
Berghain-Resident Stefan Goldmann stellt die gängige Erzählung der Clubkultur infrage: Nicht Clubs hätten Techno hervorgebracht, sondern die Musik habe sich ihre Orte geschaffen, gibt er in einem Interview mit der Berliner Zeitung bekannt. Die frühen Detroit-Produktionen seien zunächst ohne feste Spielstätten entstanden, die Clubkultur folgte erst später.
Goldmann verweist bei seiner These auf die Frühzeit der elektronischen Musik. Die Musik verbreitete sich über Tonträger, bevor sich passende Orte formierten. Insbesondere verweist er dabei auf Detroit, wo sich die ersten Techno-Produktionen auf diese Weise zunächst ohne festen sozialen Raum verbreiteten. Dahinter versteckt sich weniger ein historisches Detail, sondern viel mehr ein Argument für die Zukunftsfähigkeit der Kultur: Selbst wenn Clubs verschwinden, werde sich die Szene neu organisieren, weil der Antrieb in der Musik selbst liegt.
Das Berghain beschreibt Goldmann im Interview als besonders anspruchsvollen Prüfstein, denn das erfahrene Berliner Publikum erkenne sofort, ob ein Set bloße Routine oder ein echtes Statement sei. Internationale Szenen, etwa auf Ibiza oder in aufstrebenden Techno-Regionen, reagierten oft euphorischer. Berlin sei da eher für seine kritische Zurückhaltung bekannt. Das Berghain wird so für viele Künstler*innen zu einer Schule: Anerkennung ist seltener, aber dafür umso bedeutungsvoller.
Mit Blick auf die Zukunft warnt Goldmann vor bloßer Nostalgie. Figuren wie Ellen Alien stünden für einen Berliner Ansatz, der nicht auf Retro setze, sondern auf kontinuierliche Weiterentwicklung. Sie hat mit ihrem Label BPitch Control (heute: BPitch) maßgeblich dazu beigetragen, den Berliner Sound international zu prägen.
Für Stefan Goldmann steht jedenfalls fest: Techno sei heute eine etablierte Kulturform und werde sich auch jenseits einzelner Clubs immer wieder neu organisieren.
Quelle: Berliner Zeitung
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