Platten des Monats – Januar 2026 – Singles & EPs

Singles & EPs – Platte des Monats

Robag Wruhme
Wadd Bodun / Andre Kronert Remixes (Odd Even / MOF)
Mann der Stunde: Andre Kronert! Dieser Typ haut einen Remixkracher nach dem nächsten raus. Mit Odd Even Nummer 909 veredelt er keinen Geringeren als Robag Wruhme. „Wadd Bodum“ besticht mit den signifikaten und titelprägenden, metallischen Echos der Drums, der Bass lässt das Teil bis zur Unendlichkeit, fast funky fliegen, steigert sich an Intensität nochmals hintenraus und macht jede Tanzfläche zum Freudenhaus. Ultramegafetterburner! Der Straight Back Remix von Andre fährt die Energie in leicht dubbige Regionen zurück und beruhigt die Gemüter, ebenfalls sehr ansprechend und bestens produziert. Wahnsinn! 10 Cars.Becker

Singles & EPs – Top Ten

Andre Kronert
Open Our Eyes (Berg Audio
/ MOF)
Vier Knaller von Andre, der hier mächtig abräumt. Das Titelstück kommt dubbig fett im Midtempo Housesegment – das Vocalloop wird bis zum Ohrenbluten gestresst und hätte in der Tonhöhe und Auswahl der Stimme etwas mehr „black“ ausfallen dürfen – ansonsten ein Megatrack, der die Flur beherrschen wird. A2 ist feinster Maurizo Dubstoff – drückt gewaltig bei 127 bpm und schafft weitere Rhythmik mit den Kicks – chillig. Auf der Flip beglücken uns noch zweimal chordy Dub-House Tracks; das heißt Furore auf dem Flur und Happyness in den Köpfen der Tänzerschaft, B2 pusht noch direkter und intensiver. Top Maxi! 10 Cars10.Becker

Dario Nunez & Cesar Sanchez
Let´s Work (Adesso Music)
Wer auf klassischen House mit treibender Bassline, leicht an Disco angehauchte Synthies und Old School Thrill Me Elemente steht, sollte der neuen Scheibe von Dario und Cesar auf Adesso mal ein Ohr schenken. Denn genau diese Mischung aus klassisch-warmen, aber gleichzeitig zur Peak die Stimmung oben haltenden House hören wir. Dass sich die beiden an dem ikonischen „Thrill Me“ bedient haben, geschenkt. 9Rusty

DJ Rush
Get On Up (Electric Ballroom / Deejay.de)
Remixes groß abzufeiern ist natürlich ein bisschen lame, und dass Thomas Schumacher ein herausragender Remixer ist, wird euch auch nicht überraschen. Es gibt jedoch dennoch einen Punkt, der mich in diesem Fall dazu bewogen hat, diese 12“ hier besonders zu empfehlen. Und das ist die Tatsache, dass man die Original 12“ von DJ Rush aus dem Jahr 2002 (damals noch mit einem Chris Liebing-Remix) so gut wie gar nicht mehr bekommen kann. Und das Original ist hier auch noch ge-remastert! Kommen wir jetzt zu dem Remix von Thomas Schumacher. Dieser begradigt das charmante holpernde Original und macht den Track so einfacher einsetzbar, was aber zu Lasten des besonderen Vibes geht. Aber darum gibt es ja noch das Original auf dieser schicken Picture Disc. Insofern: Pflichtkauf. In doppelter Hinsicht. 9 points technopilot

Flatbeat
Give Me Hell (Flăm)

„Give Me Hell“ packt mich von Beginn an. Die druckvollen Kicks eröffnen den Track kompromisslos, kurz darauf wirbeln bassige Linien um den stoischen Groove und ziehen den Hörer immer tiefer hinein. Die rhythmischen Claps verstärken den düsteren Spannungsaufbau, der sich langsam, aber effektiv zuspitzt. Ab der Trackhälfte entfesselt sich dann ein schmutzig-grooviges Electro-Brett, das gekonnt mit Acid- und Industrial-Techno flirtet. Die 303 verleiht dem Ganzen diesen hypnotischen, rohen Touch, ohne die emotionale Komponente zu verlieren. Ein intensiver, klubtauglicher Track, der ursprünglich einem Remix-Wettbewerb von Mha Iri und ihrem Song „Give Me Bell“ entstammt, sich letztendlich davon aber durchweg emanzipiert hat. 09/10 scharsigo

Lucinee / LIFKA
First Contact (Distant Lifeforms / MOF)
Berlin hat ein neues Label: Distant Lifeforms feiert sein Debüt mit der „First Contact EP“ von Lucinee und LIFKA, beide für treibenden und ‘undergroundigen‘ Sound bekannt. “Center Shock“ tobt ab dem ersten Beat. Die kräftige Kick tritt enorm ins Kreuz und heizt der Nummer mächtig Energie ein. Der Synth dröhnt Alarm, während hier und da FX-Sounds durchs Klangbild zischen. “Soft Exit“ verspricht einen ruhigen Abgang, wummert aber druckvoll vor sich hin. Die Nummer rollt mega gut und bringt die Meute zum Beben. Einmal geflippt kommt “Cyklosphere“ ein wenig geschmeidiger. Nicht weniger energiereich and zügig, aber mit wärmenden Flächen und Atmosphären. Das Ding läuft super voran und nutzt den Raum wunderbar. Starkes Klangbild. Am Ende gibt es mit “Two Colours I Can’t Forget“ ein düsteres Outro. Der Beat pumpt richtig arg, der Bass grummelt wunderbar und die Vocals untermauern die tiefe des Tracks. Passt und sitzt perfekt. Mega Nummer – Starkes Debüt!

Luke Hess
ARKEO Remixes (DeepLabs)
Eines meiner Lieblingsalben aus dem Jahr 2025 erhält endlich sein langersehntes Remix-Paket, für das sich Steffi, Luigi Tozzi, Claudio PRC, Markus Suckut, Brian Kage, 3KZ, Martinou, DHÆÜR und OHM & Kvadrant verantwortlich zeichnen – ein illustrer Kreis an engen Weggefährten des Deep- und Dub-Techno-Experten Luke Hess aus Detroit. Auf der Vinyl-Remix-EP beginnt die langjährige Berghain-Künstlerin Steffi, die „Ephraim“ in einen schweren, warmen House-Track mit satten Dub-Chords und bewusst rauer Oberfläche verwandelt. Claudio PRC führt „Hiketeria“ anschließend in deutlich abstraktere Zonen: weit, reduziert und mit jener endlosen Tiefe, die besonders in den frühen Morgenstunden ihre Wirkung entfaltet. Mehr Bewegung bringt Markus Suckut in seinem Remix von „Panoplia“, der mit subtiler Dynamik und leichtem Swing körperlicher wirkt. Den ruhigsten Schlusspunkt setzt Luigi Tozzi, dessen „Special Dreams“-Version Raum für Zurücknahme und introspektives Hören schafft. Dazu gibt ein Digital-Only-Paket mit Neuinterpretationen von Brian Kage („Dokimion“), 3KZ („Metanoia“), Martinou („Stoicheo“), DHÆÜR („Exousia“) und OHM & Kvadrant („Skopos“). Deep & Dub Masterclass! 10 Laenkford

OMRI & Rafael
Little Kitty (Hot Creations)
Vorab: Eine der beste Hot Creations ever! OMRI hat nach seinem Übertrack “Nothing Wrong” auf Crosstown im letzten Jahr den Erfolgt gepachtet und setzt den Höhenflug mit dem phänomenalen „Little Kitty“ wunderbar fort. Die Zutaten: Eine fette Bassline, provokante Femalevocals angereichert mit Katzengeräuschen und ein ultraslicker Groove lassen den Track von vorn bis hinten swingen („Bounce, you got that nasty bounce, to make my kitty bounce – Bounce to the kitty“) – das Teil geht auf Jahresrotation!!! 10 Cars10.Becker

Star_Dub, Gradient, Tm Shuffle
Split Dubs Vol 2 (Vuo Records / MOF)
Mit „Split Dubs Vol. 2“ setzt Vuo Records seine Erkundung tiefer Dub-Techno-Gefilde konsequent fort. Das finnische Label versammelt mit Stücken von Gradient, Star Dub und Labelhead Tm Shuffle vier Tracks, die gleichermaßen auf Atmosphäre wie Funktionalität zielen und den rohen, handgemachten Ansatz des Imprints präzise auf den Punkt bringen. Gradient eröffnet mit „Stone Jungle“ – einem zurückgenommenen, spannungsgeladenen Stück Dub Techno, das mit minimalen Mitteln arbeitet und gerade dadurch seine lebhafte Wirkung erzeugt. Pulsierend, organisch und detailreich entfaltet sich der Track langsam und zieht den Hörer in einen eigenen Rhythmus. Tm Shuffles Rework greift diese Stimmung auf, verlagert den Fokus jedoch stärker auf den Dancefloor: tiefes Low-End, schwebende Hallräume und ein entspannter, aber bestimmter Groove machen daraus einen idealen Late-Night-Track. Auf der B-Seite zeigt Star Dub mit „Rubber Dub“ eine funkigere, rhythmisch verspieltere Facette. Breakige Drums, flirrende Echos und eine wuchtige Bassline sorgen für körperliche Präsenz, ohne die typische Dub-Ästhetik zu verlieren. Auch hier treibt Tm Shuffle den Sound im Remix weiter in die Tiefe, mit dichten Delay-Schichten, sattem und viel Spielraum für Träumereien. Ausgezeichnet. 10 Laenkford

Various Artists
Unity In Diversity 01 (Reverse / MOF)
Mit “Gluon“ eröffnet Arthur Robert die Unity In Diversity und tobt sich experimentell aus. Ein wildes und zugleich paralysierendes Gebimmel über einem flotten und kraftvollen Beat. Die Nummer sitzt und zieht den Hörer in den Bann. Decoders “Running Start“ kommt deutlich rasanter und tiefer. Der Beat schiebt grandios und peitscht die Nummer voran. Mega starker Drive, der der sonst eher minimalen Nummer absolut steht. Genial! Jacoms “Echo Bells“ wirkt dagegen eher trocken, auch wenn der Track gut vorwärts schuppst. Der Synth mit seinen Effekten schiebt sich wunderbar in die Hirnrinde und hinterlässt ein dezentes Säuseln im Ohr. Starkes Stück, welches direkt Bock auf “Dimension“ von Uväli macht. Die Kick donnert brachial und drückt die Nummer in die Tiefe. Die Flächen und Rides sorgen für zusätzlich Mystik. Eine Nummer für die Nackenhaare – Fett! Ein Brett von Platte – Fantastisch! 10 Michael S

Zero T
Can’t Style Me / Breathe (C.I.A)
Call me unverbesserlichen Fanboy – aber was Zero T macht, ist immer großartig. Beweis gefällig? „Can’t Style Me“ oszilliert irgendwo zwischen Drumfunk, 90er-Jahre-Jumpup und von Dub inspiriertem Drumandbass durch die Speaker – und zwar direkt ins Tanzbein. Minimal, treibend und mit Samples, so schmutzig wie mein Backofen. Geil! „Breathe“ kommt etwas jazziger mit einem tollen Piano und den noch tolleren Vocals von Aaliyah Esprit rein, bevor der Track mit dem Drop einfach alles auf links dreht: Hätten Digital und Roni Size ein gemeinsames Kind, es wäre dieser Track. Absoluter Wahnsinn und Anwärter auf jeden nur erdenklichen Weltmeistertitel. Platte der nächsten 12 Monate!
10 points Feindsoul


Aus dem FAZEmag 167/01.2026