Schweizer Label veranstaltet Tunnel-Rave für Demo gegen Clubsterben

Schweizer Label veranstaltet Tunnel-Rave für Demo gegen Clubsterben

Am 31. Juli wird der Velotunnel unter dem Zürcher Hauptbahnhof zur Tanzfläche – aber nicht nur zum Feiern: Das Label Schallfenster organisiert mit „The Tunnel“ einen Rave, der gleichzeitig als Demo gedacht ist.

Die Aktion soll ein Zeichen gegen das Clubsterben in Zürich setzen und auf die kritische Lage der lokalen Clubkultur aufmerksam machen. „Viele Clubs gibt es nicht mehr, die übrig gebliebenen stehen finanziell extrem unter Druck“, erklärt Mitorganisator Onur Özman.

In der Folge gewinnen Sponsoren mehr Einfluss auf das Programm, Investmentfirmen kaufen Festivals, und die künstlerische Freiheit wird zunehmend durch Klickzahlen und Reichweite ersetzt. Statt Vielfalt regieren Algorithmen das Booking.

Auch von innen sieht Özman Probleme: Clubbetreiber würden oft aus einem finanzwirtschaftlichen Hintergrund stammen und kaum noch Innovation zulassen. „Sie agieren vor allem als Verwalter eines Status quo.“

Jüngere Perspektiven, queere Stimmen und migrantische Communities fänden kaum noch Platz – oder würden nur unter Kontrolle eingebunden. Zürich hat seit der Corona-Pandemie rund ein Viertel seiner elektronischen Clubs verloren.

Was früher ein pulsierendes Netzwerk kultureller Freiräume war, ist heute stark geschrumpft. Die übrig gebliebenen Orte wiederholen zunehmend altbekannte Line-ups und haben laut Schallfenster ihre politische und kreative Relevanz eingebüßt.

Die Auswirkungen sind vielfältig: Räume für queere Kultur, politische Subversion oder radikale Kunst verschwinden. Subkultur existiert zwar noch, aber ohne Bühnen. Kunst wird vereinheitlicht, Clubs ähneln einander und laufen Gefahr, sich in kommerziellen Eventformaten aufzulösen.

Diversität verkommt zur PR-Geste, wenn Leitung und Besitz homogen bleiben. Dagegen formiert sich nun Protest. Die Aktion „The Tunnel“ versteht sich als bewusstes, gemeinschaftliches Feiern – ohne Drogenexzesse, mit Fokus auf Musik, wie Özman betont: „Es wird ein Rave im ursprünglichen Sinne.“

Die Velodurchfahrt bleibt dabei gewährleistet, ein Abfallkonzept existiert, eine offizielle Bewilligung fehlt allerdings. „Wir glauben an das Recht auf kulturelle Entfaltung und friedlichen Protest“, so Özman.

Das Ziel sei nicht Konfrontation, sondern Sichtbarkeit: „Ich hoffe, wenn viele Menschen gemeinsam für diese Werte mittanzen, wird auch die Polizei erkennen, dass es mehr Sinn macht, zu begleiten, als zu verhindern.“

Die Stadtpolizei Zürich bestätigt, dass sie von der Veranstaltung weiß. Abklärungen laufen. Parallel zur Aktion hat das Schallfenster-Kollektiv auf seiner Website einen umfassenden Aufruf veröffentlicht.

Darin fordert es Fördergelder für neue Clubprojekte, rechtliche Vereinfachungen für Off-Locations, bezahlbare Flächen in Zentrumsnähe sowie neue Entscheidungsstrukturen, in denen marginalisierte Gruppen mitgestalten können.

Ein zentrales Anliegen ist es, Clubkultur nicht nur auf dem Line-up sichtbar zu machen, sondern in Besitzverhältnissen, in der Organisation und im kulturellen Selbstverständnis. Ohne physische Räume, so die Veranstalter, werde auch die Idee von Clubkultur ausgehöhlt.

„Wir reden von ‚Clubkultur‘ – aber was bleibt übrig, wenn es die Clubs nicht mehr gibt?“ Die Mieten in Zürich steigen, Gentrifizierung verdrängt Kultur. Neue Clubs sind fast unmöglich zu realisieren.

Ohne finanzielle Förderung, ohne strukturelle Öffnung, ohne Vertrauen der Stadtpolitik drohe die komplette Kommerzialisierung eines einst widerständigen Milieus. Die Demo im Tunnel soll zeigen: Es gibt eine Alternative – und sie tanzt.

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Quelle: 20 Min

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