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Stefanik & Kaden – Zwei wie Pech und Schwefel


Vor zehn Jahren kreuzten sich die Wege von Mathias Kaden und Daniel Stefanik im Leipziger Club Distillery. Ein Treffen mit Folgen. Schon an diesem Abend kreuzten sie ihre Platten und spielten nach ihren Solo-Sets back2back. Es dauerte aber noch eine Weile, bis beide erkannten, dass diese Kombination eine Zukunft hat und das Potenzial, sich zu einem sehr beliebten und erfolgreichen DJ-Duo zu entwickeln. Was sich zuerst vor allem regional in ihrer Heimat zwischen Thüringen und Sachsen abspielte, hat inzwischen die ganze Republik ergriffen und feiert nun seinen zehnten Geburtstag. In einem sehr vergnüglichen Gespräch haben uns die beiden Auskunft über das gemeinsame Projekt gegeben und dazu noch ein paar sehr heitere Anekdoten ausgepackt.

Wie lief damals eure erste Begegnung in der Distillery ab, was passierte da?

Daniel: Das war schon sehr besonders. Mathias spielte eigentlich ganz andere Sachen als ich, aber wir merkten, dass wir dennoch auf der gleichen Wellenlänge sind. Wir haben auch noch zusammen gefrühstückt und da habe ich Mathias gesagt, dass ich ihm die komplette Plattenkiste abkaufen würde. Er spielte viele deutsche Labels, so einen Klicker-Klacker-Sound mit viel Percussions, sehr housy, das fand ich ziemlich fett.

Mathias: Daniel hat zuerst gespielt, dann kam ich und schließlich haben wir noch zusammen gespielt. Das war dann auch das erste und letzte Mal, dass wir in diesem Laden getrennt gespielt haben, wenn wir beide da waren.

Also war euch schon sehr früh klar, dass das eine besondere Verbindung ist?

Daniel: Das war uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht so bewusst. Es hat einfach sehr viel Spaß gemacht. Gut ein halbes Jahr später auf dem Nachtdigital, da wurde uns das bewusst, das war der zweite gemeinsame Gig. Ein DJ hatte sehr kurzfristig abgesagt und dann wurden wir gefragt, ob wir uns vorstellen könnten, back2back für ihn einzuspringen. Und dieses Set war unfassbar gut, das waren sieben magische Stunden.

War es denn schwierig, eure Sounds unter einen Hut zu bringen? Was hast du denn zu diesem Zeitpunkt gespielt, Daniel?

Daniel: Eher technoorientiert. Man kann unsere Unterschiede auch an unseren verschiedenen Wurzeln ablesen.

Mathias: Bei mir ist das die ganze Chicago-Geschichte, aber auch New York. Beispielsweise DJ Sneak, Ron Trent und auch viel mit Gesang.

Daniel: Und ich bin eher mit Jeff Mills, Claude Young und Kevin Saunderson groß geworden, also mit dem klassischen Detroit-Sound. Aber wir hatten eben auch einige Schnittpunkte wie Ron Trent, Matthew Dear oder Minus Records.

Mathias: Unser Set lebt davon, diese verschiedenen Vorlieben zu kombinieren, da ergänzen wir uns. Auch wenn es sich natürlich hin und wieder vermischt, aber ich übernehme eher den housigeren, groovigeren Part und Daniel ist etwas technoider.

Wie läuft dann so ein Abend ab?

Mathias: Eigentlich immer ganz klassisch, jeder ein Stück – das finde ich auch ganz wichtig. Man kann mal ein Vocal oder eine Effektsequenz reinmischen, aber ansonsten eben immer im Wechsel.
Daniel: Das ist das Schöne an der Sache, dass man sich so die Bälle zuspielen kann, das ist sehr spannend. Es ist auch eine ganze Menge Spaß dabei, wenn man dann z. B. denkt „Alter, was soll denn jetzt der Track hier“ und dann hält und schießt man dagegen, schaukelt sich hoch – aber komplett im positiven Sinn. Das ist dann pure Glückseligkeit – das spüren die Leute und nehmen es auch mit.

Mathias: Das ist auch immer spannend. Ich kenne Daniel und seinen Stil ja jetzt schon eine Weile, aber weiß trotzdem vorher nicht immer, wohin es ihn trägt und was für eine Überraschung mich erwartet. Manchmal ist die Überraschung auch sehr groß (Daniel lacht laut los). Da gibt es zwei Stücke: „Show Me Love“ von Robin S. und ein Bootleg von Run DMC. Aber die Leute rasten aus und ich kann’s nicht fassen – natürlich mit einem großen Schmunzeln!

Und welche Tracks packt Mathias aus, um Daniel aus dem Konzept zu bringen?

Daniel: Da gibt es eigentlich keinen. Eher die Art, wie er seine Tracks reinbringt. Da sind wir auch verschieden. Ich mische gerne lange rein, sodass es schön ineinanderfließt, das könnte von mir aus auch eine halbe, dreiviertel Stunde so laufen, wenn es denn gut passt. Dann schaut mich Mathias oft schon an fragt, ob ich denn nicht langsam mal aussteigen möchte. Er macht das anders und kann auch schon mal hart cutten – was in dem Moment auch passt und funktioniert, aber ich würde das eben anders machen.

Mathias: Dazu muss ich aber auch anmerken, dass Daniel seine Übergänge über Minuten hinzieht, sodass mir dann auch nur noch eine Minute bleibt. Du kannst ja bei deinen Sets die Übergange so lang machen, wie du willst, aber bei back2back reicht es dann auch irgendwann. (großes Gelächter)

Wie kam die ganze Sache nach dem besagten Nachtdigital ins Rollen?

Daniel: Eigentlich haben wir das dann immer noch etwas stiefmütterlich behandelt. Die Idee, das Ganze zu intensivieren und uns mehr dahinterzuklemmen, kam erst vor zwei Jahren. Da haben wir uns gesagt, dass wir auch dafür eine eigene Booking-Agentur brauchen, weil das vorher immer schwierig war mit der Koordination zwischen unseren Agenturen, auch für die Veranstalter. Von daher lief das vorher eigentlich nur im weiteren Umkreis unserer Heimatstädte Leipzig und Jena.

Bereitet ihr euch zusammen auf die Gigs vor?

Daniel: Nein, das machen wir nicht. Wenn’s gut kommt, treffen wir uns am Flughafen, ansonsten treffen wir uns erst vor Ort. Wenn wir loslegen, gibt es eine Findungsphase und dann sieht man, wohin die Reise geht und wohin es uns treiben wird. Dann merkt man nach und nach, was greift, was cool ist und Spaß macht. Das wird dann auch das ganze Set durch von uns gelebt. Am Ende werden wir auch noch ein bisschen mutiger und das sind dann oft die schönsten Momente. Da entsteht ein wahrer Freudentaumel und das habe ich auch nur mit Mathias in dieser Art, das ist sehr persönlich. Mit allen Höhen und Tiefen.

Mathias: Das unterschreibe ich so! Das ganze Projekt lebt davon, dass wir uns nicht vorbereiten, sonst würde es irgendwann nur noch wie ein Job rüberkommen, als würden wir das einfach runterspielen – und das darf nicht sein. Ich suche mir keine Tracks vorher raus, es wird in dem Moment entschieden, wohin es geht.

Daniel: Ah, da fällt mir eine Geschichte ein. Da waren wir mit unseren Familien zusammen im Urlaub und haben an einem Abend unsere Sachen gemeinsam gepackt für einen Gig. Dabei haben wir uns auch ein paar Sachen vorgespielt. Mathias (er schlägt die Hände über den Kopf zusammen) hat mir einen alten Klassiker von Strictly Rhythm vorgespielt und war sehr froh, den entdeckt zu haben. Ich habe nicht begriffen, dass er den spielen wollte, und hatte auch einen Edit davon …
Mathias: Na ja, wir hatten uns halt Tracks vorgespielt, die wir spielen wollten …

Daniel: … ich packe dann beim Set die Nummer aus …
Mathias: … in der ersten halben Stunde!

Daniel: … und dachte, dass ich ihm eine Freude bereite, und habe in diesem Moment auch nicht verstanden, warum er so sauer war. (lacht)

Mathias: Ich war in diesem Moment echt sauer. Ich zeige die ihm vorher und er spielt sie. Und dann sagt er noch zu mir: „Warum schaust du so komisch? Schau doch mal, wie die Leute abgehen.“ Das ist aber nur einmal vorgekommen, ich zeige ihm seitdem natürlich nicht mehr, welche Nummer ich vorhabe, zu spielen. (grinst)

Der FAZE-Mix ist der erste Mix, den ihr gemeinsam macht?

Mathias: Ja, in der Tat. Jeder hat seine Favoriten gesammelt und wir haben die dann immer abwechselnd in den Mix gepackt. Und es gibt den ersten gemeinsamen Track im Mix.

Können wir denn in Zukunft mit weiteren gemeinsamen Tracks rechnen?

Mathias: Da wird in Zukunft definitiv noch mehr passieren. Wir haben das bisher noch etwas zurückgehalten, weil wir beide noch mit anderen Projekten beschäftigt waren. Aber als wir den Beschluss mit der Booking-Agentur gefasst haben, da haben wir uns auch überlegt, gemeinsam ins Studio zu gehen.

Dass ihr einander ergänzt und unterschiedlich auflegt, zeigt sich das dann auch in ähnlicher Form im Studio?

Daniel: Wir haben tatsächlich andere Ansätze beim Musikmachen. Aber das ist natürlich auch das Spannende an der Sache. Während ich mit Instrumenten produziere, benutzt Mathias aber auch Samples. Und wie beim Auflegen profitiert man davon, lässt sich inspirieren und nimmt das mit nach Hause.

Wie sieht denn jetzt der weitere Fahrplan für Stefanik & Kaden aus?

Mathias: Nächstes Jahr kommt die EP, da sind wir noch auf Labelsuche. Wir haben da gewisse Vorstellungen und wenn es dann mit den ein, zwei Labels nicht klappt, die wir uns vorstellen, weil die schon ihre Releases durchgeplant haben, dann überlegen wir, mit einem eigenen Label an den Start zu gehen, bevor wir es irgendwo veröffentlichen. Außerdem stehen jetzt zum Jubiläum viele gemeinsame Gigs in den kommenden Monaten an, demnächst u. a. im Hive Club in Zürich und bei Awakenings in Rotterdam.

Daniel: Und wir arbeiten noch an dem Filmprojekt „Trieb“ des Schauspielers Eric Stehfest, für das wir Soundtrack, Effekte und Atmo machen. Es geht dabei um seine Drogenvergangenheit und, daraus resultierend, um präventive Arbeit bezüglich Drogen.

 

Kurz & Knapp

Mathias Kaden
Meine erste Maxisingle … „Out Of Space“ von The Prodigy
Mein erster Gig … 1995
Meine erste Gage … zwei Helle und ein Korn
Mein ältester Track im Set … „Alright Alright“ von Masters at Work (Todd Terry)
Meine Geheimwaffe … Bass rein, Bass raus
Mein Lieblingsrausschmeißer … „Ohh. K!“ von Mathy K & The Funky Punch
Das habe ich auf meinen Touren immer dabei … Lieblingsrausschmeißer & Geheimwaffen
Das Album höre ich gerade am liebsten … das neue Album von Soul Clap
Daniels schlimmste Angewohnheit … immer alles zu vergessen!

Daniel Stefanik:
Meine erste Maxisingle … „Harlequine – The Beauty And The Beast“ (Eye Q) von Sven Väth
Mein erster Gig … hat 27 Minuten gedauert und ich habe dabei 63 Platten verbraten. Like a Wizard!
Meine erste Gage … nicht der Rede wert!
Mein ältester Track im Set … „The Bells“ (1994) von Jeff Mills
Meine Geheimwaffe … irgendeine Nummer von wAFF funktioniert immer!
Mein Lieblingsrausschmeißer … Trilok Gurtu, unfassbar gute Jazzmusik
Das habe ich auf meinen Touren immer dabei … mindestens ein Buch, eher zwei
Das Album höre ich gerade am liebsten … „Woman In The Moon“ von Jeff Mills
Mathias’ schlimmste Angewohnheit … die Ungeduld

 

Text: Tassilo Dicke
Fotos: Johannes Amm
www.facebook.com/stefanikaden

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