„Technowulkan“ – ein Buch über die polnische Techno-Parade


Nicht nur in Deutschland oder England feierte Techno in den 90er Jahren einen Durchbruch mit tausenden Fans und Raves, sondern auch in Polen. Bereits das Buch „30 Jahre polnische Techno-Szene“ und die Techno-Ausstellung im Museum für Moderne Kunst in Warschau widmeten sich dieses Jahr der Geschichte der Szene. Nun erscheint mit dem Buch „Technowulkan“ von Bartłomiej Kluska ein weiteres Werk, das die Hintergründe des polnischen Techno erforscht und dabei einen Fokus auf die in der Stadt Łódź stattfindenden Techno-Paraden legt.

Die Techno-Szene in Polen war in den 90ern stark gespalten: Während in der Hauptstadt Genres wie House und Techno vorherrschten, widmete sich die Szene in Krakau dem Ragga-Garage und Jungle, in Łódź hingegen wurde vor allem Happy Hardcore, Jungle und Drum´n´Bass gehört.

Damals versammelte sich ein Team von DJs und Musiker*innen aus Łódź um die New Alcatraz Underground Party Organization (eine Gemeinschaft von Künstler*innen, die mit dem Club New Alcatraz verbunden ist) und erschuf ein bahnbrechendes Festival der Clubkultur, dass die musikalische Spaltung Polens bald aufhob: Die erste „Parada Wolności“ fand 1996 statt und lockte sowohl 25 000 Fans, als auch internationale DJs und Produzent*innen wie Ratpack, MC MC oder auch DJ Sy in die polnische Stadt. Die Freiheitsparaden waren inspiriert von der Berliner Love Parade und neben der Parade durch die Stadt fanden zudem zahlreiche Rave-Partys statt.

Von eben diesen Paraden handelt das Buch „Technowulkan“. Kluska arbeitete dafür zusammen mit Teilnehmer*innen der Paraden, DJs und Produzent*innen (darunter Dukee, Wonter, Nobis, Inkee, Martin Depp, Smolny, Rebus, Marcello Zamenhoff, Rafal Baran, Beata Boratyn, Adam Radoń, Robert Jakubowski und Sławek Żak). Entstanden ist ein 120-seitiges Buch voller Zitate, Bilder und alten Presseberichten, dass bei seinen Leser*innen Nostalgie aufkommen lässt. Der Autor porträtiert nicht nur die Szene selbst, sondern auch ihre einzelnen „Bestandteile“, die Menschen dahinter. Mit Insider-Facts und lustigen Kuriositäten wird es dabei nie langweilig.

Der Herausgeber Ksiezy Mlyn beschreibt den Geist des Buches mit folgenden Worten:

„Ein Vulkan der Freude, laute, dröhnende Musik und bunte Laserlichter explodierten 1997 in den Straßen von Łódź. Damals wurde die Stadt von einer für ganz Polen und sogar für die ganze Welt lauten Parade der Techno-Musikfans eingenommen. Junge Menschen in farbenfrohen, skurrilen Kleidern und Frisuren belebten den grauen, gewöhnlichen Alltag. Dieses einzigartige Ereignis stand nur wenige Jahre lang im Veranstaltungskalender von Łódź, blieb aber lange in Erinnerung. Der Autor von „Technowulkan“, Bartłomiej Kluska, hat eine aufschlussreiche Studie über das musikalische und kulturelle Phänomen verfasst, das nicht nur die Einwohner*innen von Łódź zu vereinen und zu spalten vermochte. Der Autor ließ die Menschen zu Wort kommen, die die Freiheitsparade ins Leben gerufen, jahrelang organisiert und versucht haben, sie vor dem Zusammenbruch und dem Vergessen zu bewahren. Die Teilnehmer*innen dieser Veranstaltungen, die nun schon mehr als 20 Jahre alt sind, empfinden sie als ein einzigartiges Fest der Musik und der Freiheit!“

Und nicht nur das: Mit „Technowulkan“ startet Kluska zusätzlich eine Initiative, denn:
Die „Parada Wolności“ fand ein schnelles Ende: Nach der letzten Veranstaltung im Jahr 2002 verbat der neue, rechtsgerichtete Bürgermeister die Parade und die Partys. Gespräche über eine Wiederaufnahme in den darauffolgenden Jahren scheiterten, seitdem ist es ruhig geworden in Łódź. Bartłomiej Kluska möchte nun mit dem Buch den Aufruf starten, die Freiheitsparade 2022 wieder stattfinden zu lassen.

Das Buch „Technowulkan“ ist ab sofort erhältlich. Hier kannst du es dir kaufen.

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