In diesem Monat präsentieren wir mit Solomun einen der, wenn nicht sogar den angesagtesten Akteur der elektronischen Szene. Vorab veröffentlichen wir ein Auszug aus dem sechsseitigen Interview, dass ihr in unserer aktuellen Print-Ausgabe oder der digitalen Ausgabe unter savefazemag.de findet.

SOLOMUN – Die Liebe der Musik (ein Auszug)

Gerade veröffentlichte Solomun mit „Nobody Is Not Loved“ sein langersehntes zweites Album. Auf zwölf Titeln präsentiert er ein unglaublich breites Spektrum an elektronischen Genres, das von Indie Electronica über Synthpop, Wave, Post Punk bis hin zu Solomuns bekanntem Signature-Club-Sound schon jetzt als weiterer Meilenstein in der Karriere des Wahl-Hamburgers gelten dürfte. Zu diesem Status verhelfen auch die Gast-Features mit namhaften Künstler*innen wie Jamie Foxx, Zoot Woman, Planningtorock, ÄTNA, Anne Clark und Tom Smith von den Editors. Zu fünf Singles, die teils bereits im Vorfeld ausgekoppelt wurden, präsentiert Solomun unglaublich starke Musikvideos. „Home“, das zeitlos vieles von dem repräsentiert, was Solomun gerne im Club hört und dessen Video die Sehnsucht porträtiert, die die Jugend derzeit empfindet; „Kreatur der Nacht“, eine 80er-Jahre-Post-Punk-Hymne, die ein Gefühl der Rebellion gegen den Status quo weckt; „Tuk Tuk“, ein hochenergetischer Electronica-Track, in dem Inez, die Sängerin von ÄTNA, die Musik selbst verkörpert und gegen die Mächte kämpft, die sie zu unterdrücken versuchen, sowie „Ocean“, bei dem der US-amerikanische Schauspieler und Sänger Jamie Foxx durch menschenleere Straßen läuft und dabei Meereskreaturen begegnet, mit der unterschwelligen Botschaft: „So lebenswichtig wie Wasser, die Essenz des Lebens, für den Körper ist, ist Musik für die Seele.“ Und genau aus diesem Grund passt die Aussage „Nobody Is Not Loved“ so unfassbar gut.

Der Album-Titel „Nobody Is Not Loved“ ist inspiriert von einem Graffiti, das du in London gesehen hast und das dich seitdem nicht mehr losgelassen hat.

In der Tat. Vor ein paar Jahren war ich für einen Gig in London, und auf dem Weg dorthin fuhr ich durch eine ziemlich raue Gegend. Da hab ich ein Graffiti gesehen, auf dem „Nobody Is Not Loved“ stand. Die Worte haben einen ziemlichen Eindruck bei mir hinterlassen, besonders wenn man bedenkt, an welchem Ort sie standen. Die Zeit verging, aber diese Worte haben mich nicht mehr losgelassen. Wochen später habe ich mal halb im Scherz gesagt „Falls ich nochmal ein Album machen sollte, wird das der Titel sein“. Und witzigerweise änderte sich daran nichts. Viel später, inmitten des Album-Prozesses, haben wir dann über den philosophischen Hintergrund des Ganzen angefangen nachzudenken. Ich habe mich gefragt, wer so eine Aussage überhaupt machen könnte, und dann dämmerte es mir:

Die Musik – nur Musik liebt alle Menschen gleich!

Die Bedeutung eines jeden Stückes begann sich zu verändern, und alles begann sich vor unseren Augen zu entfalten. Die ganze Zeit ging es um Musik! Sie war schon immer unsere Heldin, und wir haben erkannt, dass dies die eigentliche Geschichte war, die wir die ganze Zeit über erzählen wollten.

Eine äußerst romantische Vorstellung.

Ich bin ja nun schon zum Glück seit vielen Jahren im Dienste der Musik unterwegs. Darf als DJ die ganze Welt bereisen, um Menschen durch Musik zusammenzubringen. Eines der erfüllendsten Dinge, die ich mir vorstellen kann. So gesehen liegt in der Musik eine göttliche Kraft, denn sie liebt wirklich jeden Menschen, egal ob er/sie nun böse ist oder gut. Also, eine bedingungslose Liebe, die jeder Mensch erfahren und erleben kann. Ich glaube an Gott, das habe ich schon oft gesagt, aber Musik würde ich auf eine Stufe mit Gott stellen: eine metaphysische Kraft, die alle Menschen vereinen kann. Und alle Menschen gleichermaßen lieben.

Also ist die Musik der Schlüssel?

Ja, denn Musik hat die Kraft, sich über alles hinwegzusetzen. Das habe ich wie gesagt auch versucht, mit dem Musikvideo zur dritten Single „Tuk Tuk“ zu erzählen: Musik hat die Kraft, Menschen zu erwecken, wiederzubeleben. Jeder kennt das: Man hört eine Melodie aus der Kindheit – und schon ist man wieder tief drin in der eigenen Biografie. Ein kleiner Schnipsel reicht, und das ganze Leben ist wieder da. Man fühlt sich wieder so, wie man sich damals gefühlt hat. Der Song zur ersten großen Liebe, man hört ihn beispielsweise in einem Supermarkt und ist wieder 15 Jahre alt und zum ersten Mal verliebt. Es ist mittlerweile wissenschaftlich bewiesen, dass Musik Menschen wirklich heilen kann. Es hat mich vor ein paar Jahren total geflasht, als ich gelesen habe, dass Musik sogar schwere Alzheimer-Patienten für einen kurzen Moment wiedererwecken kann. Weil sie durch das wieder Hochholen von musikalischen Momenten, durch ihre Erinnerung wiedererweckt werden. Denn nur Musik hat die Kraft, ein Momentum einzufrieren, alle wertvollen Erlebnisse haben deshalb immer einen Soundtrack. Deshalb ist es auch so wichtig, bei Partys oder Konzerten Momente zu erzeugen und auch zuzulassen. Denn diese Momente können dich viel später einmal ins Leben zurückführen.

„Solange die Musik spielt, muss man sich nicht fürchten“, hast du gesagt. Ein wunderbarer Satz.

 Ich habe durch meinen Glauben etwas Wichtiges gelernt, nämlich: Fürchtet euch nicht. Und um das zu verstehen, muss man nicht mal gläubig sein. Denn, was macht jeder Mensch, der oder die z.B. alleine durch einen dunklen Wald läuft und sich fürchtet, ganz intuitiv? Er fängt an zu pfeifen oder zu singen. Und fühlt sich dadurch weniger alleine, hat weniger Angst, der dunkle Wald wird plötzlich hell. Schlussendlich ist das die Essenz all meiner Gedanken: Solange die Musik spielt, muss man sich nicht fürchten.

Auch dein Freund Fatih Akin war an einem Musikvideo beteiligt, in diesem Fall beim Feature mit Isolation Berlin. Warum spielt der visuelle Aspekt bei dir eine solch übergeordnete Rolle? Ich habe gelesen, dass Pixars Film „Soul“ eine wichtige Rolle gespielt hat.

Genau, im Grunde sind das zwei Themen, die später zu einem zusammenfließen. Zum einen war es der erzählerische Effekt der Videos, zum anderen der philosophische Aspekt von Soul, damit fange ich mal an. Pixars neuester Animationsfilm “Soul” ist die Geschichte eines Jazzmusikers, der kurz vor seinem großen Durchbruch stirbt und in einer Art Jenseits landet. Die Geschichte ist sehr rührend und auch hochphilosophisch, wie ich finde. In dieser Idee von Jenseits taucht auch die sogenannte „Zone“ auf; ein Ort, an dem Menschen landen, wenn sie sich in etwas verlieren, einer Leidenschaft, sei es Musik oder Sport oder Kochen oder sonstiges. Wenn man sich aus der Welt „herausträumt“ eben. Und diese „Zone“ kennt jeder, der sich schon mal in der Musik verloren hat. Ich nenne das für mich immer Momentum. Die Message des Films ist unter anderem, dass alles da ist, dass der Sinn des Lebens ist, dass man es lebt. Aber ich habe da auch verstanden, dass wir am Leben sind, solange die Musik da ist. Und da musste ich auch wieder an “Ocean” denken: So elementar lebenswichtig Wasser für unseren Körper ist, so ist Musik elementar für die Seele. Und wer spricht ausgerechnet die Stimme des Hauptcharakters? Jamie Foxx. Was für eine Fügung.

Das komplette, sechsseitige Interview findet ihr in der aktuellen Print-Ausgabe des FAZEmag oder im Download-PDF. Beides bekommt ihr hier. www.savefazemag.de