Als Mischa van der Heiden alias DJ Misjah im Jahre 1991 begann, seine ersten Platten zu veröffentlichten – damals noch unter dem Pseudonym Dyewitness –, hätte er wohl niemals erahnen können, dass er nur wenige Jahre später einen der ikonischsten Acid-Techno-Tracks aller Zeiten produzieren würde: “Access”. Der gemeinsam mit DJ Tim komponierte Track schlug ein wie eine Bombe und schaffte es 1995 sogar in die englischen Charts. Sein Sound wurde fortan von Szenegrößen wie Adam Beyer, Sven Väth oder Carl Cox gespielt. Wir haben mit DJ Misjah über die Entstehung von “Access” und sein Mastering-Studio gesprochen, in dem er für zahlreiche renommierte Kunden arbeitet.


“Access” gilt als einer der energetischsten Tracks aller Zeiten. Kannst du dich noch an den damaligen Vibe im Studio erinnern?

Wir arbeiteten damals beide in einem recht kommerziellen Club. Die Musik dort war meist wenig abwechslungsreich, so dass wir uns dazu entschlossen, selbst etwas zu kreieren, mit dem wir uns identifizieren konnten. Das war sozusagen unsere Inspiration. Zunächst spielten wir einfach ein wenig in unserem Studio herum, so dass es eine Weile dauerte, bis wir effizient Musik produzierten. “Access” war dann unser erster gemeinsamer Track, der dank Tims Detroit-Techno-Begeisterung und meiner Roland-303-Liebe entstand. Die 303 kam bereits bei vielen meiner früheren Veröffentlichungen – damals noch unter dem Pseudonym Dyewitness – zum Einsatz.

Bereits in den ersten Sekunden des Tracks wird klar, dass es ordentlich zur Sache geht. Dennoch habt ihr es geschafft, im Laufe des Stücks immer wieder eine Schippe drauf zu packen und noch mehr Power unterzubringen. Habt ihr “Access” als Live-Jam aufgenommen oder gab es eine längere, voll durchgeplante Session?

Das meiste haben wir mit dem Mischpult gemacht, indem wir mit den Mute-Tasten, Fadern und Reglern experimentiert haben. Den Großteil unserer Tracks haben wir direkt auf DAT aufgenommen. Es war eine sehr impulsive Arbeitsweise, die sich in vielerlei Hinsicht von dem unterscheidet, was die Leute heute so machen.

Der Track ist von 1995 und vollgespickt mit kleinen Soundeffekten, Steigerungen und Geräuschen. Hast du alle Sounds selbst produziert oder hast du dich auch an Sample-Packs bedient? Gab es in den 90er-Jahren überhaupt gute Sample-Packs auf dem Markt?

Wenn du damals eine Diskette mit ein paar Sounds als “Sample-Pack” bezeichnet hättest, dann ja, es gab Sample-Packs. Mein Rat, wenn du Techno produzieren willst: Benutze niemals ein Techno-Sample-Pack!

Kommen wir zu dem Baustein, den viele als das Herzstück des Tracks bezeichnen würden: die unnachahmliche Acid-Line. Wie hast du sie erzeugt und wie hast du sie anschließend verarbeitet?

Es lag uns nie etwas daran, nach einem bestimmten 303-Muster zu programmieren, aber wir haben viel ausprobiert. Wenn es gut klang, haben wir es beibehalten, wenn nicht, haben wir eben etwas anderes versucht.

Was sind deine Tipps fürs Mischen?

Wenn die Musikproduktion und das Mischen neu für dich sind, dann pack nicht einfach Layer über Layer. Mehr Sounds machen deinen Track nicht automatisch besser. Du brauchst zunächst ein stabiles Grundgerüst – das heißt natürlich nicht, dass du tagelang an der Kick-Drum feilen musst –, aus dem sich der Sound anschließend entwickelt. Bevor du Veränderungen vornimmst, brauchst du Gewissheit, dass sie auch gut in den Mix passen. Nach der Fertigstellung des Mix’ ist es wichtig, dass du ein paar Ruhetage einlegst, um ihn mit frischen Ohren hören und bewerten zu können.

Du besitzt ein Mastering-Studio und hast Kunden wie A-Trak, Francesco Tristano oder Michel De Hey. Welche Tipps hast du für junge Produzenten, um den Sound in ihrem Studio qualitativ zu verbessern?

Vergewissere dich, dass die Lautsprecher zur Hörumgebung passen. Falls dem nicht so ist, solltest du dir zumindest bewusst darüber sein, wo ein möglicher Handlungsbedarf bestehen könnte. Wichtig ist es außerdem, Musik von anderen Produzenten zu hören, die dir gefallen. Dadurch erhältst du eine Art Richtlinie, um deinen Sound zu perfektionieren. Zuletzt solltest du es vermeiden, über Kopfhörer zu mischen, da sie den Sound oftmals besser klingen lassen als er in Wirklichkeit ist.

Welche grundlegenden Ansätze befolgst du beim Mastering von elektronischer Musik?

Beim Mastering geht es mir nicht darum, den Klang zu verändern, sondern das zu tun, was nötig ist, um das Beste aus dem Track herauszuholen. Das ist oft überraschend wenig, kann aber enorm hilfreich sein, wenn es darum geht, dem Kunden seine Wünsche abzulesen.

Verfolgst du einen bestimmten Ablauf beim Mastering?

Nein, jeder Mix ist anders, also ist auch jedes Mastering anders. Genau das ist es, was ich an diesem Job mag, denn ich produziere alle Genres, die man sich vorstellen kann, für Kunden auf der ganzen Welt. Mein Studio ist voll mit Tools, die ich je nach Anforderung des Tracks oder Wunsch des Kunden verwenden oder nicht verwenden kann.

 

 

www.soundcloud.com/misjah

Noch mehr Track-Checks:
999999999 – Love 4 Rave (NineTimesNine)
Josh Wink – Higher State Of Consciousness (Strictly Rhythm)
Thomas Schumacher – When I Rock (Bush)

Markus Suckut – Infinity (SCKT)
Len Faki – Robot Evolution (Figure)
Da Hool – Meet Her At The Loveparade

Ian Pooley – Celtic Cross (Force Inc.)
Chopstick & Johnjon – Pining Moon (Suol)
Butch – Countach (Cocoon) 
Isolée – Beaut Mot Plage (Playhouse)
SBTH – Ribolla (Lossless)
Matthias Meyer – November Rain (Watergate)
Axel Boman – Purple Drank (Pampa Records)
Sascha Funke – Mango (BPitch Control)
Format:B – Chunky (Formatik)
CamelPhat & Elderbrook – Cola (Defected)

Justus Köhncke – Timecode (Kompakt Records) 
Frankey & Sandrino – Acamar (Innervisions)

Oxia – Domino (Kompakt)

Andhim – Tosch (Superfriends)
Gabriel Ananda – Ihre persönliche Glücksmelodie (Karmarouge)

Ninetoes – Finder (Kling Klong)
Die Vögel – Blaue Moschee (Pampa Records)