Planet Xenbel von Xenia Beliayeva: Ping Pong mit Funk D’Void 1:0


Wir wollen mal nicht lügen, das Internet hat die Art und Weise, wie wir arbeiten, extrem verändert. Noch nie haben wir so viel Zeit in gleichermaßen nützliche wie nutzlose Erfahrungen gesteckt. Von 9.000 Freunden, die ich auf Facebook habe und von denen ich weniger als 0,5% kenne, gehört Lars Sandberg in die elitäre Gruppe „Enge Freunde“. Enge Freunde sind laut Facebook deine besten Freunde, über die mehr in den Neuigkeiten angezeigt werden soll.

Das ist vollkommen richtig! Ich möchte wissen, was Lars schreibt, zumal er sich für die Zukunft vorgenommen hat, ein Buch mit dem Namen „Travel Wank“ zu schreiben. Eine semi-fiktionale, teils autobiographische Geschichte, die viele Szenarien aus zwei Jahrzehnten rund um den Globus eines DJs aufgreift. Das Buch kann nur lustig werden, schreibt er doch mit einem so sarkastischen Humor, dass ich manchmal das Gefühl habe, ein Sixpack vom Lachen über seine Status-Updates zu bekommen. Ich würde nicht sagen, dass Lars und ich lästern, aber die Musikbranche bietet viele Gründe zum Lachen.

Letzten Sommer war ich auf dem Pendant zur Loveparade – Berlin Beats & Boats. Eines von den Wochenenden, an denen ich auf unzähligen Partys war und kurze Zeit später gar nicht mehr wusste, wo ich eigentlich überall gewesen bin. Kein Wunder, unterschieden sich die DJs musikalisch sowieso schon kaum voneinander, haben sie sich nun auch noch optisch angeglichen. Wie kann ich bei dieser Vielfalt Überblick bewahren? Drei-Tage-Bart, V-Neck, enge Jeans, spitz zulaufende Schuhe mit Schnürsenkel und als Accessoire irgendein mystisches Amulett mit Lederriemchen um den Hals. Nicht, dass ich ein großer Style-Warrior bin, aber zumindest trage ich nicht das Gleiche wie alle anderen Frauen auf der Party, und Lars sieht überhaupt aus, als ob er gar kein DJ, sondern eher ein Geschichtslehrer mit null Sinn für Körperpflege sei. Er hat mal den modernen DJ-Look ausprobiert, zu Hause natürlich, kam aber zu dem Entschluss, dass er aussieht wie eine übergewichtige Ballerina, die kurz davor ist ihre letzte Pirouette zu drehen und deren Herrentitten frech aus dem schlecht sitzen Ausschnitt luchsen. Deswegen wurde dieses Outfit schnell zum halben Pyjamastatus degradiert.

Es ist nicht so, dass wir hier generell gegen massenkompatible Produkte sind. Lars zum Beispiel ist ganz vernarrt in sein iPad – wäre es auf Facebook, hätten die beiden eine Beziehung. Das Gleiche kann ich von meinem iPhone behaupten. Letzte Woche habe ich für meinen Mann ein Paket von Native Instruments abgeholt. Irgendwie schafft es DHL nicht, bei uns zu klingeln und gibt chronisch alle Pakete beim Bäcker an der Ecke ab. Oben angekommen konnte ich mein iPhone nicht sofort lokalisieren und bekam Panik. Mich selber anrufen bringt nicht viel, da mein Handy meistens auf lautlos gestellt ist. Anstatt in Ruhe alle Taschen durchzuwühlen, schrie ich meinen Mann an, dass ich es verloren habe, nur weil ich seinen neuen Controller abgeholt habe und rannte wie eine Bekloppte zurück zum Bäcker. Es war nicht beim Bäcker. Mein Herz pochte, Phantasien des Grauens machten sich breit und auf einmal stand der Mann im Treppenhaus, winkte mit dem Gerät und lachte mich aus. Seitdem werde ich parodiert: „Oh, mein iPhone, ahhh!“

Ich weiß nicht, ob ich den Mann unter diesen Bedingungen noch lieben kann, und ich habe auch noch lange nicht alles geschrieben. Nächsten Monat geht es noch einmal mit Herrn Sandberg, Tischtennis, Fälschern, Haustieren und der Zukunft der Musik weiter. Klinge-Ling!

souncloud.com/xenia-beliayeva

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