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Es war der 14. Dezember 2007, als mit der „White Line EP“ auf ihrem eigenen Imprint Voltage Musique, das sie seit nunmehr 13 Jahren gemeinsam mit Markus Hille betreiben, die erste gemeinsame Produktion von Andreas Henneberg und Daniel Nitsch aka The Glitz veröffentlicht wurde. Es folgten Arbeiten auf Ostwind Records und Ideal Audio sowie Remixe für Künstler wie The Hacker, Gary Beck, Lee Van Dowski, Einmusik, Florian Meindl uvm. Nach mehr als acht Jahren erscheint nun der erste Langspieler der in Rostock und Berlin lebenden Musiker. In insgesamt 14 Titeln des Albums „No Drama“, die innerhalb der letzten zwei Jahre gemeinsamer Studioarbeit entstanden sind, kulminieren sämtliche Einflüsse des Duos. So präsentieren sie sich mitnichten ausschließlich clubtauglich, sondern begehen auch Downbeat-, Triphop-, Jazz- und Funk-Gefilde. In diesem Monat standen uns The Glitz nicht nur Rede und Antwort, sondern sind gleichzeitig auch für den offiziellen FAZEmag Download-Mix verantwortlich.

Acht Jahre The Glitz, nun erscheint euer Debütalbum. Glückwunsch dazu. Wie und wann kam der Entschluss, dass es ausgerechnet jetzt passieren muss?

Andreas: „Danke! Vor knapp zwei Jahren fingen wir an uns beide darüber zu unterhalten, dass wir mal etwas anderes ausprobieren wollen, als das klassische Single- oder EP-Format. Ein Album bietet da einfach mehr Raum zur Entfaltung, dort kann man sich in ganz andere Richtungen verwirklichen und auch mal aus den Strukturen des straighten Clubsounds ausbrechen. Wir beschäftigen uns schließlich auch viel mit anderen Musikrichtungen, allein schon um uns neue Inspirationen zu holen. Das war dann quasi auch der Startschuss für das Album.“

Daniel: „Bei zwei Jahren Produktionszeit kann man, glauben wir, auf jeden Fall von einer deutlichen Entspanntheit, viel Spaß und wenig Stress bei der Produktion, reden. Vielleicht hört man das dem Album auch an. Natürlich haben wir in der Zeit auch noch an anderen Songs und Remixen gearbeitet. Aber klar, das Album war in der letzten Zeit schon unser Schwerpunkt im Studio. Letztendlich wäre es für uns auch okay gewesen, wenn es jetzt drei Jahre gedauert hätte. Wichtig war uns einfach, dass wir uns beide mit dem Prozess wohl fühlen und das Ergebnis 100 Prozent wir sind. Und der Punkt war jetzt erreicht.

Haben eure zwei unterschiedlichen Wohnorte bei der Produktionszeit auch eine tragende Rolle gespielt?

Andreas: „Es ist tatsächlich gar nicht so leicht, gemeinsam Zeit zu finden. Die Distanz macht spontanes Arbeiten im Grunde schwer bis gänzlich unmöglich. Die gemeinsame Studiozeit muss geplant und vorbereitet werden. Daher telefonieren wir sehr oft und tauschen uns auch ständig aus, was uns musikalisch so bewegt.

Daniel: „Außerdem sehen wir uns an den Wochenenden, wo wir gemeinsam auf Tour sind. So kann man sich schon gut auf den anderen einstellen. Die Distanz hat vielleicht aber auch den Vorteil, dass jeder andere Einflüsse mit einbringt und man sich auf die gemeinsame Studiozeit richtig freut. Das setzt dann wieder ganz neue Energien frei.“

Gebt uns doch einen Einblick in eure Studioarbeit. Mit welchen Tools bzw. Software arbeitet ihr bevorzugt und wie ist die Arbeit verteilt?

Daniel: „Das Album haben wir in Andreas’ Studio in der Nähe von Berlin produziert. Als Sequenzer läuft bei uns Steinbergs Cubase in Verbindung mit einer ‘UAD2’ und diversen Plugins.“

Andreas: „Im Bereich Hardware hat der Minimoog Voyager, ein Drum-Set, der Moog Sub37 und vor allem ein Neumann-Gesangsmikrofon verstärkt Einsatz gefunden. Der gesamte Mixdown sowie das Mastering und die Vorbereitung für die Presswerke haben wir hier ebenfalls in Eigenregie vorgenommen.“

Ihr arbeitet auf dem Longplayer mit dem US-Sänger und Songwriter „i Am Halo“, der „Parasite Single“-Frontfrau Jasmina Quach, dem Deutsch-Rock-Sänger Stefan Krogmann sowie dem international tätigen Pianist Johann Blanchard zusammen. Wie ist es zu den Kollaborationen gekommen?

Andreas: „Uns war es wichtig mit neuen frischen Künstlern zusammen zu arbeiten, die noch gar nicht soviel Berührung mit elektronischen Produktionen hatten. Durch Daniels Arbeit am „Kommt Zusammen“-Festival haben wir sehr oft Kontakt zu interessanten Künstlern. So kam zum Beispiel auch die Zusammenarbeit mit Parasite Single oder dem Sänger I am Halo zustande. Parasite Single sind eine Hamburger Band, die wir mal bei einem Soundcheck auf der Stubnitz entdeckt haben. Sie waren immer wieder ein Thema bei uns und so haben wir irgendwann einfach mal gefragt, ob sie Lust auf eine Zusammenarbeit haben. I am Halo kennen wir eigentlich schon sehr lange von seinen anderen Projekten, doch so richtig entdeckt haben wir ihn erst, als er in die Staaten gezogen ist und anfing sich dem elektronischen Songwriting zu widmen.“

Daniel: „Ein besonders spannendes Projekt war auch die Zusammenarbeit mit dem klassischen Pianisten Johann Blanchard. Die Kombination von klassischer Musik mit unserem Sound und die ganze technische Umsetzung war für uns etwas Neues, was wir unbedingt einmal ausprobieren wollten. Da steht man dann auf einmal in einem Konzertsaal vor der Herausforderung einen großen Steinway & Sons D-Flügel tontechnisch abzunehmen. Stefan Krogmann, ein weiterer Gastsänger auf dem Album, ist ein enger Freund von uns mit dem wir schon immer mal etwas gemeinsam machen wollten. Wichtig war uns auch, dass sich keiner der Gastkünstler bei uns verbiegen muss und wir etwas Gemeinsames erschaffen. So sind wir alle wirklich richtig glücklich mit den Songs.“

Das Album ist auf den Dancefloor ausgerichtet, macht aber auch nicht vor Downbeat, Jazz oder Funk halt. Inwieweit habt ihr euren privaten Musikgeschmack hinein fließen lassen?

Andreas: „Wer uns kennt, kann wahrscheinlich auch die unterschiedlichen musikalischen Einflüsse gut heraushören. Bei uns hat jeder auch seine eigenen Vorlieben und seine eigenen musikalischen Roots. Ein Teil von Daniels Vorlieben ist zum Beispiel stark geprägt von einem klassischen Sound der 90er – Fragmente aus HipHop, Triphop, Crossover und Bigbeat.

Daniel: „Andreas ist vielleicht mehr beim klassischen, funktionellen Techno-Sound beheimatet und war in den frühen 90ern eher der Grunge-, Metal- und Psychedelic-Hörer. Es gibt natürlich auch einen großen gemeinsamen Nenner bei uns, sonst würde es im Studio sowie auf der Bühne nicht funktionieren. Wir wissen eigentlich recht genau, was wir machen wollen, sind dennoch immer wieder selbst von den Ergebnissen überrascht (lacht).

Wenn wir schon über die 90er und alte Zeiten sprechen – ein Rückblick auf die vergangenen acht Jahre The Glitz. Welche waren für euch die schönsten aber auch die weniger schönen Momente?

Andreas: In der Tat keine leichte Frage. Wir haben das Glück gehabt, in dieser Zeit sehr viele schöne Momente erlebt zu haben. Das hat sich auch alles sehr langsam bei uns entwickelt. Hervorheben kann man wahrscheinlich die Auftritte auf dem Fusion Festival. Das war Gänsehaut pur. Daran erinnert man sich gern zurück. Weniger schön? Daniel?

Daniel: „Da fällt uns eigentlich nur eine Situation ein, wo wir für einen Künstler einmal mit viel Zeitaufwand einen schönen Remix gemacht haben, der auch abgenommen war. Bei Release mussten wir dann feststellen, dass der Remix nicht dabei war. In solchen Augenblicken hat man nur Fragezeichen im Kopf. Doch auch da müssen wir sagen: No Drama.“

Ihr habt beide auch erfolgreiche Soloprojekte. Wie schafft man den Spagat zwischen Solo und Duo und wie trennt ihr vor allem die einzelnen Projekte?

Daniel: Das fällt uns gar nicht so schwer. Die Projekte bewegen sich musikalisch einfach in andere Richtungen. Sicherlich muss man sich die Zeit für die einzelnen Projekte bewusst einteilen und es mag auch mal die ein oder andere Sache zu kurz kommen. Das macht es auch für einen selbst spannend und man fährt sich musikalisch nicht so schnell fest.“

Wird es von dem Album Single-Release bzw. Remixe geben?

Andreas: „Zwei Mal Ja. Wir planen zwei Single-Veröffentlichungen. Welche Songs das werden, möchten wir aber noch nicht verraten. Über den Sommer wollen wir die Songs befreundeten Künstlern und Musikern geben, so dass im Herbst noch einmal alle Titel als Remixe erscheinen. Zudem wird es gemeinsam mit Native Instruments eine kleine Remix-Competition geben – das machen wir auch zum ersten Mal und sind super gespannt was uns da erwartet.“

Daniel „Wir planen natürlich auch eine Albumtour – das Album will ja auch gespielt werden. Unsere Agenturen 3000Grad und Plantage13 planen gerade fleißig. Einige feststehende Highlights sind da sicherlich die Stopps in Paris, Wien, Kopenhagen, Amsterdam. Auch eine Brasilientour ist geplant.“

Ihr habt erst kürzlich einen Remix auf Katermukke veröffentlicht …

Andreas: „Robert, ein Teil von Umami, ist ein Freund von uns und fragte, ob wir nicht Lust haben zu ihrer neuen EP auf Katermukke einen Remix beizusteuern. Wir konnten uns dann einen Song aussuchen und haben uns sofort in ‘Do you wanna see’ verguckt.“.

Zu guter Letzt die klassische Frage an sämtliche Duos. Was liebt und was hasst ihr am anderen?

Andreas: „Die Killerfrage für alle Duos, haha. Vegane Ernährung! Ich habe vollsten Respekt davor und staune, wie Daniel das so konsequent durchzieht. Auf Tour nicht immer einfach eine Nahrungsquelle zu finden, mit der wir beide zufrieden sind. Manchmal im Studio kippe ich aus Versehen Milch in seinen Kaffee, weil das für mich halt darein gehört. Naja, ich liebe seine norddeutsche Gelassenheit und sein zielorientiertes denken. Egal, wie kompliziert es manchmal ist, wir haben immer einen guten Weg gefunden mit dem wir beide Happy sind.“

Daniel: „Die Zigarillos! Im Studio, auf der Bühne, immer Zigarillos. Als Nichtraucher ist das manchmal hart. Aber irgendwie habe ich mich auch schon daran gewöhnt und das gehört zu Andreas. Ansonsten sind wir dicke Freunde, können uns aufeinander verlassen und versuchen keinen Mist zu bauen. Guylove! (lacht). / Rafael Da Cruz

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