„I step off the train, I’m walkin’ down your street again. And pass your door. But you don’t live there anymore …“ Das sind wohl die bekanntesten Textzeilen aus dem Bereich elektronischer Musik der 90er-Jahre. Everything But The Girls „Missing“ wurde 1994 im Remix von Todd Terry ein massiver Hit in den Clubs weltweit und hat bis heute in Sachen Funktionalität und Charme nichts eingebüßt. Der Name Tracey Thorn ist mit diesem Song untrennbar verbunden, denn sie war es, die ihn an der Seite ihres damaligen EBTG-Partners Ben Watt, sang. Auch lieh sie ihre Stimme in der Vergangenheit Bands wie Massive Attack, The Style Council und Tiefschwarz. Längst hat die soeben 50 Jahre alt gewordene Britin jedoch dem Club den Rücken gekehrt und sich auf ihre Singer/Songwriter-Wurzeln besonnen. Nach dem 2010 erschienenen dritten Soloalbum „Love And Its Opposite“ veröffentlicht sie am 26. Oktober bei PIAS ein akustisches Weihnachtsalbum namens „Tinsel And Lights“, für das sie zahlreiche Künstler unterschiedlichster Genres coverte.

Ist sie es nicht langsam leid, immer wieder auf dieses eine Stück beschränkt zu werden? „Natürlich nicht“, erklärt sie mir im Interview. „Ich war zehn Jahre Teil von Everything But The Girl, und ‚Missing‘ war ein riesiger internationaler Hit. Klar, dass man mich am ehesten dafür kennt.“ Für sie selbst ist die neue Art von Sound, für die sie steht, keine Frage der Rückbesinnung. „Ich habe einen Menge unterschiedliche Platten gemacht, und die Leute müssen nur verstehen, dass ich nun mal ein bisschen akustisch und ein bisschen elektronisch bin. Von mir bekommt man einen Mix aus beidem. Mal setzt sich das eine Element stärker durch, mal das andere.“ Ein wenig verwundert der Sound auf „Tinsel And Lights“ dann aber doch vor dem Hintergrund, dass das Album von Ewan Pearson, einem der wichtigsten britischen Protagonisten elektronischer Musik, produziert wurde. „Wir arbeiten bereits seit 2006 zusammen und haben sehr viel gemeinsam. Auch wenn er mehr für das elektronische Zeug bekannt ist, empfindet er tiefe Zuneigung zu dem, was du als ‚akustische Musik‘ bezeichnest. Wir sind uns musikalisch sehr einig, und man kann toll mit ihm arbeiten, weil er so entspannt und positiv ist“, singt Tracey ein Loblied auf den Mann. Auch Ex-Kollege Ben Watt ist als Gast dabei, ob es aber jemals eine EBTG-Reunion geben wird? „Eher nicht, doch sag niemals nie“, lautet Traceys schlichte, aber auch nichtssagende Antwort. Die Liste der ausgewählten Coversongs beinhaltet Stücke von so unterschiedlichen Artists wie Rock-Master Jack White, Hippie-Ikone Joni Mitchell und Singer/Songwriter Sufjan Stevens. „Ich habe eine Liste von Songs erstellt, die ich mag und die etwas mit Weihnachten, Winter und/oder Schnee zu tun haben, und dann geschaut, welche ich davon singen kann.“ Die Motivation dahinter ist so einfach wie logisch: „Ich mag Weihnachten sehr. Diese Zeit kommt einfach perfekt, wenn es draußen kalt und dunkel ist. Es kommt ja nicht von ungefähr, dass wir dann überall kleiner Lichter aufstellen. Wir tun das, um uns selbst in bessere Stimmung zu versetzen. Ich persönlich verbringe diese Zeit daheim mit meiner Familie. Nur herumsitzen zu dürfen, dabei zu essen und zu trinken und faul TV zu schauen, ist eine wunderbare Sache.“ Traceys persönlichen Wünsche zum Fest der Liebe sind … nicht gerade bescheiden, werden aber mit einem Augenzwinkern vorgetragen: „Ich wünsche mir, dass alle mein Album kaufen und mein Buch vorbestellen, das im Februar erscheint.“ Ihr habt es gehört …

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