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Jeder, der sich in Deutschland mit elektronischer Tanzmusik auseinandersetzt, ist schon auf den Augsburger Rainer Weichhold getroffen. Sei es in seiner Funktion als Chef von DJ-Propaganda, A&R und Labelmanager von Great Stuff Records, Macher von Kling Klong Records oder einfach bei seinen DJ-Gigs. Neben seinen DJ Coaching-Seminaren gibt Rainer Weichhold nun auch in FAZE jungen Produzenten jeden Monat Tipps, was sie beachten sollten, wenn sie den inneren Drang verspüren, in der großen weiten Welt der Musikindustrie ihr Glück zu suchen. Kontaktiert Rainer gerne direkt unter rainer@klingklong.com!

Thomas Siebert: Ich möchte gern in den kommenden Monat eine kleine Stückzahl (300) Vinyl Platten anfertigen lassen. Was muss ich tun um in die Läden meine E.P. direkt verkaufen zu können? Das Risiko für die Kosten der Pressungen, GEMA und Versand an die einzelnen Stores würde ich selbst übernehmen. Auch wenn ich mir bewusst bin, dass es letztendlich evtl. ein Verlustgeschäft ist. Nichts desto trotz möchte ich gern meine Musik auf Vinyl vervielfältigen. Also. Geht das so „einfach“ wie ich mir das vorstelle oder ist da absolut kein Reinkommen in den Markt?

Dazu hätte ich noch eine Frage. Angenommen es würde funktionieren, dass Record Stores meine Platte ins Programm mit aufnehmen. Für wie viel muss/kann ich diese dort verkaufen, damit der Handel ebenfalls einen Gewinn erzielen kann? Sprich: Was bleibt für mich letzten Endes als Künstler (Label) pro verkaufter Platte hängen?

Rainer: Leider sind ja 300 Stück heutzutage gar keine ‚kleine Stückzahl‘ mehr, es ist also recht gewagt, gleich soviel zu pressen und diese dann auch noch ohne professionellen Vertrieb direkt in die Läden bekommen zu wollen. Soweit ich weiß nutzen manche Labels wie Innervisions und Keinemusik auch keinen externen Vinylvertrieb, sondern haben ihre direkten Kontakte zu den Läden. Das ist nun auch deine Aufgabe, nämlich möglichst viele Shops zu kontaktieren, ihnen deine Maxi zu präsentieren und somit schmackhaft zu machen. Entweder du hast gleich welche im Kofferraum dabei und sparst damit die Versandkosten oder du musst ihnen dann ein Paket schnüren, wobei normalerweise der Kunde (also der Plattenladen) diese Kosten trägt.

Das klingt alles recht aufwendig aber nicht unmöglich. Dadurch, dass der Zwischenhändler ausfällt, hast du natürlich auch mehr Spielraum bei der Preisgestaltung. D.h. entweder kannst du die Platten recht günstig anbieten (ca. 3 EUR) und es so dem Händler leichter machen, oder du hast eben eine höhere Marge, da du von dem normalen Preis (ca. 4,50 EUR) alles für dich behalten kannst. Ob die Händler dir direkt die Platten abkaufen oder sie erstmal nur als Komissionsware ins Regal stellen, musst du dann sehen. ‚Auf Komission‘ bedeutet, dass du dein Geld erst dann bekommst, wenn sich die Platten auch verkauft haben, was also ein geringeres Risiko für den Shop bedeutet, aber für dich mehr Aufwand.

Natürlich darfst du nicht vergessen, dass du für jeden Shop auch ordentliche Rechnungen stellen musst. Auf den Händlerabgabepreis (HAP) kommt natürlich noch 19% MwSt und ein Gewerbe solltest du als Labelmacher sowieso beantragt haben.

Dieses ganze Projekt steht und fällt natürlich mit der musikalischen Qualität deiner Platte, es ist also erstmal das Wichtigste, absolute Toptracks zu produzieren. Viel Erfolg dabei.

Ihr habt auch Fragen, die ihr nicht oder nicht genug in den bisherigen Kolumnen von Rainer beantwortet seht? Schickt uns eure Fragen an ratgeber@fazemag.de und er wird sie dann in seiner Kolumne im Heft beantworten!