Revolution der Musik: So veränderten Apps wie Spotify Artists und Hörer


Den meisten sind sie noch bekannt, doch die allerwenigsten Musikfans nutzen Sie im Jahr 2020 noch: Altbewährte, handfeste Musikmedien wie CD, Kassette oder gar eine Schallplatte. Über das letzte Jahrzehnt hat sich das Streaminggeschäft von Portalen wie Spotify oder Apple Music zum Kernabsatzmarkt der Musikbranche entwickelt. Dies hat sowohl die Konsumenten, als auch die Künstler in ihrem Verhalten stark verändert. Ein kurzer Abriss des Wandels.

 

Streaming als Ersatz für CDs

 

In den 2000ern rutschte der Musikmarkt zunehmend in eine Krise. Das lag weniger an schlechteren Produkten, als an der immer mehr an Relevanz gewinnenden Option zu illegalen Downloads. Während einige Künstler und Gruppen wie zum Beispiel Metallica rechtlich gegen solche Downloadportale vorgingen, suchte die Industrie fieberhaft einen Weg aus der Flaute.

 

Einerseits wurde dabei ein großer Fokus auf den Onlineverkauf von Musik über Portale wie iTunes gelegt. Dieses besteht schon seit 2001, wirklich genutzt von einer breiten Masse wird es jedoch erst seit der zweiten Hälfte der 2000er. Hinzu kamen Streamingdienste: Spotify wurde 2008 für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht, auf dem Höhepunkt der Depression des Musikmarktes, und erwirtschaftete schon in den ersten Jahren gigantische Umsätze.

 

Streamingportale sind also eine Alternative aus der Not, die aber durch viele Vorteile wie ein sofort abrufbares riesiges Angebot und auch geringe Preise sowohl den Künstlern, als auch den Hörern viele Vorteile boten und bieten und sich daher zum Kernmedium in der Musikwelt gemausert haben. Im Jahr 2020 sind Streamingdienste aus der Musikbranche nicht mehr wegzudenken und haben dem Markt ihren Stempel ausgedrückt.

 

Veränderungen für die Hörer

 

Vor allem in drei Punkten haben Streamingportale eine enorme Komfortsteigerung für Musikfans mit sich gebracht:

 

  • Zugänglichkeit
  • Angebotsumfang
  • Kosten

 

Schnell und überall abrufbar

 

Musik spielt vor allem im Alltag eine große Rolle. Fahren mit Bus und Bahn oder dem Auto, die Auszeit im Park: All diese Aktivitäten fordern für viele Menschen musikalische Untermalung über Kopfhörer. Dabei hat Musik größere Auswirkungen auf unseren Körper, als man im ersten Moment denken mag.

 

Woman listening music from a tablet Device connected

Streamingportale bieten überall schnellen Zugang zur Lieblingsmusik. Dabei kann, anders als vor 15 Jahren noch zum Beispiel über einen Discman, die Musik jederzeit der aktuellen Stimmung angepasst werden. Ein großer Vorteil, und eine enorme Anpassung an eine ohnehin immer schnelllebigere Welt. Dabei legen viele Streamingdienste wert darauf, das Handling ihres Portals durch verschiedene Entwicklungen für die Hörer zunehmend komfortabler zu gestalten.

 

 

 

 

 

 

Riesiges Angebot

 Anders als in Zeiten von CDs, Kassetten und Schallplatten hat der User in den Streamingportalen Zugriff auf eine breite Masse an Tracks. So bietet zum Beispiel der Streamingdienst Spotify aktuellen rund 50 Millionen Songs an (Stand März 2020).

Eine riesige Masse, die für einen Musikkonsumenten so einfach weder auf CDs, noch auf einer Festplatte verfügbar sein kann. Würde er es darauf anlegen, eine solche Sammlung zu kreieren, würden alle schon die Kosten ins unermessliche steigen.

Durch ein solch großes Angebot sind viele Hörer wahrscheinlich auch etwas offener für andere Genres oder Künstler. Die Wahrscheinlichkeit, durch Streaming über etwas Neues zu “stolpern” ist ungleich höher. Für wahre Musikliebhaber ein echter Vorteil: So können sie jederzeit ihren Horizont schnell und einfach erweitern.

 

Geringe Kosten

 Auch die Kosten sind um ein Vielfaches geringer. Möchte der Hörer zum Beispiel auf Spotify werbefrei und ohne Limit Musik hören, zahlt er hierfür 9,99 € in Monat, Apple Music und Tidal verlangen für ein ähnliches Angebot den gleichen Preis. Zum Vergleich: Für ein Album alleine zahlt der Hörer im CD-Format häufig schon einen Preis von 14,99 Euro. Anstatt 50 Millionen Anspieloptionen wird ihm hier allerdings nur ein Umfang von 10-20 Songs geboten.

Ein solcher Preisvorteil macht eine große Masse an Musik für alle gesellschaftlichen Gruppen zugänglich, der Umfang des Konsums ist in den allerwenigsten Fällen noch abhängig vom individuellen Inhalt des Geldbeutels. Was zunächst abwegig klingt, wird immer mehr zum Fakt: Im Bereich der Musikdistribution haben Streamingdienste durchaus eine soziale Komponente.

Auch der geringe Kostenfaktor unterstützt die Offenheit für Neues. Dabei kann es durchaus sein, dass Newcomern eher eine Chance eingeräumt wird. Der Nutzer bezahlt nicht mehr für die CD des Brancheneinsteigers, die monetäre “Hemmschwelle” fällt gewissermaßen weg.

Veränderungen für Künstler 

Auch für Künstler treten durch das Kerngeschäft über Streamingportale einige Veränderungen auf. Dabei sind vor allem drei Faktoren ausschlaggebend:

 

  • bessere Chancen für Newcomer
  • geringere Kosten, geringeres Risiko
  • Weg vom klassischen Album – auf zu neuen Wegen

 

Ein Segen für Newcomer

Musician and making music concept – Male sound producer working in recording studio

Vor allem für Newcomer, die sich einen Namen machen wollen, sind Streamingportale ein wahrer Segen. Während Neulinge früher einen aufwendigen und kräftezehrenden Weg durch die Chefetagen der Labels auf sich nehmen mussten, um einer breiten Masse bekannt zu werden, kann dies mit etwas Glück nun über Nacht geschehen.

Verschiedene Anbieter ermöglichen ein einfaches Veröffentlichen auf allen relevanten Streamingportalen durch wenige Klicks. Nahezu jeder kann seine Musik also mehr oder weniger gewinnbringend veröffentlichen. Hierzu ist zudem nur ein geringer finanzieller Aufwand nötig.

 

Geringere Kosten, geringeres Risiko

Künstler oder ein Label trugen ein besonderes Risiko. Wurden zu viele CDs gepresst, die sich zum sprichwörtlichen Ladenhüter entwickelten, kamen diese irgendwann zum Hersteller zurück. Man lief also Gefahr, auf einer Masse an Tonträgern und somit auf einem Teil des Investments sitzen zu bleiben, ein Umstand, der Labels und Künstler eher vorsichtig machte.

Durch Streamingdienste ist dies anders: Keine Produktionskosten mehr, einmal bezahlen, online stellen, fertig. Entsteht ein “Flop”, hat man keine Einnahmen, aber auch ein viel geringeres Missinvestment. Dies führt dazu, dass Labels und Künstler bei der Musikproduktion heutzutage häufig experimentierfreudiger sind.

 

Veränderte Releaseformen

Anders als in den letzten Jahrzehnten ist es für einen Musiker heutzutage besonders wichtig, möglichst viele Streams zu erhalten. Klassische Alben sind durch dieses Ziel ein immer mehr an Bedeutung verlierendes Produkt.

Vielmehr konzentrieren sich Künstler darauf, einen Superhit zu landen, der im hundertfachen Millionenbereich gestreamt wird. Dieser ist häufig nicht mehr Teil eines Albums, sondern einer EP mit wenigen Songs. Je weniger Songs, desto häufiger werden sie von den Fans gestreamt, desto höher chartet das Produkt.

Und ein weiterer Trend hält zunehmend Einzug: Sogenannte Überraschungsalben. Während in den letzten Jahrzehnten eine CD im Rahmen einer aufwendigen Promophase über Wochen, teilweise sogar Monate vor dem Release promotet wurde, kommt es immer häufiger vor, dass ein Künstler seine Fans im wahrsten Sinne des Wortes über Nacht mit einem neuen Produkt überrascht. Eine Art der Veröffentlichung, die ohne Streamingdienste undenkbar wäre.

 

Nachteile?

 Wie jede Entwicklung hat auch die große Relevanz der Musikstreams Nachteile. So ist eine höhere Durchlässigkeit für unausgereifte Produkte gegeben und einzelne Releases verlieren ihre Besonderheit.

 

Geringere Qualität? 

Was für Newcomer ein Segen ist, ist zugleich ein Fluch für die Branche. Da jeder seine Musik unkompliziert releasen kann, verliert das “Qualitätsmanagement” der Labels an Bedeutung. So entsteht die Gefahr, dass eine Masse an Songs mit geringerer Qualität veröffentlicht wird.

Wo früher Markennamen wie Universal oder Sony Music für einen gewissen Standard bürgten, ist der Hörer heutzutage eher alleingelassen und läuft Gefahr, bei der Entdeckungsreise nach neuer Musik enttäuscht zu werden. Dies schadet auf Dauer auch dem Image eines Genres und der gesamten Branche.

 

Reizüberflutung und Verlust eines gewissen Flairs

Einer der großen Vorteile der Streamingportale ist die problemlose Zugänglichkeit einer großen Masse an Musik. Andererseits kann hieraus eine Reizüberflutung entstehen. Anstatt sich tiefgehend mit dem Werk eines Künstlers zu beschäftigen, “springt” der Hörer immer mehr zwischen den verschiedenen Tracks und verliert so einen Teil des direkten Bezuges und der Bindung zur Musik. Zudem büßt ein Produkt durch die große Auswahl zunehmend seine Besonderheit ein.

Hinzu kommt ein weiterer Nachteil. Das Warten auf das neue Album des Lieblingskünstlers, der Weg zum Plattenhändler des Vertrauens, und dann endlich ein physisches Produkt in der Hand: All dies sind Erlebnisse, die Musikfans in der Ära von CDs, Kassetten und Schallplatten zu schätzen gelernt haben. Diese emotional angenehmen und aufregenden Aspekte fallen durch den reinen Stream weg. Ebenso nicht mehr möglich ist das Blättern im Booklet der CD oder das Mitlesen der Songtexte in selbigem.

 

Ausblick

Streamingdienste haben den Musikmarkt in den letzten zwei Jahrzehnten revolutioniert und verändert. Dabei passen sie den Musikkonsum dem allgemeinen Trend zu einer immer schnelllebigeren und digitaleren Welt an.

Neben wenigen Nachteilen bietet diese neue Art des Musikhörens für Fans und Künstler vor allem organisatorische und finanzielle Vorteile. Zudem erleichtert sie Newcomern den Weg in die Branche. Diese Trends werden sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten durch weitere Entwicklungen aller Voraussicht nach fortsetzen.

 

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