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Politiker verbieten Goa-Festival in Meppen – Foto: Synaptic Eclipse


Das Synaptic Eclipse Festival feierte seine Premiere vier Tage und drei Nächte über das verlängerte Pfingstwochenende in Meppen. Von der Stadtverwaltung wurde das Kunst- und Musikfestival auf dem Areal des Funpark angemeldet. Auch CDU-Fraktionsvorsitzender Karl-Heinz Tallen wurde informiert. Darüber, wie so ein Goa-Festival vonstatten geht und dass so ein Festival durchaus über 72 Stunden mit lauter Musik zu tun hat, war den Politikern der Stadt Meppen wohl nicht klar.

Die Festival-Betreiber suchten sich für das neue Goa-Festival eine ausgewählte Location aus. Der Funpark in Meppen liegt ortsaußerhalb, getanzt wurde auf weißem Sand eines abgepumpten Sees vor der Kulisse eines bunt bemalten, 130 Meter hohen, stillgelegten Kühlturms. Alles gut und schön dachte man sich, und es wurde ausgiebig auf dem gut organisierten Festival gefeiert. Rund 1200 Gäste kamen zum Synaptic Eclipse Festival.
Die Anwohner von Meppen empfanden das Festival allerdings alles andere als gut und schön. In der Osnabrücker Zeitung heißt es, dass rund 2000 Menschen auf Grund des Festivals keinen Schlaf gefunden haben. Etliche Beschwerden seitens der Anwohner gingen sowohl bei der Polizei als auch bei dem Ortsvorsteher Hubert Neeßen (CDU) ein.

Wegen der etlichen Beschwerden über die durchgehend laute Musik und weiterer Gründe, wie zum Beispiel, dass die Stadt keine wirtschaftlichen Vorteile durch dieses Festival hat, soll das Festival kein weiteres Mal in Meppen stattfinden dürfen. CDU-Politiker kritisierten, dass das Festival viele Goa-Fans von außerhalb anzog und die meisten gut selbst bzw. durch die Festival-Organisation versorgt waren.
Um das Verbot durchzusetzen, wird nun geprüft wie es um eine 24-Stunden-Beschallung im Landkreis Emsland steht. Auch eine detaillierte Auflistung der Genehmigungen des Funpark soll überprüft werden und zur Not mit neuen Vorschriften überarbeitet werden. (Damit eine solche Veranstaltung keine Chance mehr hat statt zu finden).

Festivalgänger aus dem Umkreis lobten die Veranstaltung und waren froh über die Abwechslung, da sonst meist nur Schützenfeste als Events angeboten werden. Den Beschwerden und die Haltung der Stadt-Politiker wird entgegen gehalten, dass die Schützenfeste ebenso eine enorme Ruhestörung und weitere Belästigungen mit sich bringen.
„Wenn ich dies alles lese frag ich mich immer, wo kann ich mich gegen Schützenfeste Beschweren? Ich bekomme dann auch ein Wochenende lang die Augen nicht zu, überall betrunkene, zerbrochene Bierflaschen und sogar Montags und Dienstags wird es nicht Ruhiger, für mich ist das der selbe Fall aber da beschwert sich keiner, obwohl es sogar mitten im Dorf oder Kleinstadt veranstaltet wird.(…) Ich fühle mich auch von diversen Schützenfesten im Jahr belästigt, toleriere diese jedoch. Eine faire und gleichwertige Behandlung von Kulturveranstaltungen wäre hier sehr wünschenswert.“

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Foto: Synaptic Eclipse

Die Frage der Veranstalter und Festival-Besucher ist, ob es den Bewohnern wirklich nur um die Lärmbelästigung geht oder ob es nicht gewollt ist ein Techno-Festival in ihrer Umgebung zu beherbergen. Denn andere Lärmquellen, auch abgesehen von den traditionellen Schützenfesten, besteht auch durch die Wehrtechnische Dienststelle 91 (WTD), Züge oder Betriebe.
Mitarbeiter dieser Betriebe äußerten sich zu dem Festival positiv gestimmt. Sie vernahmen zwar die laute Musik, empfanden dies aber nicht als störend und es wäre nicht lauter als wenn ein Zug dort entlang fährt oder in der Umgebung der normale Arbeitsbetrieb und Verkehr stattfindet. Die Organisatoren des Synaptic Eclipse Festival versicherten der Redaktion der Osnabrücker Zeitung, dass alle erforderlichen Genehmigungen vorliegen und sich an die gesetzlichen Lärmschutzbestimmungen gehalten wurde. Die Veranstaltung unter dem Namen „Synaptic Eclipse Festival“ hat die Genehmigung erteilt bekommen, die Musiktage von Freitag (2. Juni) ab 16 Uhr bis Sonntag (4. Juni) 22 Uhr auf dem Areal durchzuführen. Im Rahmen der Genehmigung verordnete die Stadt dem Veranstalter lediglich die Auflage, dass am Sonntag von 7 bis 11 Uhr eine Musikpause zu erfolgen hat.

Die Diskussion über das Verbot des Festivals in Meppen zieht sich nun schon seit dem Pfingstwochenende. So wurde eine Woche später eine Sitzung des Meppener Stadtrats ins Leben gerufen, wo viele Anwohner ihren Ärger Luft machten. „Das war eine Schweinerei.“ und „Gerade die tiefen Bässe der Musikanlage treffen nicht nur auf das Ohr, sondern auf den ganzen Körper.“ sind nur Ausschnitte der Beschwerden bei der Sitzung. Bürgermeister Helmut Knurbein versprach die Beschwerden ernst zu nehmen und fügte weiter hinzu: „Selbst wenn der Musiklärm unter den genehmigten Grenzwerten liegt, ist er bei ihnen gefühlt viel zu laut gewesen.“ 

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Foto: Hermann-Josef Mammes

Die Synaptic Eclipse Festival Veranstalter Felix Geber und Christian Krogull halten jedoch gegen das gewollte Verbot und kündigten sogar eine Neuauflage für das kommende Jahr an. Insgesamt gingen 41 Beschwerden wegen dem Festival ein. Es stimmt die Veranstalter traurig, dass das Festival so negativ von einigen Bewohnern aufgenommen wurde. Die Veranstalter haben durchaus Verständnis für die ein oder andere Ruhestörung, dennoch sind sie davon überzeugt, dass es viel mit der Musikrichtung zu tun habe, weshalb so massiv gegen eine zweite Ausführung des Festivals vorgegangen werde. Seitens der Stadt-Politiker wurde kein Kontakt zu den beiden Veranstaltern gesucht. Dies empfinden sie als unverschämt, denn schließlich sei eine solche Veranstaltung eine Investition für die Region. Die Kritik von der Politik, dass das Festival für die Stadt unwirtschaftlich sei, wird von den Veranstaltern vehement zurückgewiesen. Alle Lieferanten, die notwendig gewesen sind, um die Organisation zu stemmen, sind aus der Region Meppen. Weiter kam es zu keinen gewalttätigen Ausschreitungen und es wurde auch kein Krankenwageneinsatz benötigt. Anders bei den Schützenfesten.
Abschließend äußern sich die Veranstalter so: „Wenn man als Stadt auch den jungen Menschen ein attraktives Freizeitangebot bieten möchte, dann sollte man solche Veranstaltungen nicht verbieten.(…) Ich bin offen für Gespräche.“

Wer sich FÜR weitere Synaptic Eclipse Festivals einsetzen möchte kann dies mit dem Unterschreiben folgender Petition. Hier.

Quelle: Osnabrücker Zeitung

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