Seit fast einem Jahrzehnt begeistert der in Sevilla geborene Künstler Rafa Barrios die Housemusik-Gemeinde auf der ganzen Welt mit Kompositionen auf Hottrax, Repopulate Mars, Toolroom, Nervous, Suara, Intec, Defected, Mindshake und vielen anderen Plattformen. Hinzu kommen gefeierte Performances als DJ – unter anderem bei elrow in Barcelona, dem Igloofest in Montreal, dem Sónar-Festival oder dem ADE. Mit anhaltendem Support von Carl Cox, Marco Carola, Jamie Jones, Danny Tenaglia und Reboot lässt Barrios seine Expertise nun in ein neues Geschäftsfeld einfließen und lanciert mit Bandidos ein eigenes Label, für das bereits Akteure wie Chus & Ceballos, Andres Campo, Fer BR, Carloh, Ramiro Lopez und Eskuche Material eingereicht haben. Die erste Katalognummer allerdings kommt mit dem Titel „The Final Chapter“ vom Chef persönlich.


Veröffentlicht wurde die EP mit zwei Stücken Mitte April. Eine Zeit, die es schwierig macht, ein neues Business an den Start zu bringen, die allerdings auch positive Effekte mit sich bringt, wie Barrios erzählt: „Die Situation erlaubt es mir, mehr Zeit im Studio zu verbringen und mit neuen Dingen zu experimentieren. Ich lerne so viele neue Dinge. Ich habe das Gefühl, als Künstler gerade noch mehr an mir arbeiten zu können. Was mich betrifft, so versuche ich, diese Situation im Kreis meiner Familie und mit meiner Frau so weit es geht zu genießen und positiv zu bleiben. Wenn ich auf Tour bin, sitze ich nicht sonderlich lange auf meiner Couch. Natürlich bin ich sehr besorgt, wenn ich sehe, was dieses scheiß Virus alles zerstören kann bzw. wird oder sogar schon zerstört hat, aber ich versuche, guter Laune zu bleiben, weiterzumachen, daraus zu lernen und daran zu wachsen. Zumal wir nicht wissen, wie lange das alles dauern wird.“ Eine gewisse Zeit hat es auch gebraucht, bis die Idee zum eigenen Label Form angenommen hat. Ein Großteil dieser Zeit wurde in die Namensgebung investiert: „Bandidos war von Anfang an mein Favorit, ich war mir fast sicher, aber ich und mein Team fingen an, nach anderen Namen zu suchen und zu überlegen. Am Ende blieb es jedoch bei Bandidos, es hat sich durchgesetzt – ,Vamos!’, wie wir Spanier zu sagen pflegen. Ich bin sehr aufgeregt ob dieses neuen Projekts und werde mich mit aller Kraft in die Arbeit stürzen.“

Die Philosophie hinter dem neuen Imprint ist recht simpel, aber prägnant. Veröffentlicht werden soll Musik, die Barrios auch in seinen DJ-Sets spielen würde. „Frischer Tech-House mit einem guten Groove und guter Perkussion. Es gibt nur noch wenige Produzenten, die diese Musik machen. Das wird der Hauptmusikstil bei Bandidos sein, obwohl wir uns vielleicht irgendwann auch für andere Stile öffnen werden. Wir werden eine EP pro Monat veröffentlichen – mit der Absicht, zu wachsen. Das Label hat sehr gutes Feedback bekommen in den ersten Wochen und wir haben bereits sehr gute Acts für die nächsten Releases. Wir werden die Marke auch mit eigenen Veranstaltungen hier und da in den Vordergrund bringen. Eigentlich wollten wir bereits im Mai mit einer Killerbesetzung – Lee Foss, Hector Couto, Ramiro Lopez und ich – auf einem Festival in Acapulco an den Start gehen, aber wegen der derzeitigen Situation wurde das Ganze verschoben.“

„The Final Chapter“ war ursprünglich für etwas anderes gedacht, erinnert sich Barrios. „Carl Cox spielt schon recht lange Sachen von mir und dieses Stück hat er irgendwie immer wesentlich öfter als den Rest gespielt. Es sollte Teil meines ersten Albums sein, aber als wir den Entschluss zum Label Bandidos fassten, dachte ich, dass es einfach der perfekte Titel für die erste Veröffentlichung sei. ,Plumpling’ ist auch ein Track für den Dancefloor mit gutem Groove und Energie.“

In den letzten Jahren avancierte Barrios zu einem gefragten Mann in der Szene, spielte Festivals wie Ultra Miami, BPM, Dreambeach und auch elrow. Erfolge, die den Spanier mit Stolz erfüllen. „Ich habe weiß Gott sehr, sehr hart gearbeitet. Und ich habe Ziele erreicht und Träume verwirklicht. Dinge, die ein Junge vom Land aus einem kleinen Pueblo in Sevilla nie für möglich gehalten hätte. Was die Musik betrifft, bin ich sehr glücklich darüber, dass ich auf einigen meiner Lieblings-Labels veröffentlichen konnte. Ich hoffe, dass dieser Albtraum, den wir aktuell erleben, bald vorbei ist. Bis dahin werde ich jeden Tag meine Eltern, meine Geschwister und meine Familie mit Liebe überschütten und Energie schöpfen. Ich hänge sehr an meiner Familie und ich brauche sie in meiner Nähe. Was das Berufliche angeht: Mein Kalender war ursprünglich fast bis zum Ende des Sommers mit Bookings gefüllt – ich hoffe, dass wir bald wieder damit anfangen können, die Menschen auf der ganzen Welt zum Tanzen zu bringen, denn das ist das Beste, was mir das Leben je gegeben hat.“

Aus dem FAZEmag 099/05.2020
Text: Triple P