufwand zu decken. Ein finanziell lohnendes Geschäft sei das Livestreaming wohl nur für Weltstars wie U2 oder Justin Bieber.

Im Hinblick auf den Zustand der Clubkultur nach der Pandemie zeigt sich der mehrfach ausgezeichnete Produzent optimistisch. Sobald Events wieder ohne Hygienekonzept möglich sind, werde alles wieder so “passionate” sein wie vorher.

Unterschreiben wir.

 

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Quelle: Der Spiegel