
Steigende Spritpreise sorgen derzeit für spürbaren Unmut bei Autofahrern – besonders rund um die Mittagszeit. Eine Tankstelle in Ebingen reagiert darauf mit einem ungewöhnlichen Ansatz und setzt gezielt auf elektronische Musik, um die Stimmung vor Ort zu verändern.
Seit dem 1. April gilt das Kraftstoffmaßnahmenpaket: Tankstellen dürfen ihre Preise nur noch einmal täglich erhöhen – exakt um 12 Uhr. Für viele Kunden wird der Vormittag damit zur entscheidenden Phase, bevor die Preise spürbar anziehen.
Kurz vor Mittag entsteht entsprechend Hochbetrieb. Fahrzeuge reihen sich dicht an dicht an den Zapfsäulen. „Bis fünf vor zwölf herrschte hier Ausnahmezustand“, heißt es aus dem Betrieb in einem Gespräch mit Schwäbische. Mit dem Umschlag auf 12 Uhr kippe die Situation abrupt.
Die Preisentwicklung fällt dann deutlich aus. Diesel steigt innerhalb weniger Minuten von 2,36 Euro auf 2,49 Euro. Danach nimmt die Frequenz stark ab. „Nach 12 tankt nur noch der, der muss“, lautet die Beobachtung vor Ort.
Um dadurch drohender angespannter Stimmung vorzubeugen setzt die eine Tankstelle von Rominger & Blaier mit einer musikalischen Idee an. Unter dem Titel „SOUND – TANKEN“ gibt’s Musik auf die Ohren.
In einer Ankündigung heißt es: „Du kennst das: Hektik im Verkehr, der Blick auf die Uhr, die To-do-Liste im Kopf.“ Dem setzt das Konzept eine bewusst entschleunigte Atmosphäre entgegen: „Wir finden: Dein Morgen hat einen entspannteren Start verdient.“
Kern des Formats sind DJ-Sets direkt an der Tankstelle. „Unsere DJs begleiten deinen Morgen mit einem Mix aus Ibiza & Latin House, Melodic House & Techno sowie Tech House.“ Die Musik soll den funktionalen Ort kurzfristig in eine andere Umgebung überführen.
Flankiert wird das Ganze durch ein erweitertes Angebot vor Ort. „Schnapp dir ein kleines Frühstück und genieße die Atmosphäre“, heißt es weiter. Ergänzt wird das Konzept durch alkoholfreie „Energie-Shots“ sowie die Einladung, sich bewusst eine Pause zu nehmen.
Parallel bleibt die wirtschaftliche Lage angespannt. Eine spürbare Entlastung durch die neue Regelung ist bislang nicht erkennbar. Durch schwankende Rohölpreise kalkulieren viele Anbieter mit Puffern, was die Preise zusätzlich beeinflussen kann.
Hinzu kommt der hohe Steueranteil am Kraftstoffpreis. Mehr als die Hälfte entfällt auf Energiesteuer, CO₂-Abgabe und Mehrwertsteuer. „Da der Anteil für den Staat teilweise prozentual ist, verdient dieser dank der höheren Spritpreise natürlich auch mehr.“
Auch globale Einflüsse spielen hinein. Der Rohölpreis unterliegt starken Schwankungen, unter anderem durch Entwicklungen an internationalen Börsen. „Die gesamte Wertschöpfungskette ist sehr lang“, wird erklärt.
Politische Regulierung, strauchelnde Märkte und steigende Kosten – da wirken DJs wie ein ungewöhnlicher Gegenpol, ein ein Versuch, zwischen Preisdruck und Alltagsstress zumindest kurzzeitig für einen anderen Takt zu sorgen.
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Quelle: Schwäbische
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