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In diesem Jahr bei der neunten Edition angelangt, kann man sicherlich von einer alten Tradition sprechen, wenn im März eine weitere Ausgabe der famosen „Back To Back“-Reihe aus dem Hause Mobilee erscheint. 2014 hatten wir Ray Okpara angesichts seiner „BTB“-Ausgabe zum Interview gebeten, bei der neuen fiel die Wahl von Label-Chefin Anja Schneider auf Re.You, der seit 2012 Teil des Künstlerstamms ist. Auf Labels wie Saved, Souvenir, Moon Harbour oder auch Cocoon machte dieser in den vergangenen Monaten von sich reden. RAR heißt sein Live-Act, den er mit Rampa – seines Zeichens Keinemusik-Akteur – betreibt. Gründe über Gründe, um den gebürtigen Ulmer und heutigen Wahlberliner zum Kurator des aktuellen, offiziellen FAZEmag Download-Mix zu küren.


Findet wie gewohnt auf der ersten von zwei CDs eine Art Retrospektive der vergangenen zwölf Label-Monate statt, sind dem Schirmherr auf der zweiten jegliche künstlerischen Freiheiten gestattet. So präsentierten Pan-Pot zu ihrer Edition zeitgleich eine DVD, ehe And.ID sämtliche Tracks in einer Jazz-Version neu interpretierte. Auch im Falle von Re.You – der mit Vol. 9 auch den zehnten Geburtstag von Mobilee zelebriert – gibt es eine eigene Herangehensweise, die wir im Gespräch während seines Besuches auf dem BPM Festival in Mexiko erfahren haben. Das Resultat sei verraten: Zwei 30-minütige Studio-Sessions mit einigen bekannten Sounds.

28 Grad und klarer Himmel in Tulum. Wie geht es dir in Mexiko und wie war die Party gestern, auf der du gespielt hast?
Mir geht’s super. Gestern habe ich u.a. mit Pleasurekraft, Technasia, Tiger Stripes und David Mayer auf dem Kraftek Showcase im Blue Parrot gespielt, was super war. Beim BPM knüpft man viele interessante Kontakte und trifft jede Menge DJ-Kollegen, was natürlich Spaß bedeutet.

Du bist in diesem Jahr für die „Back To Back“-Compilation bei Mobilee verantwortlich. Bislang überraschte jeder Act mit seiner eigenen Herangehensweise. Welches Konzept hast du verfolgt?
Ursprünglich war meine Idee für die zweite CD, zehn Tracks mit zehn verschiedenen Künstlern zu produzieren. Ich habe allerdings relativ schnell gemerkt, dass es innerhalb von vier Monaten schlichtweg unmöglich ist, alle in mein Studio zu bekommen. Dann fiel mir der Track von Manuel Göttsching ein, namens ‚E2-E4‘ von 1984. Für mich eines der besten Stücke, die es je gab. Dieses Stück hat mich dazu inspiriert, zwei 30 Minuten Tracks zu produzieren. Das besondere daran ist, dass ich hierzu verschiedene Parts erfolgreicher mobilee Releases eingearbeitet habe. So waren z.B. ein Pad von Rodriguez Jr., ein Synth von Sebo K. sowie ein Vocal von Anja Schneider dabei – eine Mixtur vom gesamten Label im Prinzip.

Eine Art Puzzle, das du hast fallen lassen und neu zusammengesteckt hast. Inwiefern war die Studioarbeit in diesem Fall anders?
Die Arbeit im Studio war spannend und anstrengend zugleich, da sich natürlich viel mehr Audiospuren angesammelt haben, als bei meinen sonstigen Produktionen üblich. Zudem habe ich viele Sounds selbst aufgenommen, um die Sessions harmonischer, aber auch rougher zu gestalten. So habe ich aus Alltagsgegenständen Sounds herausgeholt, Pistazienhüllen in der Tüte wurden zu Shakern, oder eine alte Einkaufstüte brachte mir „Hintergrundrauschen“.

Ein Weg, den man sicherlich nicht als herkömmlichen Remix betiteln kann. War eine Art Druck vorhanden, Spuren von befreundeten Acts auf diese Art und Weise zu verwenden bzw. gekonnt in Szene zu setzen?
Um ehrlich zu sein: Nein, da es nur einzelne Elemente der Tracks waren, die ich verwendet und in meine Produktion eingearbeitet habe. Dadurch entstand kein besonderer Druck, nur mit dem Zeitdruck bis zur Abgabe hatte ich zu kämpfen. Die Zeit zwischen dem Touren und meinen anderen Studioproduktionen war knapp, aber ich konnte über vier Monate immer wieder daran arbeiten. Letztlich bin ich super happy damit und eine zeitliche Begrenzung muss bei uns Künstlern nicht immer etwas Schlechtes sein (lacht).

Auf der Compilation sind auch exklusive Tracks vertreten …
Richtig. Einen der exklusiven Tracks habe ich gemeinsam mit Ninetoes produziert. Wir hatten uns vor einer Weile bei mir im Studio getroffen und ein bisschen gejammt. Dabei kam der Track ‚Union‘ zustande. Damals hatte ich gerade den Moog Minitaur neu, mit welchem wir die Synth Melodie eingespielt haben. Die anderen Tracks sind drei Remixe, die ich aus meinen beiden 30 Minuten Sessions herausgeschnitten habe. Den Part mit Ray Okparas ‚Implanted Circle‘-Vocal sowie den Part mit Anja Schneiders ‚Lovetube Thinking‘-Vocal und ebenfalls Sebo Ks ‚Moved‘-Vocal, gesungen von Prosumer, habe ich jeweils zu weiteren exklusiven Stücken editiert. Es sind also tatsächlich keine Remixe, sondern Teile meiner Sessions.

CD 1 ist so etwas wie ein Rückblick auf das Jahr 2014 bei mobilee. Man hört Tracks von den üblichen Verdächtigen, aber auch von Maya Jane Coles, Lee Van Dowski, Ranacat oder Ross Evens. Was waren deine persönlichen Highlights in dem Jahr?
Der Subb-An Remix von And.Ids ‚Erotica‘ war bei vielen in aller Munde, und auch immer wieder in meinen Sets zu hören. Außerdem fand ich Sebo Ks ‚It’s Alright‘ super. Das Vocal-Element habe ich auch in einer meiner Sessions verwendet. Ein weiteres Highlight für mich war es, einen Remix für Rodriguez Jr.’s ‚Persistence Of Vision‘ zu produzieren. Alles in allem war es ein super Jahr für uns bei mobilee.

Du bist nun schon seit 2012 beim Label. Wie rekapitulierst du diese Zeit?
Wir hatten viele super Momente. Einer davon war der Trip zum Kazantip Festival. Alleine die Reise war schon so abgefahren, dass man sich einfach immer wieder gerne daran erinnert. Und natürlich auch die vielen OFF Sonar Partys, welche mittlerweile schon Kultstatus bei uns haben. Ein weiteres Highlight letztes Jahr war auch wieder mein Stop in Asien. Hongkong und Seoul sind mir mal wieder eindringlich im Kopf geblieben. Außerdem habe ich zum ersten Mal beim Fusion Festival gespielt, was ebenfalls eins meiner Highlights war. Leider konnte ich aber nicht wirklich viel davon sehen, da ich gleich nach meinem Set zum Airport musste, um nach London zu fliegen. Am nächsten Tag ging’s weiter nach St. Petersburg. Ein sehr gutes Wochenende mit wenig Schlaf (lacht).

Wenig Schlaf wird es auch auf der offiziellen Tour zur „Back To Back“-Compilation geben, oder?
Ich befürchte es (lacht). Bis jetzt sind auch wirklich tolle Clubs dabei. Ich bin von Ende Februar bis Anfang April unterwegs. Los geht’s in Budapest und um einige Städte zu nennen: Paris, Istanbul, Barcelona, Berlin, London … Ich freue mich sehr auf die Tour, denn bei jedem Gig begleitet mich mindestens ein mobilee Act.

Was steht für 2015 außerdem an?
Ich habe gerade eine EP für Kompakt fertiggestellt, worüber ich mich sehr freue. Des Weiteren ist mit Rampa, neben einigen Live-Gigs, eine neue aRARthing-Nummer geplant. Auch habe ich bereits wieder mit Layouts für eine mobilee EP begonnen und spiele mit dem Gedanken, ein Follow Up zu ‚Stare‘ auf Moon Harbour zu machen… / Rafael Da Cruz

Mobilee Back To Back Tour 2015
06.03 Istanbul / RAW / Re.You, Rodriguez Jr.
07.03 Vienna / Die Kantine / Re.You, Ray Okpara
08.03 Barcelona / Pacha / Re.You, Anja Schneider
13.03 Lisbon / Ministerium / Re.You, Rodriguez Jr.
21.03 Berlin / Watergate / Re.You, Anja Schneider, Sebo K, Lee Van Dowski,
And.Id, Igor Vicente
28.03 London / The Egg / Re.You, Ninetoes, Sebo K, And.Id, Igor Vicente, Miss Jools

Ab sofort und exklusiv bei iTunes:

FB Banner Re.You

www.mobilee-records.de
www.reyou-music.com

Aus dem FAZEmag #036/02.2015