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Die Nacht war vorbei und sie waren hungrig. Sie mussten etwas essen. Und so begann die Geschichte von Daniel Breyer und Felix Reiter alias Techno Frühstück. Nach den Wellen schla- genden EPs „Tschuri“ und „Fields Of Blossom“, beide wurden auf Twin Town veröffentlicht, erschien im September eine Remix-EP zu Letztgenannter. Im Oktober folgen dann „And I Am Rain“ und „Raining for Ages“ – ebenfalls auf Twin Town.
Kennengelernt haben sich die zwei an einem sonnigen Sonntagmorgen an einer Berliner Straßenecke: „Unsere Wege haben sich am Kotti gekreuzt. Felix ist mit seinem mobilen Soundsystem und einem Haufen Übriggebliebener durch die Straßen gezogen, da stand ich plötzlich mittendrin. Relativ schnell wurde uns klar, dass das einfach passt und so sein soll. Wir haben uns ein paar Mal getroffen, und schon standen die ersten Tracks“, erzählt Daniel. Erschienen sind die Resultate auch damals schon auf dem saarländischen Label Twin Town, erinnert er sich: „Nach meiner Zeit in Kolumbien habe ich mich noch eine Weile in Saarbrücken mit Auflegen und Partyorganisation beschäftigt, bevor es mich dann nach Berlin zog. Nach einem sehr zerfeierten Wochenende bin ich recht verkatert auf einem kleinen OpenAir gelandet. Dort habe ich Toni Tress kennengelernt, der mit Twin Town seit Jahren die Musikfahne im Saarland hochhält. Wir haben sofort bemerkt, dass wir sowohl freundschaftlich als auch musikalisch absolut auf einer Wellenlänge liegen. Inzwischen gehören wir zum festen Stamm und haben dort sehr viele kreative Freiheiten.“ Felix ist kürzlich nach Griechenland umgesiedelt. Eine Zusammenarbeit auf Distanz mit interessanten Aspekten, wie er feststellt: „Athen ist eine spannende Stadt, und Griechenland befindet sich in einer politisch sehr spannenden und spannungsvollen Zeit. Die neuen Eindrücke hier sind natürlich auch für die Musikproduktion unglaublich wertvoll. Wir haben bereits in der Vergangenheit immer mehr angefangen, abwechselnd an Tracks zu arbeiten. Wir kennen unsere Stärken und wissen dabei, was der jeweils andere als Nächstes beitragen kann. Seit ich in Athen bin, schicken wir uns die Dateien über Dropbox. Die unterschiedlichen Einflüsse machen das Ganze nochmal spannender. Beim Auflegen repräsentiere ich Techno Frühstück jetzt in Athen und Daniel eben in Berlin.“

Vor der Musik war Daniel in einem gänzlich anderen Bereich tätig – der Quantenphysik. Der gelernte Physiker sieht beim näheren Betrachten sogar einige Parallelen zum Musizieren und eine Beeinflussung ihres Sounds: „Ich war jung, naiv und wollte die Welt verstehen (lacht). Gerade den philosophischen Hintergrund der Physik finde ich dabei auch immer noch sehr spannend. Allerdings war mein innerer Drang zum Musikmachen einfach immer schon größer. Praktischerweise basieren Klangerzeugung und Quantentheorie beide auf einer ähn- lichen mathematischen Grundlage. Es geht am Ende immer um Wellen. Und die verstehe ich jetzt eben einigermaßen. Unsere Produktionen sind stets von groovigen Bässen und einer gewissen Grundverspieltheit geprägt und klingen recht organisch. Ein Track sollte durch seinen Aufbau und seine Entwicklung eine Geschichte erzählen, die ihn auch am Stück spannend macht. Gerne versuchen wir dabei den Spannungsbogen im Break bis ins Ekstatische zu steigern. Letztendlich ist es aber wohl auch die Liebe zum Detail, die alle Elemente ineinandergreifen lässt.“ Gut ineinandergegriffen haben auch ihre bisherigen Gigs – darunter im KaterHolzig in Berlin. „Das Mit Dir Festival mit unseren Freunden von Tanzjewimmel und Frei.T.raum hat super viel Spaß gemacht. Neben unserem eigentlichen Auftritt hat sich am Ende noch eine schicke Afterhour mit vollwertiger Technobestrafung ergeben. Der Müggelsee und unser warmes Dosenbier haben das Ganze abgerundet.“
Die Zeit nach den zwei anstehenden EPs ist bereits jetzt durchgeplant. „Da wir uns momentan musikalisch immer noch sehr schnell weiter drehen, passt das konzeptionell alles eher in kleinere, voneinander unabhängige Releases. Aber wer weiß, vielleicht verziehen wir uns ja demnächst mal auf eine einsame griechische Insel und bauen ein ganzes Album voll Frühstück, Strand und Techno.“ / Rafael Da Cruz

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Aus dem FAZEmag 044/10.2015