
Eine neue Studie zeigt, dass Frankfurts Nachtleben weit mehr als Unterhaltung ist: Clubs, Bars und Eventstätten wurden im vergangenen Jahr rund 6,2 Millionen Mal besucht und erzielten einen Bruttoumsatz von 432 Millionen Euro, von denen etwa 212 Millionen Euro in der Stadt verblieben.
Befragt wurden dafür 200 Touristen, Bewohner und 129 Betriebe im Juni und Juli 2025. Für Bastian Bernhagen, Mitgründer des Gibson Clubs, widerlegt das Ergebnis gängige Vorurteile. „Die Clubszene ist viel mehr als einfach nur Feiern und Spaß haben“, erklärt er gegenüber Frankfurter Allgemeine und betont die Bedeutung für kulturelle Vielfalt und Image.
Auch Frankfurts Wirtschaftsdezernentin Stephanie Wüst sieht die Relevanz deutlich: „Frankfurt investiert in Lebensqualität, auch nach 22 Uhr.“ Laut Studie betrachten 85 Prozent das Nachtleben als wichtigen Imagefaktor.
69 Prozent der Befragten finden, dass die nächtlichen Angebote zur Lebensqualität beitragen. Deshalb wurde 2024 ein Nachtrat gegründet – ein Gremium mit 13 Vertretern der Szene, das Interessen vertreten und das Nachtleben stärken soll.
Doch Betreiber kämpfen mit steigenden Kosten, aufwendigen Genehmigungen und Sicherheitsfragen. Gastronom James Ardinast sagt: „Es ist wichtig, dass wir hier gemeinsam mit der Stadt Lösungen erarbeiten.“
Ein Beispiel für Kostensteigerungen liefert Bernhagen mit den Gema-Gebühren, die seit 2012 von 20.000 auf 86.000 Euro gestiegen sind. Ardinast erklärte, dass sich Rahmenbedingungen verändern und Gäste oft erst spät in die Stadt kommen. „Doch wenn sich ein Anwohner beklagt, müssen wir die Außenbereiche um 22 Uhr schließen.“
Mehr Menschen nach 22 Uhr würden laut ihm auch das Sicherheitsgefühl erhöhen. Bernhagen verweist auf ein Berliner Modell mit einem städtischen Schallschutzfonds. Auch Matthias Morgenstern vom Verein Clubs am Main fordert Unterstützung:
„Wenn die Stadt es ernst damit meint, dass das Nachtleben wichtig für die Lebensqualität und die Wirtschaft der Stadt ist, dann muss sie es künftig fördern.“ Ohne Hilfe könnten Clubs möglicherweise nicht überleben.
Die Studie nennt Vorschläge wie einen jährlichen Nachtbericht, ein Qualitätssiegel für Clubs, Förderungen neuer Formate und Netzwerke zur Konfliktprävention. Gleichzeitig zeigen die Umfragen Kritik an hohen Lebenshaltungskosten, Lärmbelästigungen und Unsicherheitsgefühlen in Vierteln wie dem Bahnhofsviertel oder Sachsenhausen.
Dennoch prägt ein lebendiges Nachtleben laut Studie Frankfurts Image weit über das eines Finanzzentrums hinaus. Eduard Singer vom Stadtmarketing erklärt, Frankfurt müsse als „24-Stunden-Stadt“ verstanden werden.
Wüst sieht das Nachtleben als Zukunftsthema, das unabhängig von der Kommunalwahl weiterentwickelt werden soll – mit dem Ziel, sein Potenzial für Kultur und Wirtschaft vollständig zu nutzen.
Quelle: Frankfurter Allgemeine
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