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Rainers Ratgeber – Teil 15: Hallo GEMA!


Jeder, der sich in Deutschland mit elektronischer Tanzmusik auseinandersetzt, ist schon auf den Augsburger Rainer Weichhold getroffen. Sei es in seiner Funktion als Chef von DJ-Propaganda, A&R und Labelmanager von Great Stuff Records, Macher von Kling Klong Records oder einfach bei seinen DJ-Gigs. Neben seinen DJ-Coaching-Seminaren gibt Rainer Weichhold nun auch in FAZEmag jungen Produzenten jeden Monat Tipps, was sie beachten sollten, wenn sie den inneren Drang verspüren, in der großen weiten Welt der Musikindustrie ihr Glück zu suchen. Kontaktiert Rainer gerne direkt unter rainer@klingklong.com!

Liebe GEMA,

wie du vermutlich weißt, bin ich eigentlich Supporter unserer gemeinsamen Sache. Ich sehe zu dir keine wirklichen Alternativen und finde deine Zuverlässigkeit und auch Hartnäckigkeit in gewissen Dingen lobenswert. Wenn ich mir die Gangster in anderen Ländern ansehe, dann bin ich froh, Mitglied der im Grunde korrekten GEMA zu sein.

Andererseits kommst du in den letzten Jahren auf immer abstrusere Ideen, die du darüber hinaus auch noch so ungeschickt kommunizierst, dass ich nur mit dem Kopf schütteln kann.

Jetzt also die Sache mit den DJs, die Gebühren dafür zahlen sollen, wenn sie ein gekauftes Stück für ihre Sets auf CD brennen, auf ihren DJ-Rechner kopieren oder auf USB-Stick mitnehmen. Bei dem Kauf wurde ja schon einmal GEMA-Kohle (vom Shop) entrichtet und ich dachte, jeder hätte das Recht auf eine private Kopie seiner bezahlten Musik. Denn sonst müsste ja auch jeder GEMA zahlen, der sich noch mal ne CD fürs Auto brennt, oder nicht? Warum werden also die DJs nun besonders behandelt wenn nicht sogar diskriminiert? Es kann ja nicht daran liegen, dass Gebühren für den Einsatz im Club fällig sind, denn dafür drückt ja bekanntermaßen schon der Laden ab. Also in anderen Worten, wenn ein DJ eine CD brennt ist das gebührenpflichtig, aber wenn meine kleine Schwester das macht, dann ist das möglich? Dann nehme ich halt einfach die CDs von meiner Schwester zum Auflegen mit? Ich kapiers echt nicht.

Und wo du doch so hinterher bist, dass jeder, der Musik vervielfältigt, aufführt und streamt, auch Gebühren zahlen muss, warum sehe ich auf meiner Abrechnung nie Einnahmen von z.B. Soundcloud? Wieso seit Jahren der Stress mit YouTube, wo doch Soundcloud eigentlich nichts anderes ist? An den Bildern bzw. Videos kann’s ja nicht liegen, hier geht’s ja um die Musik…

Und warum können eigentlich Live-Musiker dir eine Liste ihrer gespielten Lieder übermitteln, aber ein DJ nicht? Sind Lieder, die die Toten Hosen vor 10.000 Menschen spielen mehr wert als Lieder, die David Guetta vor 10.000 Leuten auflegt? Wenn also beim SMS Festival The Koletzkis als Band auftreten, dann werden ihre 15 Titel einzeln gewertet, wenn danach Oliver Koletzki auf der gleichen Bühne noch ein DJ-Set spielt, dann kann er das nicht? In Holland z.B. werden die Sets bei großen Events und Festivals aufgenommen und ausgewertet, damit auch korrekt für die einzelnen Titel abgerechnet werden kann. Wieso nicht auf der Time Warp, auf der MAYDAY, beim Melt! Festival? Warum aber wird bei einem Rock-Konzert vor 150 Leuten titelgenau vergütet? Also ich versteh das nicht.

Wie du siehst, liebe GEMA, kommen hier einige Fragen auf und ich habe den Verdacht, nicht nur bei mir. Melde dich gerne mal, meine Nummer haste ja. Ich komm auch gerne mal auf ‘ne Latte rum und wir setzen uns mal hin.

Gruß
Dein Rainer

Rainers Ratgeber:
Teil 1: Das richtige Demo
Teil 2: Der richtige Demoversand
Teil 3: Der richtige Plattenvertrag
Teil 4: Das Benutzen von Samples
Teil 5: Brauche ich die GEMA?
Teil 6: Brauche ich einen Verlag?
Teil 7: Wie gründe ich ein eigenes Label?
Teil 8: Die Sache mit den scheinbar von der GEMA gelöschten YouTube-Videos
Teil 9: Der Vertrieb deines eigenen Labels?
Teil 10: Wie promote ich mein Release?
Teil 11: Wozu brauche ich die GVL?
Teil 12: Lizenzabrechnungen
Teil 13: Heino hat recht!
Teil 14: Musikstreaming bei Rdio, Spotify und Co.