Sascha Dive


Frankfurt 2014. Die Eintracht spielt nicht mehr im europäischen Geschäft mit. Die letzten Stimmen, die noch an den vor Monaten geschlossenen CocoonClub erinnerten, sind inzwischen verstummt. Für viele herrscht am Main dieser Tage eine verklärte Nüchternheit. Wären dort nicht ein paar Ausnahmen. Sascha Dive gehört definitiv dazu. Waren es in 2010 noch die schlaflosen Nächte, dreht sich jetzt alles um dunkle Schattierungen. Mit „Dark Shadows“ veröffentlicht der Frankfurter Sascha Dive sein zweites Album. In diesen vier Jahren ist für den Cocoon-Act und Label-Kopf von Deep Vibes – auf dem der Longplayer erscheint – ist Dive musikalisch noch versierter geworden.

So führen einen insgesamt elf Tracks durch eine Reise von Ambient bis hin zu straightem Techno – stets gewappnet mit seinem für Sascha Dive typischen Rhythmus. „Ich bin sehr viel gereist. Ich war ein paar Mal in Südamerika, Japan und Amerika und habe tolle Sommer mit Cocoon im Amnesia gehabt. Besonders das letzte Jahr war auf der Insel ein sehr magisches, da man eine Art Wandel dort bemerkt. Sei es, was den Sound betrifft aber auch die Einstellung vieler Leute zur gesamten Szene. In diesen vier Jahren habe ich auch sehr viel releast. Die Arbeiten für dieses Album haben Ende 2012 begonnen. Deshalb gab es in 2013 dann lediglich drei eigene EPs von mir. Ich bin eher ein Freund davon, Veröffentlichungen Luft zum Atmen zu geben.“ Die Idee, ein Album zu fertigen, hatte Dive dabei nicht auf Anhieb. „Nach jeder Nummer habe ich abgewägt, ob das nun etwas für mein Label Deep Vibes, für ein eventuelles Album oder doch für ein anderes Label in Frage kommt. Irgendwann hat sich das ganze förmlich von selbst zu einem Werk gefügt – Anfang, Mitte und Ende. Es war also eher ein schleichender Prozess – ähnlich wie beim letzten Album.“

Und so hat sich auch seine Herangehensweise in Sachen Produktion und Studioarbeit im Laufe der Zeit verändert. Setzt Dive seit eh und je auf Vinyl, musste auch in der Herstellung Digitales dem Analogen weichen. „War die Gewichtung der Produktionstools bei ‚Restless Nights‘ noch eindeutig auf digitale Möglichkeiten gelegt, ist bei diesem Album eindeutig mehr Hardware vertreten. Grund dafür ist neben meiner großen Vorliebe dafür sicherlich die Anzahl an Gigs, die es mir mit der Zeit möglich gemacht hat, einiges an analoger Hardware zu kaufen (lacht). Darunter sind z.B. die SE1 und einige Waldorf-Instrumente. Damit wurden somit rund 80 Prozent des Albums gefertigt. Und Ich habe wesentlich öfter mit meiner Stimme gearbeitet. Für mein Empfinden hat mein Sound mehr Soul und ist auch durchaus technischer geworden. Teilweise auch elektronischer. Meinen Rhythmus, den viele mit mir in Verbindung bringen, habe ich aber beibehalten. Ich könnte mir nicht vorstellen, irgendwann etwas vollkommen Neues oder Anderes zu machen – dafür liebe ich dieses Genre und diesen Sound zu sehr.“

Geliebt, gefeiert und vor allem gehört wurde sein Erstlingswerk in 2010. So sehr, dass der Titel um schlaflose Nächte auch beim Nachfolgewerk zum Programm wurde. „Es war extrem schwierig, ohne Druck zu arbeiten. Druck, den man sich selbst schafft und den man zugleich aber auch als Anspruch sehen kann. Ständig hat man das Gefühl, zu ähnlich zum Vorgängerstück zu klingen und aus gewissen Mustern mental austreten zu müssen, um ein Stück weiter zu kommen. Aber ich schätze, so ist der natürliche Lauf der Dinge. Dieses befreite Aufspielen ist nunmal vorbei, und so denke ich, wird das nächste Album noch schwieriger und das danach nochmals härter. Aber genau darin liegt für mein Empfinden auch ein großer Reiz.“

Auf vielen Labels hat er Frankfurter, der seit Jahren zum festen Bestandteil des Cocoon-Innercircle gehört, seit seinem Produktionsdebüt in 2007 veröffentlicht – interessanterweise aber noch nie auf Cocoon Recordings. Pläne dafür, gab es schon oftmals. „In der Tat ist das schon sehr lange in der Planung, dazu gekommen ist es noch nie. Das liegt daran, dass andere Labels, mit denen ich seit Jahren zusammenarbeite, für meinen Sound bislang immer passender waren. Darunter z.B. Ornaments, Raum…musik und Drumpoet, bei denen ich in Zukunft auch gerne wieder mehr machen möchte. In Sachen Album kam diese Frage erst gar nicht auf, denn ich bewahre gerne die Kontrolle und bin sehr eigen in meinen Entscheidungen. Dabei geht es um das Artwork, die Track-Reihenfolge, für die ich nächtelang wach liege, und die ganze Präsentation eines dochsehr persönlichen Werks. Aber ich bin mir sicher, dass das mit Cocoon irgendwann noch funktioniert (lacht).“

Und so erscheint das Album – für ihn typisch – zunächst auf Vinyl und später in „allen heute erdenklichen Formen“ auch digital und auf CD. Remixes sind bislang bestätigt von Pedro aus dem Arpiar-Hause, von Tobi Neumann und von Reboot. Damit ist allerdings erst gen Ende des Jahres zu rechnen. Bis dahin wird das von Dive geplante „Lost Remixes“-Projekt, das aktuell in der Pipeline liegt, das Licht der Welt erblickt haben. „Darauf vertreten sind Remixe von mir, die es unter Umständen bislang nur digital gab. Darunter ist ein Remix für Cevin Fisher, einer für Silicone Soul, der auf Soma gesignt wurde, und für den New Yorker House-Act Sunshine Jones. Aber auch sonst steht nach dem Album einiges an, z.B. eine EP auf Radio Slaves Rekids und eine EP mit Luke Hess. Im April geht es mit Sven (Väth) nach Madrid zur Sala La Riviera. Das ist ein riesiges Ding und da freuen wir uns alle bereits seit Wochen drauf, dann geht es im Juni auch schon wieder nach Barcelona zum Sónar, und Ibiza steht ebenfalls vor der Tür.“

 

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