xenbel_08.2014
Planet Xenbel von Xenia Beliayeva



Swiss Beatz

Letzten Monat war Fashion Week in Berlin. Eine ereignisreiche Woche. Entzückung für die Hipster. Einer cooler als der andere. Im Endeffekt tragen sie zwar alle die gleichen schwarzen T-Shirts mit verschiedenen Dreiecken drauf, aber lassen wir ihnen mal den Glauben von Individualität.

Im Mai schrieb meine Agentin: „Hallo Xenia, hast du Lust am 9.7. auf der Patrick Mohr Aftershow Party in Berlin zu spielen? Das Ganze findet im Prince Charles im Rahmen der Fashion Week statt. Patrick hat einen Turnschuh für Reebok designt. Dieser wird am Abend in der Solebox gelauncht. Auf dem ersten Floor präsentiert Reebok ‚Swizz Beatz‘, wir würden uns freuen, wenn du auf dem zweiten Floor spielst!“

Klar, dachte ich, warum nicht!? Berlin, Reiseluxus. 90 Minuten mit dem Zug, nichts buchen, nicht in die Pampa fliegen, einfach zum BHF latschen, Fahrkarte ziehen und losfahren. Da kann ich etwas früher kommen und noch ein paar Freunde besuchen. Prince Charles ist ein schöner Club, da freue ich mich, das mache ich gerne. Eingetütet, gebongt, yeah! In Berlin angekommen war ich zuerst mit Martin Landsky beim Japaner essen. Als ich Martin fragte, was mich gleich in der Solebox erwartet würde, musste ich sehr lachen. „Dich erwartet etwas ganz Besonderes: ‘Oh, du auch hier, wie toll, super, dass wir uns mal wiedersehen. Dein T-Shirt ist aber sexy und deine gelben Schnürsenkel erst.‘ Dann drehen sich beide um und sagen, den Wichser kann ich überhaupt nicht ab, diese gelben Schnürsenkel sind voll peinlich!“ Martin hat es in einem wunderbar tuntigen Ton vorgetragen, herrlich.
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Um 21 Uhr war der Turnschuh-Launch, um 20 Uhr habe ich meine Agentin in der Tapas Bar nebenan getroffen. Diana trank gerade einen Wein mit dem Geschäftsführer von Minus, als sich 50 aufgeregte HipHopper vor den Laden drängten. Auf meine Frage, was hier eigentlich los sei, antwortete Phillip, Solebox wäre der hippste Sneakerladen in Europa. Dort gibt es u.a. Sammler-Editionen. Es ist einer von den Läden, vor denen Turnschuhfetischisten nächtigen, um morgens ein seltenes Exemplar zu ergattern, was sie zu Hause in ihre Glasvitrine stellen. Im nächsten Zug fragte ich, wer oder was Swiss Beatz sei. Zuhause in Hamburg hatte ich da nicht drüber nachgedacht. Ich habe mir das Ganze als ein DJ-Team oder künstlerisches Kollektiv vorgestellt und abgehakt. Naja, Swiss Beatz ist der Mann von Alicia Keys. Meine Güte, was ich für eine Bildungslücke hatte. Außerdem sollte Pharrell Williams gleich auftauchen, und später zur Party käme er auch. Das Fragezeichen in meinem Kopf wuchs. Wie soll das Ganze musikalisch funktionieren? Wir haben den Turnschuh bewundert, im Soho Haus Fußball geschaut, dann bin ich ins Hotel.
Im Club angekommen, habe ich zuerst meine Abrechnung gemacht, weil ich direkt nach dem Set zum Flughafen musste. Mit Getränkebons bewaffnet machte ich mich auf dem Weg zum zweiten Floor, der gut gefüllt war. Ich hatte noch knapp eine Stunde bis zu meinem Set und drehte ein paar Runden. Die Party war cool. Um 4:30 Uhr sollte ich spielen. Um 4:35 Uhr kam jemand vom Club und meinte, die Musik muss jetzt ausgemacht werden, der Floor würde geschlossen. Äh, warum, ich habe doch noch gar nicht gespielt? Der gute Herr guckt mich an und sagt: „Ist doch vollkommen egal, wer hier heute gespielt oder nicht gespielt hat. Pharrell ist hier, das ist das Einzige, was zählt und worüber die Leute reden werden. Wir sind die Party der Fashion Week!“ Ich hatte so etwas wie eine Gesichtsentgleisung, gefolgt von einem Lachkrampf, aber wo er recht hat, hat er recht. Es war ein amüsanter Abend.

Bis bald, Eure Xeni

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FAZEmag 030/08.2014