Singles & EPs – Platte des Monats
Various Artists
Structure Series Vol. 2 (Molecular Recordings / Deejay.de)
Labelhead Marco Lenzi präsentiert den zweiten Teil seiner Vinylreihe „Structure Series“ mit sechs neuen Tracks, die den kompromisslosen Geist und die klangliche Entwicklung des Techno-Labels widerspiegeln – mit bekannten Acts aus dem Molecular-Pool sowie vielversprechenden Newcomern. Den Anfang macht Alexander Kowalski, der mit „Fracture Pulse“ feinen, pumpenden und aufblitzenden Techno präsentiert. „Last Transmission“ von Audio Units rauscht und blinkt sehr hypnotisch los und ergibt sich endlos Loops mit verzerrten Vocal-Fragmenten. Falling Echoes taucht mit „Sharp“ sehr tief in den Untergrund ab, um kleine Sound-Salven abzufeuern. Arjun Vagale eröffnet die B-Seite mit „Rambutan“, das sehr aufgeregt und vergnügt hüpft, der legendäre Jamie Bissmire hingegen packt hier rauen, flächigen Sound mit Synth-Feuer und treibenden Claps aus. Den Schlusspunkt setzt Drucal, der mit „Lagrimas“ straight in die Nacht rollt und die Beats gen Firmament schickt. Eine schöne Auswahl an authentischen Techno-Tracks. 10 Tech Guardiola
Singles & EPs – Top Ten
Bart Skils & A.D.H.S.
Can’t Hear You (Drumcode)
Bart Skils und A.D.H.S. mit ihrer ersten Collab-Single, die sie auf Adam Beyers Imprint Drumcode raushauen, auf dem beide auch schon veröffentlicht haben. „Can’t Hear You“ ist ursprünglich im Urlaub von A.D.H.S. in Sri Lanka entstanden, dort skizzierte er Ideen auf dem Smartphone. spielte mit Samples und fand diese markanten Vocals. Zurück am Rechner wurde ein Track daraus geschraubt, der letztlich nicht veröffentlicht werden sollte, aber im Festivalsommer in seinen Sets einen Platz fand und dort von einem begeisterten Bart Skils entdeckt wurde. Der Niederländer brachte seine Ideen ein, arbeitete am Mix und Arrangement und herausgekommen ist nun diese Version, ein emotionales Kraftpaket mit charakteristischem Sound, das Druck aufbaut, dabei aber auch sehr unbeschwert und vergnügt abgeht. 9 Tech Guardiola
Booka Shade
For Real Remixes (Blaufield Music)
Helsloot, Casper Cole, Talal, Chris Luno und Fynn Braun zeichnen mit jeweils einem Track für dieses Remix Release von Booka Shades „For Real” verantwortlich. Alle schaffen es gut, diesen warmen und treibenden House von Booka Shade aufzugreifen und neu zu interpretieren. Mir gefällt der Remix von Chris Luno am besten, denn hier kommen die Beats ein wenig sperriger und auch dünner, was den Vocals und Synthies viel mehr Raum zum Atmen gibt. Aber auch Fynn Braun überzeugt mich mit seinem forscheren Ansatz, dem Mehr an Drive im Arrangement und den Open Air tauglichen Synthies. Das ist alles sehr nice und gefällt mir echt gut. 9 Rusty
DJ Dag
People Of The Main (Damn)
Legenden in the house. Unser lieber Freund Dag Lerner teamed hier up mit der Eye-Q-Stimme schlechthin Vernon. Das Ergebnis ist auf B ein sehr trippiger Progressive-House-Cut mit einem grandiosen Groove, der den einen oder anderen Hörer sicherlich in Trance versetzen wird. Wobei wir bei der Dag’schen Definition von Trance sind. Es geht weniger um die Sounds als vielmehr um den Gemütszustand, den man erreicht. Hittiger ist es da auf A, denn hier kommt das Vocal von Vernon wiederholt zum Tragen. Und das ist natürlich schön zweideutig. Tatort, Frankfurt, Mainhattan. Aber auch A groovt sehr schön. Klasse 12“ vom Altmeister. 9 points trancer
FCKNG SERIOUS
Fckng Serious – Ten Years (FCKNG SERIOUS)
Wie die Zeit verfliegt. Das deutsche Techno-Label feiert bereits ein ganzes Jahrzehnt Bestehen und droppt in diesem Rahmen eine Compilation, bei dessen Tracklist laut Pressetext „die Würfel“ entschieden haben: Sechs Artists. drei brandneue Tracks. Eine Compilation EP“. Ann Clue & Moritz Hofbauer schicken „CPU Goes Wrong“ ins Rennen, Deniz Bul & Julian Wassermann liefern ihren „Code“ und last but not least werfen Boris Brejcha & Frieder & Jakob „+100“ in den Ring. Dabei bekommen Fans exakt, was sie brauchen – von melodiösen Akzenten und satten Basslines Ann Clues, über Deniz Buls druckvollen Basslines und groovende Deepness Moritz Hofbauers bis hin zu Boris Brejchas Signature „High-Tech Minimal“, also die klassischen minimalistischen, technoide Strukturen samt treibender Basslines und progressiven Ansätzen. Das ist keine Überraschung, aber noch immer Grund zum Zappeln. 09/10 scharsigo
Part Time Killer
Summer In My Ears (Warner Music)
Technopop-Trance-Fusion mit Groove-Elementen? Wie auch immer man die Mischung von Part Time Killers Produktionen beschreibt, der in Berlin lebende Produzent trifft damit jedenfalls die aktuellen Clubsounds der Trash-Trance-Welle voll auf den Punkt – aber mit Stil. Der auch als „Berlin Bateman“ betitelte Künstler produziert laut Eigenaussage alles selbst, von den Vocals bis zu den Synthies – entgegen dem Trend der Splice-Samples. „Summer In My Ears“ ist eine lockere, schnelle Sommer-Nummer, die die Jahreszeit perfekt abschließt. Verfremdete Vocoder-Female-Vocals, die klingen, als kämen sie aus den frühen 2000ern, treffen auf eine treibende Bassdrum, wie sie derzeit in der Szene etwa im Berliner Lokschuppen oder anderen Szene-Locations immer wieder zu hören ist. Daddy DJ und co. lassen grüßen. Weitere Elemente erinnern an die Millennium-Wende: Die eingebauten Trillerpfeifen etwa an DJ Aligator („The Whistle Song“), der Rest klingt ähnlich wie aktuelle Sounds von Trancemaster Krause oder Mika Heggemann – kein Wunder, kollaborierte PTK doch bereits mit beiden. Dazu eine Portion Bounce und Groove und fertig ist das Paket. Scheint ganz so, als sei die Gute-Laune-Trance-Dance-Welle zum Sommer 2025 wieder zurück, inmitten von sonst häufig eher trist anmutender ernster Musik auch während der warmen Monate. Für Fans dieser Sparte definitiv fett – ob am See oder im Club. (9/10) Davy D.
Petar Dundov & Gregor Tresher
Dimensional Fold (GTO / Deejay.de)
Bei GTO handelt es sich nicht um das legendäre, britische Label, das in den 70ern Pop und Disko veröffentlichte (Gem Toby Organzation), sondern ein Sideprojekt des Frankfurters Gregor Tresher, das er 2017 gründete, nachdem er 2009 zuvor Break New Soil aus der Taufe hob (damals war er noch intensiv mit Sven Väth im Studio unterwegs). Auf Nummer sechs kollaboriert er wieder einmal mit dem Kroaten Petar Dundov, dessen Vita VÖs auf Music Man, Platipus oder PV beinhaltet. Vier, meist druckvolle Tracks präsentiert uns das Duo, wobei das Titelstück einen formidablen Einstieg in die Welt der bedrohlichen Techno-Space-Kulissen beatet – die gummiartigen Töne bestimmen die Szenerie und passen bestens zum techigen Geläuf. Abrupter Schwenk in besinnlich ambiente Techwelten („Desert Whisperes“), bei denen klerikale Synthies den Raum einnehmen und ihm maßgeblich füllen – kontemplativer Techno. Auf der Flip schafft ein spielerischer, melodiöser Loop eine freundliche Grundstimmung und eine funky Atmo – „A Dark Fable“ treibt mit seinen Percussions und HiHats das Publikum vor sich her. Der eigentliche Hit folgt in der Schluss Sequenz, wenn „Into A Silent Water“ mit einem ravigen Stabloop monoton den Tänzer in den Wahnsinn treibt – nervenaufreibend schön. Bleibt zu hoffen, dass Nummer sieben zeitnah nachgelegt wird. 9 Cars10.Becker
Save Your Atoll
Village Resistance (Fur:ther Sessions)
Als die italienische Insel Sardinien vor zigtausenden von Jahren durch tektonische Verschiebungen in ihrer jetzigen Form entstand, müssen magische Kräfte entfesselt worden sein. Anders kann man sich die hohe Dichte an herausragenden Techno-Producern, die hier das Licht der Welt erblickten, nicht erklären. Dazu zählt – neben Großmeistern wie Ness und Claudio PRC – auch Antonello Meloni, bekannt unter dem Pseudonym Save Your Atoll. Mit „Village Resistance“ wird er nun ein weiteres Mal auf dem bayrischen Hypnotic-Techno-Label Fur:ther Sessions vorstellig und liefert einen atmosphärisch-aufgeladenen Exkurs durch Flora & Fauna und Raum & Zeit. Ihm gelingt eine einzigartige Symbiose aus natürlicher Organik und verfremdeten Sci-Fi-Komponenten, die längst zu seinem Signature-Sound gereift ist: Vogelzwitschern meets Synthetik. Eingebettet in ein Gerüst aus technoidem Groove, schnörkelloser Dancefloor-Ästhetik und warmen Momenten zum Innehalten, überzeugt „Village Resistance“ in all seinen Facetten. Fünf Tracks, einer davon als Digital Bonus, ergeben fünfmal volle Punktzahl. 10 Laenkford
Silvie Loto
Get Up EP (Cuttin’ Headz)
Einen würdigen Nachfolger zu Ihrem Debut auf CH und Releases auf Cecille und Solid Grooves im vergangenen Jahr, präsentiert uns die aus Florenz stammende Silvie Loto, mit Unterstützung der Martinez Brothers, zwei neue, hervorragende Tracks. Das Titelstück kommt mit engagiertem House, leicht stripped-back, tighte Drums, skippy Percussions und unterschwelllige Discosamples – punchy House! Besser danach „Checking Out“ bringt uns in einen hypnotischen Flow mit Deee-Lite like Percussions, smoky Texturen und einem shuffelnden Groove – herrlich trippender Roller. Mehr davon! 9 Cars10.Becker
Unknown
(Lode Records 005 / Deejay.de)
Auf dem Bootleg-Sublabel vom Memory Remains erscheinen mit Katalognummer Fünf fünf discoid angehauchte House-Cuts, die nicht so vordergründig daherkommen wie bei den vorhergehenden Releases. Soll heißen, der Hörer erkennt eventuell das zu Grunde liegende Original, kann es aber nicht benennen. Was ich sehr spannend finde. Besonders A1 mit dem arabischen Vocal ist ein Knaller – funky ist hier sowieso alles. Am hittigsten ist wahrscheinlich das Afro-House-Set taugliche „Ahya“ auf A2. Klasse 12″. 9 points felix houzer
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Various Artists
Collector III (Future Romance / Deejay.de)
Solee veröffentlicht den dritten Teil seiner „Collector“-Serie, die die beliebtesten und bestverkauften Tracks des letzten Jahres seines Labels Future Romance präsentiert. Diese gesammelte Ausgabe ist eine beeindruckende Reise durch die Welt des Melodic House und Techno und enthält vier fesselnde Tracks von verschiedenen Künstlern. Den Anfang macht Solee selbst mit „On The Other Side“, einem euphorisch-offenen Track mit leichten Trance-Anleihen und druckvoller Marschrichtung. Es folgt Stereo Underground mit dem minimalistisch-opulenten Trip „Love Story“, James Harcurts „Infinite Light“, das seine Trance-Wellen in den Äther schickt und Gai Barone mit „Sheen & Crock“, das überdreht tänzelt und herumtitscht. 9 Terence Trance D’Darby
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Aus dem FAZEmag 163/09.2025