(Foto: Stefania Rosini)

Um regelmäßig oder überhaupt mal auf Ibiza aufzulegen, bedarf es neben eines bekannten Namen und der vorzeigbaren Vita auch noch etwas Glück.So der normale Weg. Im Falle von Alex und Bingo aka System Of Survival lief es jedoch anders.

Das Duo lernte sich in der Heimat, dem italienischen Palermo, kennen. 1999 öffnete das DC10 auf Ibiza. Der Betreiber – ebenfalls Italiener – machte das Gespann zu Residents.
13 Jahre später haben die beiden auf der Insel Kultstatus und können auf erfolgreiche Releases und Remixe zurückblicken. 2009 begannen sie, in Rimini an ihrem Debütalbum zu arbeiten, das bereits im vergangenen Jahr auf ihrem Label IANUS71 erscheinen sollte. „Bis Ellen Allien kam“, erzählt Bingo beim Interview in ihrer Finca auf der Insel. „Sie hat gegen Ende der Saison im DC10 gespielt. Hugo, der Fahrer, hatte auf dem Weg zum Flughafen eine Pre-Version unseres Albums laufen, von der sie begeistert war. Daraufhin ging alles ziemlich schnell …“

So erschien „Needles and Thread“ Ende Juli also auf BPitch Control. Das Album selbst klingt wie eine perfekte Symbiose aus aktuellen Sounds und Musik der frühen 90er. Funkig, soulig, zum Teil sogar kitschig, aber stets treibend und housy. Eben wie ihre Sets, die sie regelmäßig in einem der wohl legendärsten Club Ibizas präsentieren. „Unser musikalischer Horizont ist sehr weit – von Mozart bis zu Derrick May. Die Montagabende im DC10 sind schwer in Worte zu fassen. So etwas Verrücktes und Einmaliges haben wir noch in keinem anderen Club dieser Welt erlebt. Meist stehen wir sprachlos am Mixer und genießen die Reise, die wir mit dem Publikum machen. Es fällt uns schwer, bestimmte außergewöhnliche
Situationen genau zu benennen, da ständig etwas vollkommen Abgedrehtes oder Kurioses passiert. Wer schon mal im DC10 war, weiß, warum so ein kleiner Laden so bekannt geworden ist“, berichtet Alex, und: „Ein Hotspot für die elektronische Szene ist ganz Ibiza im Sommer nach wie vor in jedem Fall. Jedoch sind hier die erfolgreichsten Künstler vertreten und nicht unbedingt die besten. Alles ist hier in den letzten Jahren sehr kommerziell geworden. Viele Künstler, die bis vor kurzem die Underground-Fahne schwenkten, gehen mittlerweile einen anderen Weg. Deshalb gehen wir in unserer Freizeit nur noch selten aus.“

Besagte Freizeit wird in den kommenden Wochen sowieso seltener. Nach der Saison werden System Of Survival die Insel verlassen. „Im Winter hat auf Ibiza kein Club auf. Zudem wurden alle direkten Verbindungen nach UK gecancelt. Ende Oktober geht es nach Rimini, im Januar nach Südamerika. Dort spielen wir u.a. das BPM-Festival. Anschließend geht es nach Berlin, von dort aus nach Detroit und Chicago, ehe die nächste Saison auf Ibiza startet.“ Bis dahin genießen die zwei ihre freie Zeit auf dem Baleareneiland und geben nebenbei noch kulinarische Insider-Tipps: „Das Shardana in Playa d’en Bossa ist großartig. Genauso wie das Balafia in San Carlos. Das ist ein Fleischrestaurant, in das ich selbst als Vegetarier gern gehe. Dort gibt es super Salate.“

Von Ibiza in die weite Welt hinaus. Geschichten, die wohl nur diese Insel erzählt. / Rafael Da Cruz

www.systemofsurvival.com