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Rainers Ratgeber – Teil 14: Musikstreaming bei Rdio, Spotify und Co.


Jeder, der sich in Deutschland mit elektronischer Tanzmusik auseinandersetzt, ist schon auf den Augsburger Rainer Weichhold getroffen. Sei es in seiner Funktion als Chef von DJ-Propaganda, A&R und Labelmanager von Great Stuff Records, Macher von Kling Klong Records oder einfach bei seinen DJ-Gigs. Neben seinen DJ-Coaching-Seminaren gibt Rainer Weichhold nun auch in FAZEmag jungen Produzenten jeden Monat Tipps, was sie beachten sollten, wenn sie den inneren Drang verspüren, in der großen weiten Welt der Musikindustrie ihr Glück zu suchen. Kontaktiert Rainer gerne direkt unter rainer@klingklong.com!

Seit einer ganzen Weile hört man immer mehr von dieser noch recht neuen Art, Musik zu genießen: Streaming-Dienste wie Rdio, Spotify, Simfy, Deezer etc. gibt es zwar in anderen Ländern schon länger, in Deutschland aber sind sie erst seit ca. einem Jahr auf dem Vormarsch. Für einen monatlichen Beitrag von meist 9,99 EUR für den Premiumservice hat man Zugriff auf Millionen von Songs, die man sowohl auf dem Rechner als auch auf dem Smartphone hören kann. Hat man einmal die Musik zu seiner Playlist hinzugefügt, kann man auch offline im tiefsten Wald dazu joggen. Im Prinzip gibt es dort dasselbe wie auch bei iTunes und in der Regel auch zum gleichen Zeitpunkt. Günstigere oder gar kostenlose Abos existieren auch, sind aber entweder mit störender Werbung versehen oder sonst irgendwie in der Nutzung limitiert.

Klare Vorteile dieses Systems liegen auf der Hand:
• Endlich gibt es für einen echt überschaubaren Betrag Zugriff auf so ziemlich alle Veröffentlichungen, die von Interesse sind. Illegale Downloads und Tauschsysteme werden somit ein gutes Stück überflüssig.
• Durch diese Möglichkeit des unbegrenzten Musikkonsums ohne Zusatzkosten wird man nun netterweise dazu verleitet, Musikalben als Ganzes zu hören und sich nicht nur die zwei Tracks herauszupicken, die einen auf Anhieb kicken. Somit findet das ursprüngliche Konzept eines Albums wieder mehr Beachtung und der Konsument beschäftigt sich eher mit dem gesamten Release. Einzelne Titel, die einem nicht gefallen, kann man im Nachhinein immer noch aus der Playlist entfernen …
• Ebenso verführen Rdio und Co. dazu, sich testweise wesentlich mehr Musik zu laden. Da wo man früher nur eine CD kaufen konnte, obwohl man sich eigentlich für viel mehr interessiert hatte, kann man nun unbeschränkt loslegen. Auch bei einer lobenden Albumreview im FAZEmag kann man ohne zu warten gleich die Musik dazu testen und so sicherlich mehr Entdeckungen machen als früher. Mein eigener Musikkonsum hat sich auf jeden Fall dadurch deutlich erhöht.

Tatsächlich resultieren daraus steigenden Einnahmen der Plattenlabels und somit auch der Künstler. Am Beispiel von Skandinavien (wo Spotify herkommt und schon seit Jahren am Markt ist) sieht man eine klare Tendenz, die vermutlich weltweit gelten wird: Download-Verkäufe sinken, werden aber durch Streaming-Einkünfte mehr als kompensiert. Auch wenn die Einnahmen pro Stream eines Titels mikroskopisch gering sind, so macht es hier dann die Masse. Dass Unternehmen wie Google (Youtube) und gerüchteweise auch Apple an einem ähnlichen Konzept arbeiten, zeigt ebenso die Bedeutung dieser Art von Streaming-Abos.

Nächsten Monat: Hallo GEMA!