Planet Xenbel von Xenia Beliayeva: Lust auf Veränderung


Raus mit den alten Möbeln, Zeit für Neues. Neue Gegenstände, neue Gedanken, helle Farben, klare Linien. Ein Hauch von Frische sollte meinen Sommer unterstreichen. Ordnung im Studio und im Büro. Beflügelt von einem Potpourri neuer Einsichten machte ich mich ebenfalls daran, meinen Lebensraum neu zu gestalten.
Vor dem Anstrich musste ich natürlich erst einmal alle Schränke, Kisten und diverse andere Möbel von A nach B schaffen. Aber was war eigentlich in all den Kisten drin? Mit meinem neu gewonnenen Elan wollte ich den Dingen ganz und gar auf den Grund gehen und habe erstmal alle Körbe, Boxen und Schränke leer gemacht. Anstelle von Ordnung schuf ich Chaos. Aber nun gut. Ich wusste schon lange nicht mehr, was ich in den letzen Jahren alles angesammelt hatte, geschweige denn, ob ich es jemals wieder brauchen werde. Jedes Utensil wurden von meinen Peter-Fox-Alles-Neu-Augen angemessen betrachtet, worauf hin ich dann über dessen Schicksal entschied. Wer braucht 2012 schon 47 Cinch- und neun Modemkabel? Von Curver-Kisten ganz zu schweigen. Und so bohrte ich mich durch einen Berg von nutzlosem Kram und war stolz, ihn ruhigen Gewissens wegzuschmeißen, bis ich auf einen schlummernden Schatz stieß. Alte Kassetten! Tapes – Tapes, die mir in meiner Jugend heilig waren. Aus einer Zeit vor der digitalisierten Welt, in der Datenträger mittlerweile nicht größer als Stecknadelköpfe sein müssen und in der ein Ghettoblaster im Vergleich zum iPod wie ein Panzer aussieht. Ich dachte an The Buggles’ „Video Killed The Radio Star“ und schloss mit einem der 47 Cinch-Kabel mein altes Tapedeck an. Wahllos griff ich in die Kiste, drückte mit etwas Muskelkraft auf die Play-Taste und siehe da – um mich war es geschehen. Everything But The Girl katapultierte mich von 0 auf 100 in eine vergessene Dimension meiner Jugend, die gefühlsmäßig an nichts verloren hat.
Mag sein, dass physikalische Kräfte mein Äußeres verändert haben, doch nur mit dem Herzen hört man gut, und genau das tat ich die ganze liebe Woche lang. Das Aufräumen und Streichen mit den Tapes machte geradezu enormen Spaß und I can’t help it, aber ich bekam das Dauergrinsen einfach nicht aus meinem Gesicht. Jedes Tape machte mich neugieriger als zuvor, ich erlebte eine der schönsten Zeiten meines Lebens wieder, und das gepaart mit meinem heutigen Bewusstseinszustand!
„Total Recall“ ist ein Scheißdreck dagegen, diese Reise war von besonderer Art. Eigentlich wollte ich den Nachbarn fragen, ob ich nächste Woche bei ihm weiter streichen kann …
Ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass die Vergangenheit keinesfalls ein Fall für den Container sein muss und eigentlich wunderschön ist. Ich werde euch einige meiner Tapes digitalisieren. Sollte jemand die gleiche Idee nach dem 1. September auf seinem Soundcloud-Account umsetzen, wissen wir ja, wer der Trendsetter ist!
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