Xenia Beliayeva
Ab und zu unterhalte ich mich mit befreundeten DJs oder lese etwas und mache große Augen, wenn gewisse Namen und die Anzahl ihrer Facebook-Likes fällt. Bildungslücken, Selbstschutz oder einfach nur Desinteresse? Wer ist es eigentlich? Habe ich noch nie gehört!


Vor Kurzem hat Oliver Huntemann in Russland gespielt und erzählte mir später von Dash Berlin. Er wusste nicht genau, wer Dash Berlin ist und was für Musik er spielt. Als er den Namen vom Promoter hörte, schloss er daraus, dass es etwas Minimales oder Techhousiges sein könnte. Auf der Veranstaltung angekommen, war es feinster Trance auf dem Mainfloor, und Dash Berlin so etwas wie der Rattenfänger von St. Petersburg. Dann wiederum flog Herr Huntemann nach Düsseldorf und hat sich über einen gelackten Managertyp mit Gel in den Haaren erzürnt. Der Gute zückte sofort  – als die Rollen den Boden berührten – ganz wichtig sein iPhone und fing lauthals an, zu telefonieren. Es war DJ Antoine!

Ich kannte weder DJ Antoine noch Dash Berlin, habe kurz gegoogelt und anhand von Bildern und Grafik zensiert.

Dash Berlin hat 883.776 Facebook-Likes, das ist um einiges mehr als Sven Väth oder Richie Hawtin haben, und er ging dennoch komplett an mir vorbei. Gut, so gesehen gehen alle Trance-Acts an mir vorbei, aber Paul, Armin, Tiësto und Co. habe ich zumindest wachsen sehen. Ich konnte ihre Karrieren verfolgen und sie im Ansatz begreifen.

Heutzutage scheint es, als ob einige DJs ohne einen bemerkbaren Werdegang mit einer Horde von Anhängern geboren werden. Zack, Boom, Bam: Zig neue Superstars. Von Avicii bis Mary Jane Coles. Das Genre spielt keine Rolle. Interessant ist, mit was für einer Power das Management und das Marketing dieser Künstler agieren und wie clever die Köpfe sind. Ich weiß nicht, sind es echte Genies? Hart arbeitende Exzentriker, die sich ihre Welt überall schaffen, wo sie gerade gebraucht wird? Acts, die im Flieger mit Dr. Dre-Kopfhörern Songs schreiben, die sich wie „Hollywood“-Produktionen anhören? Bisher habe ich keinen von den Erwähnten live gesehen, deswegen ist es schwer nachzuvollziehen.

Dash Berlin hat anscheinend echte Fans, dass kann man bei Facebook gut daran erkennen, wie viel momentan über einen gesprochen wird. Alles Weitere ist Spekulation. An der Stelle möchte ich meine Kolumne mit den Worten von Golchehr Ghavami abschließen: „Vor zehn Jahren war es Paul van Dyk hier und Tiësto dort, dann kam Armin, und ich dachte mir: Ok, Klonen ist angesagt. Jetzt ist es ein neuer Stadionfüller jeden zweiten Monat. Es gibt nur eine andere, ebenso unangenehme Erscheinungen, die vergleichbar ist: Fruchtfliegen. Es ist eine super Idee, eine der wichtigen Bastionen für elektronische Tanzmusik der letzen zweieinhalb Jahrzehnte zu seinem Namen hinzuzufügen. Angesichts der Tatsache, dass niemand in der umfassenden Kultur der Berliner Tanzmusik (was auch immer das ist) überhaupt weiß, wer du bist. You’ve GOT to be kidding me.“

www.xenbel.net