Track-Check: Spiller ft. Sophie Ellis-Bextor – Groovejet (If This Ain’t Love) (Positiva)

Im Track-Check geht es heute um Cristiano Spillers (aka Spiller) ikonische Disco-House-Platte “Groovejet (If This Ain’t Love)”, die auf Samples von Carol Williams’ “Love Is You” basiert. “Groovejet” wurde über zwei Millionen Mal verkauft, mutierte zum europaweiten Club-Hit und stürmte zahlreiche Charts. Wir haben mit Spiller, der als “längster Musiker der Welt” gilt, über die Entstehung gesprochen.

 

Der Track enthält einige classy Samples von Carol Williams. Wo hast du die her und wann denkst du dir: “Dieser Track ist großartig, den werde ich samplen”?

Eines Nachts hörte ich einige Platten durch, die ich kürzlich gekauft hatte. Darunter fand ich das Sample auf einer 2×12″-Veröffentlichung des Labels Salsoul. Dazwischen befand sich auch jenes unveröffentlichte Tom-Moulton-Edit von “Love Is You” mit einem längeren Instrumental-Intro.

Wie sah dein Setup zu dieser Zeit aus?

Als ich das erste Demo von “Groovejet” aufnahm, wurde mein Studio grade umgebaut. Der Track wurde mit einer frühen Version von Cubase VST aufgenommen, außerdem habe ich eine Akai-S1000-Keyboard-Version (sehr selten) für die zusätzlichen Drums genutzt. Mit einem Korg Expander habe ich schließlich die Effekte wie das Düsenjet, den Vinylstopp und die elektronischen Toms produziert.

Was war dein nächster Schritt, nachdem du das Sample recordet hattest?

Ich brannte eine CD des Tracks und gab sie Boris Dlugosch. Er spielte sie in einem Club namens „Groove Jet“ in South Beach. Dort wurde der Track zum Hit des Abends und jeder sprach anschließend darüber.

Wie schaffst du es, dass die Disco-Samples im Arrangement noch interessant klingen?

Es gibt keine Regel, aber ich kombiniere gerne verschiedene Loops und schlage Brücken zwischen ihnen.

Benutzt du Plug-ins für Glitches oder Effekte?

Ein großartiges Plug-in für mich ist ein Filter namens „North Pole“. Die gefilterten Loops, die man im mittleren Break und am Ende hört, sind so entstanden. Ich habe zwei Kanäle verwendet, die einen Ausschnitt des Samples zusammen spielen, beide mit diesem Filter, einer mit einem Hi-Pass und der andere mit einem Lo-Pass.

Sprechen wir über Sophie Ellis-Bextor. Der Track wurde zuerst instrumental veröffentlicht. Wie seid ihr dazu gekommen, den Track noch einmal mit Vocals zu veröffentlichen? Welche Rolle hast du bei diesem Songwriting-Prozess übernommen?

Ich hatte schon zu Beginn die Idee, aus dem Track einen neuen Song zu machen. Es gab zu dieser Zeit einige Disco-House-Platten, die versuchten, Jocelyn Brown und die klassischen Disco-Sänger*innen zu imitieren. Aber ich wollte etwas anderes, also bat ich mein Label Positiva, mir ein paar Demos zu schicken. Darunter entdeckte ich dann Sophies Stimme. Der Songtext wurde von Rob Davis und ihr geschrieben. Als wir die Vocals aufnahmen, mussten wir eine Lücke im Riff zwischen “if this ain’t love” und “why does it feel so good” füllen. Ich wandte schließlich den einfachen Trick an, die Backing-Vocals zu verwenden, indem ich “why does it feel, now” wiederholte.

Wie sahen deine Mixing-Tricks aus, um dich von der großen Masse abzuheben?

Ich fange immer sofort mit dem Abmischen an. Die meisten Leute machen das im Nachhinein, aber ich kann so nicht arbeiten. Sobald ich ein Element hinzugefügt habe, arbeite ich meist direkt am Mix.

Welche Sample-Quellen würdest du jungen Produzent*innen empfehlen, die Samples von Platten (noch) nicht extrahieren können?

Versucht einfach, offensichtliche Samples und berühmte Recordings zu vermeiden. Es gibt keine Regel, aber ich erlaube mir dennoch einen kleinen Exkurs mit der einleitenden Frage: Wann sampeln wir, um etwas Originelles zu schaffen, und wann stehlen wir einfach? Es ist ein ständiger Kampf für einen Sampling-Künstler, das Richtige zu tun. Das frisst Zeit, Geld und Energie, weil die Sample-Urheber oft nicht antworten oder einen Vorschuss verlangen, den man sich nicht leisten kann. Viele Sample-Künstler*innen haben deshalb ihre Karriere beendet – sehr schade. Gleichzeitig wird es immer populärer, dass Leute ihre Edits von Tracks veröffentlichen, kaum etwas verändern und ihren Namen draufsetzen, ohne den Originaltitel zu nennen. Das finde ich furchtbar und es wird leider viel zu oft belohnt.

Aus dem FAZEmag 119/01.22
www.soundcloud.com/djspiller

 

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