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Planet Xenbel von Xenia Beliayeva – Blaues Barhaus

Ursprünglich war der Abend anders geplant. Naja, wir sind spontan, und so kam es, dass wir gestern Nacht in Smoking und Abendkleid auf dem Hundeplatz saßen, Cocktails tranken und philosophierten.

Ich nummeriere uns einfach mal durch, um Identitäten zu schützen. Wir, Eins, Zwei, Drei und Vier, wollten eigentlich ins Casino. Eins hat ihren Ausweis vergessen, deswegen sind wir nach dem Abendessen zu Drei auf den Balkon und haben erstmal zwei Flaschen Bollinger geköpft. Als der Champagner alle war, sind wir zum Blauen Barhaus. Da war es stickig, drum nahmen wir unsere Getränke und setzen uns auf die Bank beim Hundeplatz.

Drei: „Der Passant trägt weiße Hosenträger.“
Zwei: „Hipster mit Hosenträgern, nein!“
Drei: „Vor allem diese Hosenträger, die hinten runterhängen, weil sie die nicht nutzen. Arsch!“
Zwei: „Das erinnert mich ein bisschen an die 90er-Jahre-Kultur der Latzhosen. In der Leute die Latzhosen aufgelatzt und danach heruntergelatzt haben. Wodurch der ganze Latz quasi im Schritt baumelte.“
Eins: „Das habe ich auch so gemacht!“
Zwei: „Ich glaube, die Backstreet Boys haben damit angefangen.“
Eins: „Und dann hatte ich so einen 4You Ranzen und komische T-Shirts.“
Eins: „Was ich dir vorhin noch sagen wollte, dieses Cookies, das ist doch der Laden, in dem ***** einen Videoclip gedreht hat.“
Zwei: „Richtig, dort ist Sean jetzt der Bookingmanager!“
Eins: „Ach, das gibt es noch, die haben doch so eine verspiegelte Kokser-Theke auf Nasenhöhe!“
Drei: „Geil!“
Zwei: „Kennt jemand von euch das Cookies?“
Vier: „In Berlin?“
Zwei: „Ja. Für mich ist das so ein 90er-Jahre-Überbleibsel. Sean, den Eins übelst scheiße findet, feiert sich gerade auf Facebook ziemlich ab und veröffentlicht alle Mails von irgendwelchen DJs, die ihn fragen, ob sie dort auflegen können und macht sich mega lustig darüber.“
Vier: „Oh, dicke Eier!“
Eins: „Gar keine Eier, wenn du mich fragst! Er meint er steht über allem, ist zu cool für alles und jeden und kann gar kein normales Gespräch mehr führen!“
Zwei: „Aber die Kampagne, von der er letztens gesprochen hat, habe ich auf Plakatwänden gesehen. Er heißt Sean Patrick!“
Vier: „Sean Patrick, pfff, hahaha, fall um!”
Drei: „Patrick, it’s Patrick!“
Eins: „Jetzt sag noch mal bitte den Nachnamen!“
Zwei: „Ich hätte es viel geiler gefunden, wenn er sich als DJ mit seinem richtigen Namen betiteln würde. Er heißt nämlich Shawn Ironside.“
Vier: „Legt er nicht 118 bpm auf? Da passt Ironside natürlich nicht!“
Eins: „Zwei, hast du mal eine Zigarette für mich?“
Drei: „Bitte!“
Eins: „Nein!“
Zwei: “Emanzipation, Digger!“
Drei: “Ach so, Scheiße!“
Eins: „Ich habe vorhin auf der Autobahn einen gesehen, der kam aus SM. Was ist das überhaupt für ein Kennzeichen?“
Vier: “Smartphone, tell me! Ah, ja, Schmalkalden, muss man nicht kennen.“
Zwei: “Das wäre mal ne witzige Konstruktion, wenn sich Sklaven emanzipieren und in der SM-Szene eine Diskussion über Emanzipation aufkommt.“
Drei: „So wie in der Jazzmusik, damals.“
Zwei: „Miles Davis.“
Drei: „Ach, räusper, hust, hust.“
Zwei: „Das war die Olive!“
Drei: „Atmen und trinken, dumme Idee.“
Zwei: „Ich glaube, die haben letztens ein Programm gemacht, bei dem du 1.000 Euro pro Monat bekommst, wenn du deinen Hauptschulabschluss machst.“
Vier: „Kann ich einen Schluck von deinem Drink probieren?“
Drei: „Bitte, ist ein Martini, den wirst du nicht mögen!“
Vier: „Pfui!“
Drei: „Ich möchte mich umbenennen in Prophet ****.“
Zwei: „Kann man sich das als Künstlernamen eintragen lassen?“
Eins: „Benenn dich doch um in German Prophet. Da ist die NSA auf jeden Fall auf deiner Seite.“
Drei: „Ich bin der neunte Prophet!“
Zwei: „Da musst du erst deinen Doctor of Ministry bei der Church Of Miami machen!“
Eins: „Quatsch, wir kaufen ihm für 19,95 EUR einen Doktortitel bei Groupon!“
Vier: „Ich habe nächsten Monat einen Künstler in Miami, vielleicht sollte ich ihn zur Church Of Ministry schicken. Diese Künstler wollen immer unterhalten werden!“
Drei: „Btw, kann ich eigentlich ein paar Titel von deinem neuen Album hören?“
Vier: „Na klar! Das ist echt gut, weiß gar nicht, warum es niemand kauft!“
Eins: „Wie viele Demos hast du verschickt?“
Vier: „Zwei!“
Alle: Lautes Lachen!
Zwei: „Lass es uns viral pushen. Wir sagen, das ist total verboten. Es ist der 10.000 Dollar-Track, und jeder, der ihn spielt, ist verflucht!“
Drei: „Genau! On top bekommt er noch eine Abmahnung von der Antifa.“
Zwei: „Ja, sehr gut! Wir sagen einfach, das ist Nazimusik.“
Drei: „Im Gegenteil, wir sagen, dass ist Musik, die die Nazis versucht haben zu unterdrücken!“
Eins: „Gutes Konzept!“
Zwei: „Haben wir schon mal über das Studio für elektronische Musik in Köln gesprochen? 1936.“
Vier: „Nein! Wir brauchen neue Drinks, der Martini von Drei ist ungenießbar für mich!“

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