Credit: Anthony Icuagu


Seit 2012 hostet Tom „Black Peters“ im Berliner ://about blank seine Event-Reihe DESSERT und bietet damit seit nunmehr fast zehn Jahren eine angesehene Plattform für sämtliche Zielgruppen, darunter auch oftmals unterrepräsentierte Minderheiten. Nun erfüllte sich der Wahlberliner einen langgehegten Traum und gründete ein gleichnamiges Label. Die erste Katalognummer ist am 3. September von Bertolt Meyer erschienen. Dieser ist ohne linken Unterarm geboren und hat gemeinsam mit KOMA Elektronik seine Prothese gehackt, um mit dieser bestimmte Parameter seines modularen Setups mit seinem Verstand zu steuern – eine innovative Sensation, die hier Musik und Technologie vereint.

Inspiriert wurde DESSERT dabei – wie der Name es schon erahnen lässt – vom in der Regel süßen Abschluss einer gelungenen Mahlzeit, berichtet Peters: „Wie ein guter Koch, der seine Gäste mit dem Dessertgang überrascht und erfreut, wollte ich eine Nacht voller Aromen kreieren, die, richtig kombiniert, ein außergewöhnliches Erlebnis schaffen. Um dies zu erreichen, suche und finde ich immer eine Vielzahl von DJs, von denen jede:r seinen eigenen einzigartigen Geschmack und Stil mitbringt. Einige Highlights waren der Tag mit Rødhåd im Blank Sektgarden, die Nacht mit Kevin De Vries, Lux und Rene Wise, das House-Set von Patrick Mason und Maze & Masters und die Nacht mit DJ Hell und Camea. Auch ein weiteres Highlight war der Dessert-Stream an Berlins berühmtestem Wahrzeichen, dem Fernsehturm, auf 203 Metern Höhe mit den unglaublichen Monolink, Kevin de Vries und Innellea in Zusammenarbeit mit Beatport.“ In den vergangenen Jahren hat Peters auch abseits der Musik einige Kunstformen umgesetzt, um ein „multisensorisches“ Erlebnis zu schaffen, wie er es nennt: „Dies hat mich dazu gebracht, mit dem Fotografen Steven David Walton am Artwork für das Label und Ralf Kobernuss am Artwork für die Partys zusammenzuarbeiten. Nachdem ich jahrelang an der Idee gefeilt hatte, wurde klar, dass das Label ähnlich wie die Party ein Ort sein sollte, an dem ich innovativen Künstler*innen, insbesondere solchen aus Minderheiten, eine andere Plattform bieten könnte, um ihr Publikum zu finden.“

Den Protagonisten der ersten Katalognummer hat Peters in den sozialen Netzwerken entdeckt, erinnert er sich: „Ich habe mir sowohl seinen YouTube-Kanal als auch Soundcloud angeschaut und war fasziniert von Bertolts Livesets und der Methode, die er entwickelt hat, um modernste Technologie in seinen künstlerischen Prozess mit einer benutzerdefinierten Prothese zu integrieren. Ich hatte das Glück herauszufinden, dass Bertolt einige unglaubliche und zudem unveröffentlichte Tracks hatte. Der erste Track war ,Walks The Night‘. Für den Remix hat es mich sofort zu Hannes Bieger gezogen. Sowohl Bertolt als auch Hannes sind modulare Enthusiasten und passen daher für mich wie selbstverständlich zusammen.“ Seine ursprüngliche Handprothese für die Steuerung seines modularen Aufbaus als nicht praktikabel empfindend, begann Meyer mit der Suche nach Möglichkeiten, seine Kreativität besser zum Ausdruck bringen zu können. Der Signalfluss zwischen Verstand und Aktion musste wesentlich verkürzt werden: „Das Ergebnis ist das, was er als ,Syn-limb‘ bezeichnet – eine gehackte Prothese, die mit Hilfe von Christian Zollner von KOMA Elektronik und seinem Ehemann Daniel Theiler gebaut wurde und es Bertolt ermöglicht, einige Parameter seines modularen Setups mit direkt aus seinem Verstand gesendeten Muskelsignalen zu steuern. Durch seine Live-Auftritte und seinen kreativen Output hebt Bertolt die Möglichkeiten hervor, Musik zu kreieren und zu kontrollieren, indem er den Verstand als direkte Quelle des Inputs nutzt. Er ist ein Künstler, der das grenzenlose Potenzial an der Schnittstelle von Technologie und menschlicher Kreativität verkörpert.“ 

Musikalisch soll das Label von Deep und Melodic Techno bis hin zu Indie Dance und düsteren Clubsounds ein breites Spektrum abdecken, das der/die gemeine Clubgänger*in auch von den Events in der Hauptstadt kennt. In den kommenden Monaten sind Veröffentlichungen von Argia, Scala sowie Al3ne geplant: „Argia ist eine in Spanien geborene DJ und Produzentin mit einem sehr musikalischen Hintergrund. Nachdem sie an einem Konservatorium Klavier und Kontrabass studiert hatte, driftete sie im Laufe der Zeit ganz natürlich in die Faszination elektronischer Rhythmen. Ihr Sound vereint Elemente von melodischem Techno, Indie Dance und Nu-Disco. Einen Remix gibt es von Mala Ika, einer französischen Künstlerin, ursprünglich aus Guadeloupe und Mitbegründerin des Labels Sweet Musique und Weirdos Records. Sie verwandelt Verano Yang in einen Italo-beeinflussten Cruiser, der die Synthie-Melodien mit Killereffekt in den Mittelpunkt hebt, und der niederländische Künstler Rancido, ein Künstler, der vor allem für Veröffentlichungen auf Innervisions und Omeni bekannt ist, serviert seine Sunset Dub‘ von Skynaut.

Scalas EP bringt einen verträumteren Sound mit einem Hauch von 303 Acid Line mit einem großartigen Remix von ANII. Al3ne ist ein weiterer junger Künstler, der mit seiner Memories-EP und einem Remix von Toto Chiavetta mit viel mehr Drum-Rhythmen und einer großartigen Stimme daherkommt. Ich freue mich sehr darauf.“

Ab Oktober sind wieder zahlreiche Dessert-Nächte im ://about blank geplant, darüber hinaus plant Peters eine monatliche Radioshow bei Refuge Worldwide. Aktuell arbeitet Peters, der neben seinen eigenen Projekten auch als Musik-Kurator bei Beatport für die Genres Melodic House & Techno, Indie Dance, Dark Disco sowie Organic House / Downtempo verantwortlich ist, an neuen eigenen Releases. Als nächstes erscheint eine EP auf dem italischen Imprint Multinotes: „Die EP konzentriert sich mehr auf Drum rhythmische und trippige Synthesizer Melodien.“

 

Aus dem FAZEmag 116/10.21
Text: Triple P
Credit: Anthony Icuagu
instagram.com/tompetersworld