Im Jahr 1996, vor über 20 Jahren also, startete Rouven Pohl seine DJ-Karriere – unter dem Künstlernamen Pacemaker mischte er damals Hard-Trance- und Hardstyle-Sounds ineinander. Seit 2013 kennen wir Rouven in der Psytrance-Szene als Schrittmacher, und das Auflegen allein reicht ihm schon lange nicht mehr: Im Team von Music Eggert ist er mitverantwortlich für die in Deutschland größten und beliebtesten Psy-Festivals, so zum Beispiel Indian Spirit und Psychedelic Circus sowie das in wenigen Wochen stattfindende Airbeat One Festival. 

Den Hut trug Rouven dieses Jahr beim Psychedelic Circus zu Ehren seines verstorbenen Freundes Christian Paeseler.


Rouven, du bist seit mehr als 20 Jahren als DJ aktiv. Wo und wie hat deine Karriere begonnen?

Meine Leidenschaft zur elektronischen Musik wurde 1996 im Road House in Heide entfacht; ich wurde sehr von Hard Trance und Gary D. geprägt. Es dauerte nicht lange, bis ich feststellte, dass man die tollsten Tracks nur auf Vinyl bekam, und so verbrachte ich unzählige Stunden auf dem Kiez in Hamburg bei Container Records auf der Suche nach besonderen Perlen. Ich glaube, um das Jahr 2000 herum hatte ich dann meinen ersten Auftritt im Rider’s Cafe in Lübeck.

Du hast nach 14 Jahren das Genre von Hard Trance/Hardstyle zu Psytrance gewechselt und deinen damaligen Künstlernamen Pacemaker in dein heutiges Alias Schrittmacher geändert. Was war der Grund dafür? 

Der Grund für den Genre-Wechsel war ganz einfach. Ich war von Hardstyle und Hardcore einfach gelangweilt und als ich mir dann 2012 von einer Bekannten ein Set von Neelix angehört habe, war ich schwer begeistert. Mit dem Wechsel der Musikrichtung und dem Wechsel zur DJ-Software Traktor entwickelte sich meine Leidenschaft für das Auflegen neu – nun habe ich so viel Spaß daran wie selten zuvor. Was den Wechsel des Pseudonyms betrifft: Der Name Pacemaker war eng verknüpft mit dem Style, den ich gespielt habe. Ich hätte es meinen damaligen Fans gegenüber als unpassend empfunden, wenn mein Name auf einem Line-up falsche Erwartungen geweckt hätte. Also verwende ich seitdem die deutsche Übersetzung von Pacemaker und nenne mich Schrittmacher. Davon abgesehen kommt die Mehrdeutigkeit des Namens im Deutschen noch besser zur Geltung als im Englischen. Vereinzelt lege ich allerdings auch heute noch Hardstyle/Hardcore als Pacemaker auf.

Was war dein emotional schönster Moment als Künstler? 

Das war zum einen, als ich zum ersten Mal im Road House in Heide auflegte, und zum anderen, als ich 2011 mein Debüt im Tunnel-Bunker auf der NATURE ONE gab, auf der ich seit 2000 Stammgast war. Das hat mich natürlich total ergriffen, an Orten selbst aktiv sein zu dürfen, die einem so viele unvergessliche Momente beschert haben. In diesem Zusammenhang berichte ich euch gleich mal von meinem schlimmsten emotionalen Erlebnis. Ein Jahr vorher hatte ich nämlich bereits die Ehre, auf der NATURE ONE im Line-up für den Tunnel-Bunker zu stehen. Monatelang habe mich darauf vorbereitet und die Platten für mein Set rausgesucht. Als es dann so weit war, ging ich mit meinem besten Freund Berdy aka Slideout in den Bunker und war extrem aufgeregt und voller Vorfreude, weil die Hütte voll und die Anlage echt brachial war. Am DJ-Pult angekommen, musste ich mit Entsetzen feststellen, dass dort nur CD-Player standen – damit war ich raus aus der Nummer und Berdy konnte ein zweites Set spielen. Dieser Moment besiegelte auch meinen Umstieg von analog zu digital. Generell ist es für mich seit dem Wechsel in die Psytrance-Szene immer wieder eine Ehre, auf so großen Events wie Indian Spirit, Psychedelic Circus, Antaris und in diesem Jahr auch VooV oder Airbeat spielen zu dürfen – mittlerweile auch im Ausland. Das hätte ich mir als DJ nie träumen lassen und ich weiß dieses Privileg wirklich sehr zu schätzen!

Du betreibst nicht nur erfolgreich dein Projekt Schrittmacher – seit 2015 gehörst du dem Team von Music Eggert an, das unter anderem Events wie PsyCircus, Airbeat One und Indian Spirit organisiert. Was genau ist dort dein Part? 

Hauptsächlich mache ich für Music Eggert die Line-ups für Indian Spirit und Psychedelic Circus sowie für die Second Stage bei der Airbeat One und weiteren Events von ME, bei denen Progressive- und/oder Psytrance-Acts benötigt werden. Damit geht natürlich auch das ganze Artist-Management einher, sowohl im Vorfeld als auch auf der Veranstaltung – dort natürlich mithilfe meiner Stage-Manager. Da geht es dann zum Beispiel darum, Verträge auszuhandeln, Rechnungen zu prüfen und weiterzuleiten, aber auch darum, Flüge zu buchen, Shuttle- und Spielzeiten im Auge zu behalten etc. Bei der Indian Spirit und dem Psychedelic Circus mache ich neben anderen Kleinigkeiten zudem auch das Shop-Management, das heißt, ich sichte und bearbeite Bewerbungen, verschicke Verträge und Rechnungen und betreue die Shops auf dem Festival.

Wie bist du bei Music Eggert gelandet? 

Ich hatte bereits ein paar Jahre mit dem Gründer und damaligen Besitzer von Indian Spirit und Psychedelic Circus zusammengearbeitet, Christian Paeseler, der leider Anfang 2018 an Blutkrebs verstarb. Zwischen Christian und Sebastian Eggert bestand bereits lange eine gute Freundschaft und Music Eggert bot dem Goa-Sound schon immer eine Bühne, sei es auf der Airbeat One oder den zahlreichen anderen Events von Music Eggert. Für die Line-ups der Goa-Floors war immer Christian mit wwt event verantwortlich. Ab 2015 übernahm ich diese Aufgabe. Die Zusammenarbeit gipfelte Ende 2016 darin, dass Music Eggert die beiden Festivals übernahm; seit 2017 ist Music Eggert deren Veranstalter. Ich arbeite seitdem freiberuflich für Music Eggert und gemeinsam haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, das Erbe von Christian in seinem Sinne fortzuführen und ihn damit unsterblich zu machen.

Warum wurde dieses Jahr der Termin vom Psychedelic Circus verschoben, was war da los? 

Ich glaube, es war im Herbst letzten Jahres, als wir realisierten, dass das übliche Circus-Datum am ersten Wochenende des Junis mit dem Herrentag zusammenfallen würde. Da das Herrentags-OA nicht unweit des Psy Circus stattfindet, kontaktierte ich sofort die Veranstalter des Herrentags-OA und wies auf die Gefahr hin, dass 2019 womöglich beide Festivals am gleichen Wochenende stattfinden würden, da es Music Eggert aufgrund eines strammen Terminkalenders und vieler anderer Veranstaltungen eventuell nicht möglich sei, den Termin des Circus zu verschieben. In diesem Zusammenhang fragte ich die Veranstalter des Herrentags-OA, ob für sie eine einmalige Verschiebung ihrer Veranstaltung um eine Woche auf Pfingsten vorstellbar wäre – das wurde aber leider abgelehnt, da die Veranstaltung einfach namentlich mit dem Herrentag verbunden ist, wofür wir natürlich Verständnis hatten. Somit musste Music Eggert nach einer Alternative suchen. Pfingsten und das Wochenende davor waren wegen anderer Veranstaltungen aus dem Hause Music Eggert nicht realisierbar. Zwei Wochen davor war das Psychedelic Experience Festival auf seinem „Stammplatz“ Mitte Mai, weswegen nur noch das Wochenende davor blieb. Was folgte, war ein Shitstorm gegen den Circus und Music Eggert, weil wir uns vor das Psy Ex Festival platziert hatten. Letztlich hat das Herrentags-OA den von mir vorgeschlagenen Deal mit dem Psychedelic Experience Festival gemacht. Ich kommentiere das an dieser Stelle nicht weiter. Für das nächste Jahr hat sich das Psychedelic Experience Festival bereits frühzeitig den Termin am ersten Juni-Wochenende gesichert und wir werden den Circus Mitte Mai stattfinden lassen.

Wo können wir dich in diesem Jahr noch live erleben? 

Ich freue mich aktuell unter anderem auf das Shiva Spirit Festival in Dänemark, die Airbeat One, die VooV, das Shining Festival, das Indian Spirit und auf den Support bei Vini Vici im September im Docks Hamburg.

Deine Message an deine Fans? 

Gerne nutze ich diese Gelegenheit, um all denen zu danken, die mir als DJ seit knapp 20 Jahren zur Seite stehen. Eure zufriedenen Gesichter sind der tollste Lohn, den man als DJ haben kann!

 

Aus dem FAZEmag 089/07.2019
Text: Jeanette Leiendecker
Foto: Yonatan Benaksas