Liebe FAZEmag-Leserin, lieber FAZEmag-Leser,

in dieser Ausgabe widmen wir uns einem klassischen Thema in der Musikproduktion: Send- und Return-Effekte! Der richtige Umgang mit dieser sehr professionellen Art zu effektieren kann euren Workflow und auch euren Sound auf das nächste Level bringen. Wie ihr die Send- und Return-Effekte richtig benutzt und was der Unterschied zu Insert-Effekten ist, erfahrt ihr in unserem Tipp des Monats!

 

Insert vs. Send & Return

Normalerweise legen wir unsere Effekte immer auf jede Spur in die horizontale Spalte am unteren Rand der DAW ab und erstellen mit den einzelnen Tools unsere Effektketten. Man bezeichnet diese dann als Insert-Effekte, da sie jeder Spur einzeln hinzugefügt werden. Mit der Verwendung der Send- und Return-Spuren arbeitet man bei der Effektierung mit einem ganz anderen Ansatz. Hier legen wir einen oder mehr Effekte auf eine Spur, die kein Instrument enthält. Somit ist sie eine reine Effektspur (Return).

Return-Spur erzeugen

Bei dem Menüpunkt „erzeugen“ könnt ihr eurem aktuellen Projekt eine Return-Spur hinzufügen. Das Gute an Live ist: Ihr könnt so viele Return-Spuren erstellen, wie ihr möchtet. Auf diese Spur könnt ihr jetzt einen Effekt legen oder auch eine ganze Effektkette. Diese erstellt ihr so, wie ihr es auch bei der Insert-Effektkette gewohnt seid, nur mit einem wichtigen Unterschied: Die Effekte auf den Return-Spuren müssen alle auf 100 Prozent Wet gestellt sein, damit aus diesen ein rein effektiertes Signal kommt. Wäre in dem Signal noch ein Anteil vom Direktsignal vorhanden, könnte es zu Problemen in der Phase und zu Auslöschungen kommen. Das wollen wir natürlich vermeiden und halten unsere Return-Effekte alle auf 100 Prozent Wet. Unser neuer Regler, mit dem wir das effektierte und das Direktsignal einander zumischen, sind jetzt die Sends!

Warum nutzen wir Send-Effekte?

Diese Technik stammt aus dem analogen Tonstudio. Insert-Effekte muss man nämlich beim analogen Mischpult jedem Kanal einzeln anlegen. Wenn man sowieso auf viele Spuren etwas Hall legen möchte, nutzt man im Tonstudio die Send-Effekte. So lassen sich mehrere Spuren in ein und denselben Effekt fahren. Bei uns in der digitalen DAW macht es nicht mehr so einen großen Unterschied, dennoch sparen wir uns etwas Zeit, wenn wir All-Time-Favourites wie Reverb nur einmal einstellen. Außerdem erhält euer Mix dadurch ein stimmiges Gesamtbild, da mehrere Sounds in den gleichen Hallraum gestellt werden und somit wie aus einem Guss klingen.

Tiefenstaffelung

Ihr könnt eurem Track mit diesem Workflow auch ganz einfach eine Tiefenstaffelung geben, in dem ihr auf verschiedenen Return-Spuren verschieden große Hallräume erstellt. Eine klassische Variante wäre ein kleiner Hallraum und ein etwas größerer. Im Laufe der Produktionsphase könnt ihr dann entscheiden, welche Sounds ihr in den kleinen und welche ihr in den großen Hallraum senden wollt. Viele Producer speichern sich solche Return-Spuren in einem Template oder Standard-Set ab, um so immer mit den gleichen Hallräumen, die man sich einmal erstellt hat, arbeiten zu können. Hier muss jeder für sich schauen, ob dieser Workflow passt – zu einem selbst und zum jeweiligen Projekt, an dem man arbeitet. Der Vorteil ist sicher, dass man einen schnelleren Einstieg in eine neue Session findet und man auch damit beginnt, einen Signature Sound zu entwickeln, da man immer seine eigene Effektkette wiederverwendet. Der Nachteil von Standard-Sets kann aber auch sein, dass man sich zu sehr festfährt und keine neuen Effektkombinationen mehr ausprobiert.

Parallel Processing

Bei vielen Effekten in Live gibt es einen Dry/Wet-Regler, mit dem ihr das effektierte Signal dem Direktsignal zumischen könnt. Das Signal wird dazu im Hintergrund dupliziert – das Gleiche geschieht übrigens auch bei den Send-Effekten! Wenn ein Effekt in eurer DAW also keinen Dry/Wet Regler hat, könnt ihr eine Return-Spur erzeugen, mit dem gewünschten Effekt belegen und jetzt mit den Send-Reglern eurem Direktsignal zumischen. Ihr habt euch dann sozusagen selbst einen Dry/Wet-Regler erstellt. Das gleiche Ziel erreicht ihr übrigens auch, wenn ihr mit einem Audio-Effect-Rack arbeitet und Ketten erzeugt, die ihr einander zumischt.

Pre- und Post-Sends

Die Schalter Pre und Post, die ihr rechts an der Masterspur gleich über dem Fader sehen könnt, sind meistens auf Post voreingestellt. Post bedeutet, dass die Lautstärke des Signals, das in die Return-Spur geschickt wird, über den Lautstärke-Fader geregelt wird. Wenn ihr Pre einstellt, wirkt der Lautstärke-Fader nicht mehr auf die Lautstärke des geschickten Signals ein, sondern der jeweilige Send-Regler. Dreht den Send einmal zur Übung voll auf und stellt den Lautstärkefader der Spur ganz nach unten. Ihr könnt jetzt trotzdem hören, dass das Send-Direktsignal in die Return-Spur geschickt wird, ihr hört aber nur das effektierte Signal. Das Senden des Signals geschieht bei der Einstellung Pre also vor dem Fader, bei Post nach dem Lautstärke-Fader.

 

Recording und Automationen

Wenn ihr einen MIDI-Controller mit Knobs oder Fadern in eurem Studio habt, könnt ihr euch die Send-Regler auf diese zuweisen und damit intuitiver effektieren und automatisieren. Wenn ihr eure Automationen aufnehmen wollt, stellt sicher, dass der Schalter „Aufnahmebereitschaft Automation“ aktiviert ist. Diesen Schalter findet ihr ganz oben in Live, wo sich eure Control Bar befindet, direkt neben dem Plus-Symbol.

Return Signal abgreifen und experimentieren

 

Wenn ihr nur das effektierte Signal der Return-Spuren abgreifen wollt, könnt ihr euch eine Audiospur erzeugen und das Output-Signal der Return-Spuren in eure Audiospur routen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, dies zu realisieren. Wenn ihr nur das effektierte Signal einer einzigen Return-Spur abgreifen wollt, erstellt ihr euch eine Audiospur und wählt bei „Audio from“ die gewünschte Return-Spur aus. Jetzt stellt ihr mit „Record Arm“ die Audiospur scharf, wählt im Monitoring-Bereich Input aus und nehmt euren effektierten Sound aus der Return-Spur auf.

Mit dieser Audiospur könnt ihr spannende Transitions im Arrangement gestalten oder die ganze Sache noch auf die Spitze treiben: Wenn ihr diese Audiospur wiederum ganz vorsichtig (!) in eure Return-Spur zurückschickt, können sich interessante Feedback- und Rückkopplungs-Effekte ergeben. Seid mit dieser Technik aber achtsam und regelt vorsorglich die Lautstärke an eurem Interface runter, sonst könnten laute Rückkopplungen eurem Gehör schaden.

Ihr könnt euch auch das effektierte Signal aller Return-Spuren in eine Audiospur routen. Dazu erzeugt ihr wieder eine Audiospur und wählt diesmal bei den Return-Spuren bei „Audio to“ den Namen der erzeugten Audiospur aus. Jetzt schickt ihr alle effektierten Return-Signale in diese Audiospur. Aktiviert hier wieder den Input im Monitoring-Bereich sowie Record-Arm am unteren Ende der Spur. Jetzt könnt ihr eure Aufnahme beginnen und mit den daraus entstandenen Audio Files weiter arbeiten.

 

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Aus dem FAZEMAG 110/04.2021
Text: Fabienne von Canal
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