Das Tech Open Air – kurz TOA – Europas größtes interdisziplinäres Technologie-Festival, startete vergangene Woche in Berlin in seine achte Edition. Das einzigartige Festival-Meets-Konferenz Format fand vom 2.-5. Juli 2019 in zahlreichen Räumlichkeiten des Funkhauses statt und brachte die führenden Denker*innen aus den Bereichen Technologie, Musik, Kunst und Wissenschaft zusammen.

Unter dem Motto “we make you future-proof” wurden Aussteller*innen und über 150 Speaker*innen zukunftsweisende Themen und Trends vorgestellt. Zusätzlich zum Konferenzprogramm, fanden in ganz Berlin über 120 Satellite Events statt, die von den mehr als 20.000 erwartenden Teilnehmer*innen besucht werden konnten. Bekannte Brands wie Beatport, die River Side Studios, Telekom und viele weitere waren vor Ort. Wir haben uns mit Robin Wilms, seines Zeichens Global Dance, Electronic & Alternative Editor bei Deezer. Mit ihm plauderten wir beim Tech Open Air über Streamingportale, Musikdownloads, die Veränderung der digitalen Szene im Laufe der letzten Jahre – und natürlich über das TOA.

Hi Robin, du warst Speaker beim Tech Open Air TOA Berlin. Erzähl doch mal, um welche Topics ging es so?

Ich nahm an einem Musik-Panel teil mit dem Titel „Du bist, was du streamst: Sind Künstler und Publikum einem Algorithmus untergeordnet?“ In meiner Rolle als Global Dance, Electronic & Alternative Music Editor bei Deezer erklärte ich, wie man Wiedergabelisten kuratiert, Empfehlungen ausarbeitet und Musikfans dabei hilft, neue Titel und Künstler zu entdecken.

War es ein Panel mit mehreren Speakern? Falls ja, wer aus dem Business war noch dort?

Das Panel bestand aus Terry Weerasinghe (CSO bei Beatport), Marit Posch (Label & Artist Manager bei Monkeytown Records), und es wurde von Sandira Blas (Senior Curator & Researcher bei Factory Berlin) moderiert.

Ok, lass uns mal über Deezer reden. Wie viele User streamen aktuell Musik mit Deezer?

Deezer ist ein globaler Musik-Streaming-Dienst, der in über 180 Ländern verfügbar ist. Wir verbinden monatlich 14 Millionen aktive Benutzer auf der ganzen Welt mit 56 Millionen Tracks.

Und dein Part bei Deezer?

Ich bin Redakteur für Global Dance, Electronic & Alternative Music bei Deezer und verantwortlich für die Erstellung aller redaktionellen Strategien für diese Genres – einschließlich Empfehlungen, Playlists und Track-Infos. Ich arbeite eng mit unserem Künstlermarketing-Team zusammen, um Musikfans ihren Lieblingskünstlern, DJs und Labels näher zu bringen.

Deezer, Spotify, iTunes, Amazon Music, YouTube Music … Wie überlebt man als Streaming-Plattform nebst all der Konkurrenz?

Wir sind stolz darauf, einen sehr persönlichen und nationalen Ansatz anzubieten, wenn es darum geht, unseren Usern etwas Besonderes zu präsentieren. Wir freuen uns, Künstler zu unterstützen und einzigartige Wege zu finden, um die Musik unseren Fans näher zu bringen. Das Redaktionsteam arbeitet eng mit dem Artist Marketing Team zusammen, um den Nutzern besondere Erlebnisse zu bieten, darunter die Deezer Original Podcasts und Hörproben unveröffentlichter Musik für Fans. Wir haben sogar mal einen Kung-Fu-Workshop auf dem Dach abgehalten!

Was ist der Vorteil von Deezer im Vergleich zu anderen Streaming-Plattformen?

Bei Deezer verfolgen wir einen Local Hero-Ansatz und versuchen, Inhalte zu erstellen, die die User in jedem lokalen Markt ansprechen. Zum Beispiel präsentiere ich regelmäßig neue Künstler und Tracks für die Dance- und Electronic-Community. Deezer ist auch der einzige Streaming-Dienst, der Flow anbietet, eine einzigartige Funktion, die intelligente Daten, Algorithmen und Redaktions-Empfehlungen verwendet, um die Tracks abzuspielen, die ein User hören möchte. Flow hilft Usern auch dabei, neue Tracks und Künstler zu finden. Wir bieten auch ein exklusives Dance & Electronic Curator Programm an. Über 40 Kuratoren wie WARP, Ninja Tune und Kompakt erstellen und aktualisieren regelmäßig Wiedergabelisten, die der Entdeckung neuer Musik dienen. Die Deezer-Redaktion erstellt daraufhin eine spezielle tägliche Werbekampagne, um sie in unseren Dance- und Electronic-Kanälen hervorzuheben.

Die internationale Dance-Szene: Chance oder Risiko für Deezer?

Es hat immer großes Interesse und eine große Gemeinschaft gegeben, die Dance Music liebt. Und wir möchten dies global unterstützen. Seit den frühen 1980ern gibt es Dance und die Anzahl der Genres, Subgenres, Labels und Künstler, die daraus hervorgegangen sind, ist unglaublich. Du könntest Jahre damit verbringen, dich einem Subgenre zu widmen und trotzdem jemanden treffen, der dich mit einem Release überrascht, von dem du noch nie etwas gehört hast. Als Redakteur versuche ich, mit Fingerspitzengefühl genau das auf unserer Plattform zu generieren und umzusetzen.

Kann man eigentlich DJ-Sets streamen oder gibt es nur Singles / Alben?

Derzeit ist dies nicht möglich, aber das heißt nicht, dass wir dies in Zukunft nicht noch mehr anbieten werden. Dance-Fans können jedoch weiterhin eine Vielzahl von Titeln und Alben aus unseren Dance- und Electronic-Wiedergabelisten und -Kanälen anhören.

Wenn ich jetzt einen Track fertig produziert und auf einem Label releast habe: Unter welchen „Bedingungen“ wird mein Titel bei Deezer gelistet?

Es gibt viele Schritte, um redaktionelle Wiedergabelisten zu erstellen. Der erste wichtige Punkt ist die Musik. Ist sie originell und interessant? Ist sie etwas, das unsere Dance Community zu schätzen wissen wird? Ich denke, es ist die Aufgabe eines guten Musikeditors, neue Sounds zu finden, und es kam oft vor, dass ich Musik selbst neu entdeckt habe. Ich verlasse mich auch auf Labels und Distributors, die mir neue Musik präsentieren und zusätzliche Informationen über den Künstler oder die Musik geben. Es kann auch hilfreich sein, wenn der Künstler bereits vor dem Veröffentlichungsdatum an der Promo gearbeitet hat und bestimmte DJs den Track in ihre Setlist aufgenommen haben. Nötig oder Grundvoraussetzung ist dies allerdings nicht.

Was sind die favorisierten musikalischen Stilrichtungen von Deezer? Charts / Mainstream, Underground, Alternative, Indie …?

Wir behandeln jedes Genre gleich. Wir glauben nicht an den obligatorischen Einheitsbrei, da unsere User so unterschiedliche Vorlieben und Geschmäcker haben. Jedes Genre hat seinen eigenen Kanal bei Deezer (Pop, Rap, R & B, Indie, Electronic, EDM, Dance, Electronic, Metal). Diese Genres ändern sich auch abhängig vom Standort des Users und den lokalen Hörtrends. Unsere elektronischen Musikinhalte sind vielfältig und umfassen redaktionelle Wiedergabelisten, die neben unique Contents die meisten Subgenres abdecken. Dazu gehört auch unsere Deezer Original Podcast-Serie „Trailblazers“, die mit Acts wie Paul Oakenfold, Shy FX und Paul van Dyk bestückt ist. Die Show wird von Nick Halkes (Mitbegründer von XL Recordings) und DJ Eddy Temple Morris (Virgin Radio) moderiert.
(Anm. d. Red.: Hier der Link zur Trailblazers Serie: LINK)

Für unsere Leserschaft, die vielleicht noch nicht weiß, wer du bist: Gib uns doch mal einen Shortcut deiner letzten beruflichen Stationen.

Ich habe 2012 als freiberuflicher Redakteur bei Deezer angefangen und bin zu einer aufregenden Zeit gekommen, als sich die Branche mehr und mehr auf Streaming verlagerte. Ich bin seit 2017 hauptberuflich Redakteur und wohne in Paris. Bevor ich zu Deezer kam, lebte ich in Amsterdam und begann meine Karriere als Label Manager für Mike Magos House-Imprint „Bmkltsch Rcrds“. Ich arbeitete auch als „Head of Booking“ für das Magneet Festival. Zuvor war ich bei Sugarfactory, einem Club mit einer Kapazität von 800 Leuten, der sieben Tage die Woche geöffnet hatte.

Hier haben wir noch einen ganz besonderen Appetizer von Robin für euch: seine neueste Playlist. Play & list(en)!