Liebe FAZEmag-Leserin, lieber FAZEmag-Leser,

der Sommer ist da und versorgt uns mit guter Laune! Es ist genau die richtige Zeit, sich im Studio melodischen Vibes zu widmen und den Sommer auf der Festplatte in Track-Form festzuhalten –  es ist Zeit für Melodic Techno! Wir verbinden mit dem Genre einen extrem hochwertigen Klang mit spannendem Sounddesign in allen Spuren – Drums wie Synths! Darum wollen wir euch in diesem Artikel Effektkombinationen zeigen, die immer gut zusammen funktionieren und sich vor allem für Melodic Techno eignen. Wir geben euch außerdem Tipps, mit welchen Parameter-Automationen der perfekte Hands-up-Moment gelingt. 

Die Classics – Delay und Reverb

Die All-Time-Favourties aus der DJ- und Producer-Trickkiste Delay und Reverb gehören selbstverständlich in diese Sammlung mit rein. In der Reihenfolge schaltet ihr den Delay vor den Reverb. Bei der Verwendung der beiden Tools gilt das Gleiche wie bei fast allen anderen Effekten: Lasst den Dry/Wet-Regler nicht auf 100 Prozent. Gerade bei Reverbs sind die Tools oft nur zu einem sehr kleinen Anteil von vielleicht fünf Prozent hinzugemischt. Das klingt natürlicher und sauberer. 

Wenn ihr aber an einem Break arbeitet und Spannung erzeugen wollt, fahrt mittels Automation die Dry/Wet-Regler von Delay und Reverb hoch. Wenn ihr genau zum Drop beide Effekte auf null Prozent stellt, habt ihr einen idealen Sog zum Hauptereignis des Tracks erreicht. Wenn ihr das Gefühl habt, der Effekt endet zu plötzlich, könnt ihr mit gedrückter Alt-Taste die Automation „verbiegen“. Die Automation klingt musikalischer und ihr habt mit diesem Trick den Sog zum Drop unterstützt. Arbeitet zusätzlich mit einem High-Cut-Filter, um die Automation noch mehr abzurunden. 

Earcandy –  Reverb und Erosion

Eine Effektkombination, die ihr sicherlich schon mal in einem unserer Videos gesehen habt, ist ein Reverb mit einem Erosion-Tool im Anschluss. Erosion erzeugt in der Einstellung „Wide Noise“ eine superangenehme Textur, die sich perfekt an den Sound anschmiegt. Wenn ihr einen Reverb mit langer Decay-Zeit vorgeschaltet habt, klebt sich die Textur an die Hallfahne des Sounds. So erreicht ihr ein feines und langgezogenes Knistern, das man auch Earcandy nennt. 

Um im Arrangement Spannungen zu erzeugen, könnt ihr den Amount-Parameter automatisieren, mit dem gleichen Trick wie schon bei Delay und Reverb: Erschafft mit der Automation einen Sog zum Drop hin, indem ihr durch das Erosion-Tool immer mehr Höhen hinzugebt und diese dann beim Drop wieder etwas wegnehmt. 

Wenn ihr die Höhen aus dem Patch noch weiter nach vorne stellen wollt, könnt ihr im Anschluss an die Kette noch einen Multiband Dynamics mit dem Preset OTT ablegen. Da das Tool in dieser Einstellung ein ziemlich wildes Biest ist und wir im Melodic-Bereich immer noch ein eher dezentes Sounddesign betreiben, solltet ihr auch hier den Dry/Wet-Regler etwas herunterfahren. Diese Effektkombination könnt ihr im Melodic-Techno-Bereich ziemlich oft anwenden. Egal, ob ihr die Tools auf Drums oder Synths anwendet, es kommt immer das gewisse Etwas zu dem Sound hinzu, das jeden Zuhörer mitreißt und die Qualität der Produktion enorm anhebt!  

Stereo-Sounds – Auto Pan und LFO  

Sounds von links nach rechts flattern lassen – wie geht das? Mit Auto Pan und einem LFO könnt ihr Bewegungen im Stereofeld ganz leicht und schnell realisieren. Weist den LFO einfach auf den Parameter-Rate im Auto-Pan-Tool zu. Im LFO-Tool könnt ihr die automatisierte Bewegung jetzt einprogrammieren. Meistens ist hier der erste Move, die Depth des LFOs herunterzuregeln und mit der Rate-Einstellung die ideale Frequenz zu finden, bei der der LFO schwingen soll. Mit dem Offset-Regler lässt sich die Bewegung des LFOs positionieren und nachjustieren. 

Ein LFO ist ein Spielzeug für Sounddesigner – spielt also mit ihm herum, bis ihr den Sweet Spot gefunden habt, der eure Produktion mit einer interessanten Bewegung bereichert und zum Beispiel Hi-Hats und Shaker viel spannender klingen lässt. 

Sounds zerstören, um neue zu erschaffen – Grain Delay & Hybrid Reverb

Sounddesign ist oft ein Workflow, bei dem wir erst ganze Sounds oder nur einzelne Frequenzbereiche mit Tools zerstören, um dann mit ganz bestimmten Effekten neue Klangcharakteristiken hinzuzufügen. Diese Techniken kurbeln unsere Kreativität an, bringen uns zu Ergebnissen, die wir sonst nicht erreicht hätten und – ganz simpel gesagt –  es macht auch einfach nur riesigen Spaß, sich im Studio Happy Accidents zu unterwerfen und zu schauen, was passiert. Ein Tool, mit dem ein Kreativitätspush mit Happy Accidents fast schon vorprogrammiert ist, ist Ableton Lives Grain Delay. Vor allem in der Kombination mit dem neuen Hybrid Reverb, der in der Version Live 11 hinzukam, bietet das Tool einen enormen Pool an Sounddesign-Möglichkeiten. 

Im Grain Delay werden Audiospuren oder Samples in winzig kleine Teile zerlegt. Diese kleinen Teile nennt man Grains. Mit den Grains könnt ihr im Effekt-Tool ziemlich verrückte Dinge anstellen, wie Time-Stretching und Pitch-Shifting. Perkussive Sounds lassen sich mit den Parametern Spray, Feedback und Random Pitch in FX-Sounds für Arrangement Transitions verwandeln. 

Mit einem Grain Delay auf Synths könnt ihr abgefahrene und extreme Klangwelten entfalten. Im Melodic Techno haben wir ja oft die Kombination von etablierten Synthsounds wie Arps und Pianotriolen, die das Thema unterstützen, und einem Mainsynth, der mit einem außergewöhnlichen Sounddesign das Thema vorstellt. Bei der Fülle an Tracks in diesem Bereich bietet sich der Main-Synthpatch daher extrem gut an, um für ein Alleinstellungsmerkmal in der Produktion zu sorgen. Darum sind Tools wie Grain Delay und Hybrid Reverb, aber auch Spectral Time und Spectral Resonater echte Geheimwaffen für melodische Produktionen. 

Bei der Nutzung auf einem Synth empfehlen wir aber, mit einer Dry-Kette als Unterstützung zu arbeiten. Delays und extreme Effekte verwaschen nämlich oft den Klang und sollten immer nur hinzugemischt werden, damit der Mix sauber bleibt und der Synth sich gut durchsetzt. 

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Aus dem FAZEmag 114/08.21
Text: Fabienne von Canal
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