Techno-Kultur: Verein kämpft gegen Personenkult & Wucherpreise

Die Hamburger Initiative Res Nullius e. V. geht mit klarer Haltung gegen steigende Eintrittspreise und Personenkult in der lokalen Szene vor.

Für die Gründer Jana, Niki und Alex ist die Sache eindeutig: „Techno ist für uns Freiheit.“ Genau dieses Gefühl sehen sie zunehmend bedroht. Die drei Freunde beobachten seit Längerem wachsende Kommerzialisierung, teurere Tickets und das Verschwinden wichtiger Räume.

Abgerissene Clubs wie Fundbureau, Waagenbau oder BeatBoutique sowie der Verlust der alten Flächen des Pal und des Molotow verdeutlichen für sie, wie fragil die Clublandschaft geworden ist.

Da von politischer Seite ihrer Ansicht nach kaum Unterstützung kommt, gründeten sie Anfang des Jahres den Kunst- und Kulturverein Res Nullius. Über Social Media machten sie auf Missstände aufmerksam, wurden schnell viral und sammelten mehr als 60 Mitglieder, die sich aktiv gegen den Zerfall der Clubkultur einsetzen wollen.

Am Samstag, dem 29. November, stieg im Kosmos Karoline ihr erstes großes Event. Doch Partys sind nur ein Teil des Plans. Der Verein möchte langfristig auch Veranstalter vertreten und mit der Politik in den Dialog treten, um Rahmenbedingungen für eine lebendige Szene zu verbessern.

Ein Kernproblem liegt für die Gründer im Image des Genres. Alex widerspricht Vorurteilen im Gespräch mit t-online deutlich: „Viele Leute denken, dass Techno-Partys nur dazu da sind, um Drogen zu nehmen. Das stimmt nicht.“

Für ihn sei Techno ein Ort der Selbstbestimmung und Offenheit, an dem Menschen akzeptiert werden, wie sie sind. Der Verein fordert daher, Techno als Kulturgut anzuerkennen – ähnlich wie in Berlin.

Gleichzeitig kritisieren die Gründer hohe Ticketpreise und die sozial ungerechte Entwicklung. „Die Tickets für Events werden immer teurer“, sagt Jana. Sponsoring durch Alkohol- und Tabakkonzerne oder Show-Headliner sieht Niki als Teil des Problems.

Res Nullius setzt auf Gegenmodelle: Für die erste große Party werden Handykameras abgeklebt, Tickets kosten nur zwölf Euro, eine Gästeliste gibt es nicht. Niki beschreibt die Lage so: „Techno ist schon lange nicht mehr Underground, es ist ein absoluter Hype.“

Genau dort möchte der Verein gegensteuern und den Fokus zurück auf das Gemeinschaftserlebnis lenken. Die Mission der Gründer ist klar: Techno wieder zugänglich machen.

Der Name Res Nullius – „Niemandes Sache“ – soll genau das ausdrücken. Ob dieser Ansatz die Hamburger Szene nachhaltig verändert, wird sich zeigen, doch der Wille zum Umdenken ist bereits spürbar.

Quelle: t-online

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