Techno als Therapie für ukrainische Kriegsversehrte

Techno als Therapie für ukrainische Kriegsversehrte

Im Superhumans Centre nahe Lwiw wird elektronische Musik zur Unterstützung der Rehabilitation eingesetzt: Ein neues Musiktherapie-Programm soll über Musikproduktion und DJing helfen, mit körperlichen und psychischen Folgen des Krieges umzugehen.

Der Krieg in der Ukraine erschütterte Europa und hinterließ tausende Verwundete. Gleichzeitig besitzt das Land eine tiefe Verwurzelung in der Techno- und Clubkultur. Clubs wie das K41 wurden zu Schutzräumen, und Raves unter freiem Himmel dienen teilweise als Orte der Verarbeitung und Gemeinschaft.

Das Programm wurde von dem US-Unternehmer Howard Buffett und seinem Sohn, dem Philanthropen Warren Buffett, initiiert. „EnterDJ“ wird gemeinsam mit der Wohltätigkeitsorganisation Victory Beats umgesetzt. Ziel ist es, elektronische Musik als therapeutisches Werkzeug zu nutzen – sowohl zur Unterstützung der motorischen Rehabilitation als auch zur Bewältigung traumatischer Erfahrungen.

Viele Veteranen berichten von positiven Effekten. Ein Teilnehmer erzählt: „Ich höre Musik nun viel bewusster. Ich zerlege Tracks in ihre einzelnen Elemente, mische und komponiere selbst. Wir haben Ambient-Stücke für therapeutische Zwecke produziert, kombiniert mit klassischen Instrumenten. Das Publikum entspannte sich tief – einige sind sogar eingeschlafen. Genau das wollten wir erreichen.“ Der Veteran Oleksandr, der sein Bein im Einsatz in Poltawa verlor, spielt heute sogar gemeinsam mit dem Lviv Philharmonic Orchestra.

Ein anderer Veteran beschreibt, dass Musik ihm hilft, Phantomschmerzen und Traumafolgen zu kontrollieren – mittlerweile produziert er Drum’n’Bass und arbeitete bereits mit dem Label Hospital Records zusammen.

Das Programm richtet sich nicht nur an erwachsene Veteranen, sondern auch an Kinder und Jugendliche, die unter Angst, Stress oder Verlust leiden. Musik wird dabei als verbindendes Element verstanden: ein Mittel, Gemeinschaft, Ausdruck und Heilung wieder erfahrbar zu machen.

Quelle: The Guardian

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