Nur noch wenige Wochen bis Weihnachten. Schon jetzt sieht man Menschen händeringend nach einem passenden Geschenk für den oder die Liebste suchen. Grundsätzlich ein guter Zeitpunkt für die Veröffentlichung einer Compilation. Und auch wenn bei der Entscheidung des Releasezeitpunkts das Fest der Liebe so gar keine Rolle gespielt hat, könnte die zweite  „Time For House“-Ausgabe von Phonique auf seinem eigenen Label Ladies & Gentlemen eben jenes passende Geschenk sein.

„Ich hoffe doch, dass die Leute auch außerhalb der Weihnachtszeit Spaß an guter, abwechslungsreicher Housemusik haben“, hofft Michael Vater. „Time For House 2“ hat mit exklusiven Nummern von Tigerskin, Diehl, Gallus & Kurus u.a. tatsächlich auch weit über die Feiertage hinaus Bestand. Präsentiert wird feinster Deep, Minimal und Tech House – eben der Sound, für den Phonique seit Jahren steht. “Eigentlich kommt auf diese Compilation alles, was mir gefällt. Man hört, dass musikalisch ein breites Spektrum vertreten ist – von ganz deepen Klängen bis hin zu NuDisco oder Tech House. Zusätzlich zu den mir sowieso schon auf meinen Reisen zugeflogenen Tracks habe ich dann noch den einen oder anderen Kollegen gefragt, ob er nicht etwas für mich hat – und schwupps waren da auf einmal 16 Tracks zusammen.“ Klingt wie ein Kinderspiel, ist aber vor allem eine Herzensangelegenheit. So lässt es sich der Berliner auch nicht nehmen, zwei eigene Tracks beizusteuern. Zum einen ist da „Burning“ mit Sharam Jey. „Sharam und ich sind schon eine Weile in Kontakt und wollten schon immer mal etwas zusammen machen. Er hatte eine Rohversion von ‚Burning‘ auf Lager, und ich habe den Track dann mit meinem Studiopartner ausproduziert.“ Zum anderen gibt es eine Kollaboration mit Pupkulies & Rebecca. „Der Track war im Original schon auf meinem letzten Album, und der Kolombo Remix lag seitdem in den Startlöchern, war aber für Dessous zu sehr nach vorne, zu Electro.“

Dass House gerade wieder eine Rennaissance erfährt, spielt  auch einem Langzeitvertreter dieses Sounds wie Phonique in die Karten – zum Teil. „Ich find das gut, aber ich habe natürlich auch ein wenig Angst vor der logischen Konsequenz, dass House für die Clubs wieder zu kommerziell scheint und diese sich zukünftig wieder mehr auf seelenloseren Minimal oder Tech House konzentrieren.“ Seelenlos ist dagegen ganz sicher nicht das, was gerade in Phoniques Studio entsteht, denn 2013 scheint der perfekte Zeitpunkt für ein neues Album zu sein. Immerhin erschien das vorerst letzte, „Kissing Strangers“, in 2010. Bisher hat sich Herr Vater stets an einen Dreijahresrhythmus gehalten. „Geplant ist der Turnus eigentlich nicht. Das erste Jahr nach einem Album bin ich erstmal froh, wieder frei zu sein, dann wird ein Jahr geremixt und dann ist das nächste in Arbeit – macht also tatsächlich etwa drei Jahre.“ Und steckt er also rein rechnerisch gerade noch mitten in der Produktion hierfür und ist vom befreienden Gefühl nach dem Release noch ein ganzes Stück entfernt, wird er die Weihnachtszeit dennoch entspannt im Kreise der Familie genießen. „Ich habe zu Heiligabend immer meine Eltern und meinen Sohn bei mir. Weihnachten beginnen bei uns schon immer ein paar Tage früher. Meine Eltern kommen angereist, der Weihnachtsbaum wird besorgt und geschmückt. Gerade, wenn man ein Kind hat, ist das schon sehr wichtig. Am ersten Weihnachtstag macht sich dann mein Sohn auf die Reise zu seinen anderen Großeltern, während ich mich auf nach Brasilien mache, um dort unter anderem zu Silvester aufzulegen und ein wenig der Kälte zu entfliehen.“ Wer nicht nach Brasilien kann, der lässt sich die dieser Tage so dringend benötigte Wärme einfach mit „Time For House 2“ frei Haus liefern. / Nicole Ankelmann

FAZEmag 010/12.2012

www.soundcloud.com/phonique