Während eine Vielzahl an Künstlern unserer Szene den Gang in die Hauptstadt antritt, um ihrer Karriere einen weiteren Schub zu verpassen, ist Ruede Hagelstein zu ein waschechtes Berliner Kind. Musikalisch ging es bei ihm mit Jimi Hendrix und den Rolling Stones los, während er im Chor für die Gitarre und die Flöte zuständig war. Klassisch sorgte der erste Computer für die ersten Gehversuche in Sachen Produktionen – ehe sich Ruede an der SAE das restliche Know-how für seine heutige Karriere aneignete. Seiner Liebe zur Musik konnte er als Redakteur des „Flyer“-Magazins ebenfalls bestens Ausdruck verleihen.

In der Szene ist der Resident des Berliner Watergate für seine facettenreiche Produktionen bekannt. Schubladen und etwaige Genregrenzen kennt er nicht. Seit seiner ersten Produktion in 2004 gab es so von discoiden Electroklängen bis zu geschmeidigen Downtempo-Nummern einiges zu hören. Der Horizont reicht von Stroboskop bis hin zum Kerzenlicht. Dieser Tage erscheint sein Debütalbum „Soft Pack“, das er mit seiner Band „The Noblettes“ veröffentlicht. Es erscheint – wie auch seine letzten Produktionen – auf dem Berliner Label Souvenir. Auch wenn Ruedes Fokus in den letzten Monaten gerade durch Hits wie „Emergancy“ oder „Corrosive Love“ eher auf dem Dancefloor lag, betritt er mit diesem Longplayer – mal wieder – neue Gefilde. „Ich wollte mal etwas anderes machen. Außerdem habe ich wieder Lust am Singen gefunden. Der Dancefloor gefällt mir immer noch, und im nächsten Jahr wir es auch wieder einige Tanzplatten geben, aber ich habe den Wald vor lauter Bassdrums nicht mehr gesehen. Ich habe mich auch nie als reinen Techno-Artist gefühlt und werde wohl auch in Zukunft verschiedene Stilrichtungen bedienen. Ich habe es als sehr angenehm empfunden, mal nicht darauf achten zu müssen, dass man zu meiner Musik im Club tanzen kann.“ Auf dem Label der beiden Tiefschwarz-Brüder hat Ruede schon vor einiger Zeit seine Homebase gefunden. Seinen Sound würde mal als entspannt und vor allem ungezwungen einstufen. So auch seine Antwort auf die Frage, warum es ganze sieben Jahre bis zum ersten Album gebraucht  und was ihn letztendlich inspiriert hat: „Das war weniger Kalkül als eine Gefühlssache. Ich bin irgendwann morgens aufgestanden und habe beschlossen, an einem Album zu arbeiten. Während seiner Entstehung – die ca. ein Jahr gedauert hat – habe ich nicht viel andere Musik gehört. Ich wollte mich nicht ablenken lassen. Jeder Track ist ein Ausdruck von dem Gefühl, das ich zu diesem Zeitpunkt hatte – völlig unvoreingenommen. Die Musik ist geprägt von den Nachwehen eines DJ-Wochenendes, manchmal aber auch Konsequenz eines entspannten Angeltrips in Brandenburg. Sie erzählen mein Leben. Meine Texte sehe ich eher als Gedichte, sie erzählen von persönlichen Zuständen, die ich mit Bildern beschreibe.“

Diese Bilder beschreibt er mit seiner Band – den Noblettes. Sie besteht aus Justin Evans am Bass, mit dem Hagelstein bereits viele Songs geschrieben hat. „Er kommt mit einer Melodie und ich ergänze im Studio den Rest – singe und schreibe den Text. Wir haben ein sehr intimes Verhältnis beim Komponieren. Das flutscht einfach magisch.“ Außerdem dabei sind Mieke und Aileen – studierte Musikprofis. Mieke spielt sämtliche Blasinstrumente, Aileen singt und spielt das Keyboard. „Seitdem die Mädels am Start sind, halten wir die Arrangements in Notenform auf einem Blatt Papier fest. Ein Novum für unsere Arbeitsweise – aber dennoch sehr hilfreich. (lacht)“

Außer der Produktion des Albums stand für Ruede in diesem Jahr noch einiges andere an. „Ich studiere noch nebenbei und hatte einen Job, den ich jetzt gekündigt habe. In diesem Jahr war also leider sehr wenig Freizeit angesagt. Zeit mit Freunden oder gar Urlaub also eher Mangelware. Mein absolutes Highlight war das Albumrelease im Watergate. Ich freue mich sehr auf die Tour. Fürs kommende Jahr stehen noch einige Releases an. Die nächsten Techno-Singles kommen auf Upon.You. Ansonsten möchte ich sehr gerne mein Kultur- und Technik-Studium fertig bringen. Es wird also wieder ein vollgepacktes Jahr.“

“Soft Pack” ist am 18. November auf Souvenir Music erschienen.

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