Silent Disco auf Bali statt Finanzwesen: DJ erzählt von Lebenswandel

Drei Jahre lang verfolgte Nic Huzz einen Job im Risikokapital. Trotz Top-Gehalt kündigte er eines Tages – für Silent Disco & weniger Geld.

Gegenüber Business Insider berichtete er nun über seinen Weg vom Angestellten in Sydney hin zu einem selbstbestimmten Leben zwischen Strand und Kopfhörern. Er sei nie das Kind gewesen, das sofort einen Traumberuf vor Augen hatte.

Im Alter von 18 Jahren entschied er sich für Kommunikationswissenschaften und Entrepreneurship, absolvierte unbezahlte Praktika und arbeitete in Start-ups. Schließlich erhielt er eine Vollzeitstelle bei einer Risikokapitalgesellschaft in Sydney.

„Auf dem Papier war er perfekt“, schreibt er über den Job. Er unterstützte Gründer und trug einen angesehenen Titel. Doch bereits nach einem Monat merkte er, dass er unglücklich war. Nicht der Job selbst, sondern die damit verbundene Bestätigung hatte ihn angetrieben.

Sein Alltag bestand meist aus Bürozeiten von 9 bis 17 Uhr. Die Aufgaben, die er liebte – Moderation, Reisen, Austausch mit Gründern – machten nur einen kleinen Teil aus. 2020 verschärfte der Lockdown die Situation. Trotzdem dauerte es über drei Jahre, bis er kündigte.

Auf der Suche nach Veränderung investierte er umgerechnet etwa 25.000 Euro in mehr als 50 Coaches, Programme, Online-Kurse und Bücher. „Was auch immer man sich vorstellen kann, ich habe es gemacht.“ Trotz vieler Modelle änderte sich wenig an seiner Realität.

Er erkannte: „Man steigt nicht auf das Niveau seiner Ambitionen auf – man fällt auf das Niveau dessen, was sich sicher anfühlt.“ Aus Angst vor Urteilen und Versagen begann er, wöchentlich Dinge zu tun, die ihm Angst machten – von Tanzvideos bis Stand-up-Comedy.

Fünf Wochen nach Beginn dieser Challenge zog er nach Bali, um remote zu arbeiten. 2023 erhielt er die Nachricht, dass er für ein neues Büro nach Sydney zurückkehren solle. Sein Körper „erstarrte“, er sagte ab. Seine Chefin habe das „kommen sehen“ und sei stolz gewesen.

Ohne Alternativplan lebte er von Ersparnissen. Sein Einkommen fiel von ca. 50.000 Euro Dollar, sein Kontostand gleich zweimal beinahe auf null. Parallel nahm er Silent-Disco-Kopfhörer mit an Strände in Bali und Thailand und animierte Fremde zum Tanzen.

Mit jeder Session kamen mehr Menschen. Zunächst lehnte er finanziellen Support ab. „Mein Impostor-Syndrom kam zum Vorschein, und ich sagte ihnen, dass ich das nur zum Spaß mache“, so der 28-Jährige.

„Ich war so darauf konditioniert, Arbeit mit Leiden zu assoziieren, dass es mir unfair erschien, Geld zu verdienen, während ich Spaß hatte.“ Bei der vierten oder fünften Disco verdiente er dann aber in einer Stunde mehr als zuvor an einem Arbeitstag.

Er begann, regelmäßige Sessions zu veranstalten und Kopfhörer zu vermieten. Ein Clubbesitzer bestellte 300 Stück. Für 250 weitere nahm er einen Kredit bei seinen Eltern auf, höher als sein Einkommen der vergangenen zwölf Monate. Damit unterstützte er Konferenzen wie AWS, Amazon und IBM in Bali.

In den sozialen Netzwerken stößt Huzz selbstredend nicht nur auf Gegenliebe. Einige User bezeichnen seine Videos, in denen Menschen er an ungewöhnlichen Orten zum Tanzen auffordert, als „cringe“ oder „gestellt“.

Doch ein Großteil fühlt sich inspiriert und unterstützt seinen neuen Lebensstil. Im vergangenen Jahr habe er „nur“ 18.000 Euro, also deutlich weniger als in Sydney, verdient – so Huzz. „Aber ich wache jeden Tag voller Vorfreude auf.“

Quelle: Business Insider

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