Fortsetzungen, Sucht und Rache drei große Wörter. Und in Anbetracht der nächsten Mondphase sowie der hier nun folgenden Zeilen auch drei essentielle Wörter. Denn die Crème de la Crème der nächsten Wochen setzt zum einen auf Vergeltung verübt mittels Schwert, Superpower-Virus oder Glatze. Oder sie macht süchtig dank jeder Menge Sammel-Items, beziehungsweise Aufgaben, die man like a Boss bezwingen will. Was alle Titel eint: Sie setzen fort, was bereits schon einmal erfolgreich war.


So wie THQs Ninja Gaiden 3. Ein Titel, in den man sich richtig verbeißen kann. Denn der dritte Kampf des Ryu Hayabusa, der sich diesmal einem mysteriösen Maskenmann und dessen Weltvernichtungsplan stellen muss, ist wieder mal eins: sackschwer. Vorausgesetzt man spielt ab Schwierigkeitsstufe „normal“ und aufwärts, was vor allem den Veteranen der Serie gefallen wird. Es ist allerdings auch keine Schande in den „Hero“-Modus zu wechseln, der selbst die zum Super-Ninja werden lässt, denen die Skills oder das nötige Nervenkostüm für die alles entscheidende Schlacht fehlen. Was alle Lager erfreuen sollte, ist die Vertiefung von Ryus Charakter, dessen Morde unter anderem damit reflektiert werden, dass sie in Form von dämonisch roten Adern über seinen Arm strahlen. Der Rest ist Geschnitzel auf technisch hohem Niveau. Man darf taktisch verstümmeln, noch mehr blocken und kontern, ein paar Tasten zu richtigen Zeit drücken und mit einem dynamisch-druckvollen Kampfsystem jede Menge Over-the-Top-Action im Japano-Style erleben. Man muss sich halt nur an die etwas wilde Kamera gewöhnen. Als Bonus stehen auf Xbox 360 und PS3 noch zwei Mehrspieler-Modi zur Verfügung. Bei „Koop“ überwindet man zu zweit immer wieder Gegnerwellen, während sich im Versus-Feature zwei Teams mit bis zu vier Spielern gegenseitig zerschnippeln dürfen.

Wer nicht nur schlachten, sondern auch bis zum Erbrechen sammeln will, wird in diesen Tagen nicht an Diablo III von Blizzard/Activision vorbeikommen. Der lang ersehnte Nachfolger des Actionrollenspiels greift die Geschichte 20 Jahre nach „Diablo II“ auf. Die drei Oberschurken Mephisto, Diablo und Baal sind besiegt, doch der Weltstein, der Sanktuarios Einwohner einst vor dem Bösen beschützte, wurde ebenfalls vernichtet. Nun sind die Monster, Zombies oder sonstigen Ekelkreaturen der Brennenden Hölle zurückgekehrt, weshalb man sich als Spieler aus fünf Klassen einen Kämpfer wählen, das Land durchstreifen und wieder allerlei Fähigkeiten, Zaubersprüche oder magische Gegenstände sammeln muss, um die Brut dorthin zu schicken, wo keine Sonne scheint. Die Krieger erinnern dabei oft an die Figuren aus dem zweiten Teil und werden mitunter von KI-Charakteren unterstützt. Darüber hinaus gibt es neue Gebiete und ein frisches, flexibles Skill-System, bei dem Kräfte automatisch frei geschaltet werden, sobald man höhere Level erreicht. Außerdem ist es möglich, sechs aktive und drei passive Fähigkeiten parallel zu aktivieren und in einem Auktionshaus seine schwer verdienten Schätze mit anderen Helden zu tauschen. Dies führt uns zu den Macken des Nachfolgers: Um zu spielen, muss man permanent im eigenen Battle.net online sein. Das ist genauso unschön wie die nicht immer gut skalierende oder immer mal wieder an „World of Warcraft“ erinnernde Grafik. Das mag die alten Fans ärgern, wird sie aber genauso wenig wie die neuen davon abhalten, ihre Hände auf Xbox 360, PS3 und PC bis an die Gichtgrenze zu klicken.

Etwas älter, aber fast noch etwas suchterregender ist Trails Evolution von RedLynx/Ubisoft und Microsoft. Denn der Nachfolger des erfolgreichsten Xbox-Live-Arcade-Spiels Trials HD ist dieses „Nur noch eine Runde“-Gefühl in Vollendung – und natürlich mit jeder Menge Motorcrossmaschinen-Action. Nach wie vor geht es darum mit seinem Gelände-Zweirad von A nach B zu gelangen. Möglichst schnell und möglichst ohne Genickbruch. Aber diesmal findet der knatternde Balanceakt, bei dem alles vom Spiel mit Gas, Bremse und Gewicht abhängt, auch draußen statt. Insgesamt 60 Solostrecken gilt es zu bewältigen, die an Kriegsgebiete, Baustellen oder Christopher Nolans „Inception“ erinnern und neben Wasser- und Wetter-Elementen auch erstmals Kurven beinhalten, die für Tiefe und Dynamik in der Bike-Akrobatik sorgen. All das muss man sich verdienen. Je besser die Platzierung, umso mehr Münzen und In-Game-Geld gibt es, um sich Strecken zu kaufen oder seinen Fahrer zu pimpen. Dadurch lernt man die Mechanik des Spiels besser kennen. Man wird dennoch fluchen. Und schwitzen, implodieren oder das Pad in die Ecke feuern. Man wird aber trotzdem immer noch eine Runde spielen wollen. Erst recht, da es jetzt auch einen Multiplayer oder einen neuen Mega-Level-Editor gibt, mit dem man vom Billo-Parcour bis hin zum eigenen Ego-Shooter, Flugsimulator oder „Angry Birds“-Remake alles bauen kann, was das Herz begehrt. Trials Evolution lädt man sich für 1.200 Microsoft-Punkte (etwa 15 EUR) auf Xbox Live herunter.

Die nächste Fortsetzung steht mit Activisons Prototype 2 ins Haus. Darin wird der Spieß umgedreht und der Held aus Teil 1, Alex Mercer, zur Nummer 1 auf der Abschussliste erklärt. Sein Jäger: Irak-Veteran James Heller, denn der hat nicht nur Frau und Kind durch den von Mercer freigesetzten Blacklight-Virus verloren, er selbst wurde auch durch das Zeug in einen Ein-Mann-Armee-Mutanten verwandelt. Was folgt, ist hemmungsloser Open-World-Krawall, bei dem man sechs Fähigkeiten und 33 Mutationen ganz nach Belieben verteilen und einsetzen kann, um ein wunderschönes New York mitsamt zahlreicher Gegner dem Erdboden gleichzumachen. Die Story mag dünn sein, die Präsentation ist dafür umso fetter. So schmiert die Grafik niemals ab und bespaßt den Spieler selbst während den wuseligsten Massenschlachten noch mit allerlei Augenzucker-Effekten oder Panorama-Shots, die im Chaos aus gigantischen Bossgegnern, Soldaten oder Zombie-Mutanten-Monster-Dingern kein Detail entgehen lassen. Weil man dabei auch noch frei wählen kann, ob man seine Gegner per Hubschrauber, Panzer, abgerissenen Geschützen, Faust-Orgie oder geschleuderten Mülltonnen kalt macht, wirkt der 2. Teil nicht nur besser als sein Vorgänger, sondern erinnert auch an vergleichbar tolle Spiele wie „inFamous 2“. Mutiert wird auf Xbox 360 und PS3. Allerdings mit ein paar Schnitten.

Zu guter Letzt heißt es dann endlich: The Payne is back. Mit Max Payne 3 kehrt der Ex-Cop fast acht Jahre nach seinem letzten Leidensweg zurück, bekommt es in São Paulo mit einer Entführung und ballergeilen Söldnern zu tun und tritt den Beweis an, dass ein Mensch auch dann noch leiden kann, wenn man ihm schon Frau, Kind und Geliebte genommen hat. Dabei hat Neu-Entwickler Rockstar Games die Stärken der Vorgänger aufgebohrt und angepasst, so dass sich das Ergebnis als wirklich gelungener, zeitgemäßer und intensiver 3rd-Person-Shooter für Xbox, PS3 und PC präsentiert. Natürlich kann man nach wie vor seinen eigenen John Woo-Film drehen, indem man die Gegner mit der legendären „Bullet-Time“ verlangsamt und ihren Kugeln akrobatisch ausweicht. Doch man muss diesmal auch Deckungen nutzen und seine Feinde lediglich mit zwei Waffentypen am Mann zur Strecke bringen. Dank der Hauptfigur, die mit mehr Masse, Glatze und Rippshirt ein bisschen wie Bruce Willis mit Vollbart wirkt, immer mal wieder Schmerzpillen zur Regenation schluckt und mittels der grandiosen Euphoria-Engine durch eine physikalisch spürbare Hölle geschickt wird, fühlt sich das Ganze aber dennoch wie das alte Max Payne-Actionfest an. Die Comic-Sequenzen mussten leider weichen, dafür atmen animierte Szenen ihren Geist. Und obendrauf gibt es einen Multiplayer, der die Bullet-Time auch in die Online-Gefechte überträgt, aber deswegen auch etwas gewöhnungsbedürftig ist.

In diesem Sinne: Süchtig werden …

Text: Daniel Schröckert