Sony SRS-XG300 – Party-Boomer

Man macht sich immer beliebt, wenn man sie dabei hat: Bluetooth-Boxen machten vor einigen Jahren das erste Mal überhaupt Musik für jeden mobil und für jeden hörbar. Doch während gerade in der Anfangszeit viele sehr günstige Lautsprecher ohne einen Anspruch an ihren Klang zuhauf auf den Markt geworfen wurden, bewegt sich der Trend heute in die Gegenrichtung. Aktuelle Bluetooth-Boxen sollen alles können: Zu Hause UND unterwegs sollen sie die erste Wahl sein, wenn es um Musikgenuss geht. Sie sollen also gleichsam ästhetisch aussehen und klingen. Heute im Test ist ein Modell, das sich besonders der elektronischen Musikkultur verschrieben hat. Zumindest wenn es darum geht, das exzentrisch genutzte Bass-Spektrum jener abzubilden – alles in einer mobilen kleinen Box. Vorhang auf für die Sony SRS-XG300.

Das 31 Zentimeter lange Soundsystem ist von einer wertigen Textiltextur überzogen, weit entfernt vom Plastik-Feeling anderer Modelle. Man kann sich dabei ein helleres und ein dunkleres Grau aussuchen. Damit sieht die Box schon einmal nach etwas aus, wenn man sie indoor benutzt. Gleichzeitig wirkt alles robust und strapazierfähig. Der Eindruck bestätigt sich, wenn man erfährt, dass das gesamte Gehäuse wasser- und staubdicht ist, sogar bis zu einem Meter Wassertiefe nach IP67. Versucht da euer Glück, mir reicht es aber, wenn ich mir keine Gedanken machen muss, wenn die Box draußen Regen, Dreck oder eben leider schon mal ein Getränk abbekommt. Drei Kilogramm ist schon etwas schwerer für eine mobile Box und man merkt sofort, dass wir hier in einer anderen Gewichtsklasse als billige Mini-Bluetooth-Speaker sind, die jeder hat. Andererseits ist der Haltegriff ziemlich smart etabliert worden, sodass man ohne Probleme damit durch die Gegend laufen kann. Darüber hinaus passt sie auch in jeden Rucksack.

Die Anordnung der Oberfläche ist wie gewohnt gestaltet: An den beiden Seiten sind die Membranen für die Bassfrequenzen. Unten verleihen zwei Fußleisten der Sony Standfestigkeit. Und vorne finden sich alle Bedienelemente: Power, Bluetooth, Lautstärke, Wiedergabe und ein Knopf mit dem vielversprechenden Namen „Mega Bass“. Mehr dazu später. Auf der anderen Seite sind alle Anschlüsse kompakt unter einer verschließbaren Klappe zusammengefasst: USB-C-Ladebuchse, Aux-In und etwas eher Ungewöhnlicheres für einen Bluetooth-Lautsprecher: ein USB-Anschluss, um das eigene Handy aufzuladen. Damit fungiert die XG300 im Zweifelsfall auch als Powerbank, sodass man draußen auf zusätzliche Geräte verzichten kann.

Wenn wir schon bei der Oberfläche sind, darf man auf keinen Fall die Lichter hinter den Bassmembranen unerwähnt lassen. Denn die Sony-Box sorgt dafür, dass die Musik auch ein adäquates Lichtdesign verliehen bekommt. Wenn man möchte, reagieren die LEDs direkt auf den Takt der Musik. Wenn man nicht möchte, glimmt die Box auch einfach sehr organisch und entspannt als Backlight. Tiefer in die Farbeneinstellungen kann man dann über Sonys kompatible Fiestable-App.

Die Fiestable-App ist sozusagen das I-Tüpfelchen der Sony-Boxen. In Verbindung mit der Sony Music Center App kann man hier erstens allerhand Sound-Einstellungen vornehmen. Und manche davon sind wirklich „kriegsentscheidend“: So kann man mit dem 14-Band-Equalizer den Sound der Box stark beeinflussen und an verschiedene Genres oder Räume anpassen. Andere Funktionen wie Karaoke oder DJ-Effekte sind verspielte Gags, die auf Partys ihre Aufmerksamkeit bekommen werden.

Und zweitens kann man in der App das Licht genauer anpassen, zum Beispiel indem man eigene Shows programmiert. Da sollten wir uns nichts vormachen: In einer hellen Umgebung ist eine Bluetooth-Box natürlich nicht verantwortlich für die Beleuchtung. Ist der Raum aber eher etwas darker, kann die XG300 einen gewissen Vibe ausstrahlen, was mir gut gefällt. Parallel dazu könnt ihr natürlich die Lichter auch einfach ausschalten, was die ohnehin erstaunliche Akkulaufzeit von 25 Stunden nochmal verlängert.

Die 25 Stunden klappen natürlich nicht unter voller Lautstärke, wo wir eher bei 17 Stunden sind. Doch einmal während des Tests vergaß ich eines Abends nach einer Listening-Session, die Box wieder auszuschalten. Als ich am nächsten Abend wieder nach Hause kam, war sie immer noch an, was für mich ein großer Pluspunkt ist. Wollt ihr einen komplett leeren Akku wieder auf 100 Prozent bringen, beträgt die Ladezeit immer drei Stunden. Wer aber noch zwei Stunden weiter feiern möchte, der muss einfach 20 Minuten an der Steckdose warten und schon geht es munter weiter. Apropos Party: Für diesen Zweck ist die XG300 ja schließlich konzipiert worden.

Und das kommt auch hin vom Sound: Bassbetont, drückend und fett. Und das wird natürlich nicht schlechter, wenn man den „Mega Bass“-Knopf gedrückt hat. Meine Testbedingungen mit Partyfokus konzentrierten sich vor allem auf zwei Anlässe: Beim ersten ging es darum, 40 Leute indoor zum Tanzen zu bringen. Doch kann eine kleine Box wirklich 40 laute Personen übertönen? Kann sie. Es war ein voller Erfolg, und wir erreichten nicht einmal den maximalen Schalldruckpegel der Speaker. Für Events in der Größenordnung von WG-Partys passt die Sony-Box also perfekt. Der nächste Anlass war etwas größer skaliert: Ein Outdoor-Rave mit etwa 100 Gästen. Und das war definitiv leider eine Nummer zu groß, was aber auch im Rahmen meiner Erwartungen war.

Wer aber dennoch eine Rave-Beschallung mit der XG300 durchziehen möchte, packt sich am besten mehrere davon ein. Größer wird es, wenn man zwei, vier oder acht Boxen koppelt und so die Range der Einsatzmöglichkeiten als auch das Stereoerlebnis deutlich vergrößert. Mit mehreren Instanzen der Box kann ich mir definitiv ein Event mit 100 oder mehr Besucher*innen vorstellen, wenn es um den Schalldruckpegel geht. Das Koppeln ist sehr intuitiv mit der Sony Music App machbar: Entweder alle zusätzlichen Boxen geben das gleiche Signal wieder oder die Lautsprecher verteilen sich im Stereofeld.

Der Unterschied von guten und schlechten Lautsprechern liegt meistens bei den hohen Lautstärken, denke ich mir während des Testens und drehe die Box so laut, wie es geht. Aber da kommt keine Distortion. Stattdessen ist es einfach laut und klar. Laut Sony liegt das an den neuen Lautsprecher-Membranen, die größer und asymmetrischer geworden sind. So schwingt die Membran bei hohem Schalldruck nicht mehr so stark aus und erzeugt weniger Verzerrung. Soweit die Theorie, klappt aber auch. Der Grundsound der Box ist definitiv bassbetont, jeder Track klingt etwas dicker, als er wirklich ist. Passt genau für Sonys Zielgruppe, lässt sich aber auch fix in der oben erwähnten Fiestable-App begradigen.

Pragmatisch gesehen kann die XG300 auch einiges: So kann man dank Bluetooth 5.2 bei einer Party im Freien dann bis zu 30 Metern von der Box entfernt sein. Der Bluetooth-Codec AAC hat bei iOS-Geräten eine so geringe Latenz, dass man locker auflegen oder Live-Instrumente dazunehmen kann. Irgendwie funktioniert die Bluetooth-Connection seltsam flüssig und unkompliziert: Auch als einmal fünf Personen mit der Box verbunden waren, gab es keine Probleme, sondern die Box hat uns immer einen flüssigen Wechsel der Wiedergabe ermöglicht.

Telefonieren ist kein Thema hier, da Sony automatisch nervige Echos aus dem Lautsprecher cancelt. Endlich muss man sich nicht jedes Mal aus dem Lautsprecher ausklinken, um jemanden am Telefon zu verstehen. Nachdem ich die Sony XG300 nun einige Zeit in meiner Nähe hatte, habe ich das Gefühl, dass man hier ein mobiles Soundsystem entwickelt hat, das lange funktionieren wird und lange Spaß macht.

 

Aus dem FAZEmag 130/12.2022
Text: Bastian Gies
Fotos: Sony
www.sony.de