Ten City: Im Interview über das neue Album „The Next Generation“

Ten City, die erfolgreiche Chicago-House-Formation um Byron Stingily, Byron Burke und Herb Lawson, bei der Produzent Marshall Jefferson eine prägende Rolle spielte, veröffentlicht ihr neues Album „The Next Generation“ beim legendären New Yorker Label Nervous Records. Im Interview spricht Byron Stingily über die Zusammenarbeit mit jungen Künstlern, die House-Elemente des Albums und die Rolle von Vinyl als Brücke zwischen Tradition und Moderne.

Euer neues Album trägt den Titel „The Next Generation“. Bedeutet das, dass ihr ein neues Kapitel aufschlagt oder einen neuen Schritt als Band geht – musikalisch ebenso wie durch die Zusammenarbeit mit der neuen Generation von Künstlern? Gerade da ihr im Album vielen neuen Künstlern Raum gebt.

Der Schwerpunkt lag darauf, das musikalische Erbe weiterzuführen und gleichzeitig neue Impulse einzubringen. Die Zusammenarbeit mit einer jüngeren Generation von Künstlern, die Musik und Kultur respektieren und voller Begeisterung Teil des Projekts wurden, war eine große Bereicherung. Sie alle brachten frische Ideen und Energie ein – und auch ich selbst konnte von ihnen lernen. Besonders schön war es, Rap in die Musik von Ten City zu integrieren, etwa mit OVEOUS auf „Feel Good“ und Ric Wilson auf „Hands to the Sky“. Das strahlende Falsett von El Boogie ist eine wunderbare Mischung aus den Bee Gees und Philip Bailey. Weibliche Stimmen in Ten-City-Songs empfinde ich als etwas Besonderes: Mon’ Aerie glänzt auf „Unique“ und „Live Your Life“, Uneq’ka bringt eine gefühlvolle Performance auf „Release“.
D. Lyles hat einen Stil zwischen Chris Brown und Craig David, und auch die Zusammenarbeit mit Drama, die selbst Millionen von Streams generieren, war ein Highlight. Darüber hinaus haben Produzenten wie Gershon Jackson, Shebazz Curtis, DJ Flipside, Paris Cesvette, Plu Harmon und Joey Fernandez ihr großes Können eingebracht. Marshall Jefferson steuerte Texte bei, und die Background-Vocals von Gus Lacey, Brandi Shantele und Kalea Payton verliehen dem Projekt zusätzliche Tiefe.

Der Einstiegstitel des Albums heißt „House Again“ und klingt fast wie ein musikalisches Statement: Ten City sind zurück im House-Genre. War das eine bewusste Entscheidung? Wie versteht ihr den Titel – als persönliche Rückkehr, als Botschaft oder als Hommage an eure Szene?

House Again ist mehr als nur ein Songtitel: Er steht für die Rückkehr von House Music in den Mainstream. Der Titel erzählt von einer Beziehung und greift die Spannung innerhalb der House-Community auf. Gleichzeitig kann er als Symbol für gesellschaftlichen und globalen Zusammenhalt verstanden werden.

Euer Sound war immer geprägt von Einflüssen aus Soul, R&B und sogar Gospel. Welche musikalischen Einflüsse finden wir auf „The Next Generation“?

Das Album vereint Einflüsse aus Blues, Disco und Jazz. Die Melodie von „No Sleep Tonight“ erinnert ein wenig an Country & Western – allerdings ohne das typische Twang-Element. „Man Like Me“ ist eine Hommage an Stevie Wonder, und die Backgrounds sind im Stil von DeBarge gehalten.

Ihr prägt die House-Szene seit den 80ern und habt viele Generationen inspiriert. Gibt es heute neue Künstler oder Trends, die euch inspirieren? Wie zeigt sich das zum Beispiel in „The Next Generation“?

Ich orientiere mich an der aktuellen Musikszene, unter anderem an Künstlern wie Calvin Harris, David Guetta, Mau P und dem Afro-House-Genre. Dieses Album verbindet aktuelle Sounds und moderne Technologie mit echter Musikalität. Außerdem habe ich mir Titel von Künstlern wie Emmaculate, Shebazz, Gershon Jackson, Andrew Salsano (A&R) und Michael Weiss von Nervous Records angehört.

Chicago gilt als Geburtsort der House-Musik. Wie würdet ihr die Unterschiede zwischen der damaligen Szene und heute beschreiben?

Die Szene ist global gewachsen. Früher konzentrierten sich die Hotspots auf Städte wie Chicago, New York, Baltimore, Detroit, Atlanta und einige kleinere US-Orte. Meine Reisen führten damals nur nach England, Deutschland, Italien, Frankreich und Ibiza. Heute begegnet man Dance Music überall – in Werbespots, Filmen und sogar in großen Stadien.

Euer Sänger beschreibt „The Next Generation“ mit dem Motto: „TREU bleiben, während man das NEUE einbezieht.“ Wie schafft ihr es, den klassischen Ten-City-Sound zu erhalten und gleichzeitig aktuelle Einflüsse aufzugreifen? Was war dabei besonders schwierig?

Wir blieben stets offen. Wir hielten Zoom-Meetings mit dem Label und unserem Produktionsteam ab, spielten sowohl aktuelle Tracks als auch Klassiker, probierten viele Dance-Stile aus und forderten uns gegenseitig heraus, um das Beste aus jedem herauszuholen. Die größte Herausforderung war, Kritik nicht persönlich zu nehmen. Am Ende wollten wir alle nur eines: dass das Projekt so großartig wie möglich wird.

Mit der Zusammenarbeit mit Emmaculate konntet ihr einen großen Namen der Chicago-Szene für euch gewinnen. Seine Liebe zum Detail im Sound und seine Erfahrung sind legendär. Wie hat sich das auf das Album ausgewirkt, und wie habt ihr zueinander gefunden?

Ich kenne ihn seit seiner Teenagerzeit. Durch einen gemeinsamen Freund lernte er vieles – Gutes wie Schlechtes. Schon damals hörte ich von diesem Freund, wie talentiert Emmaculate sei. Wir hatten früher schon zusammengearbeitet, aber bei diesem Projekt übernahm er das Steuer. Ich saß eher auf dem Beifahrersitz und wollte eigentlich nicht ständig „langsamer“, „bremsen“ oder „schneller“ sagen – ab und zu konnte ich mir Kommentare jedoch nicht verkneifen.

Byron Stingilys charakteristisches Falsett und Texte, die mehr sagen als nur „Club-Vibes“, prägen eure Musik. Gibt es eine zentrale Botschaft, die ihr mit „The Next Generation“ vermitteln wollt?

Der Song „Love Music“ sagt alles!

Ihr veröffentlicht „The Next Generation“ zuerst auf Vinyl, später digital. Welche Bedeutung hat das Format heute – ist Vinyl mehr als nur Nostalgie?

Vinyl erlebt ein Comeback, und für uns ist das besonders bedeutend, weil auf diesem Album echte Musiker zu hören sind. Wir schätzen Künstler, die Technik beherrschen, aber auch ihr Handwerk, sowie DJs, die Vinyl und digitale Tools kombinieren. Unser Ziel war es, eine Balance zu schaffen – zwischen meiner Generation, Emmaculates Generation und der „Next Generation“.

Hier könnt ihr das Album auf Vinyl bestellen.

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