Auf Magik Muzik, einem Sublabel von Black Hole Recordings, erschient ein interessantes Projekt des Amsterdamers Richard van Schooneveld. „Richard Durand vs. The World“ nennt sich die EP und geht mit „Africa/Middle East“ in die vierte Runde. Das Konzept ist als Wettbewerb ausgelegt, für den sich Produzenten des jeweiligen Territoriums nach bestimmten Kriterien bewerben können, um mit Richard einen Track zu produzieren, der auf der EP erscheint. Der erste Track kommt von ihm selbst, in diesem Fall „The Sequence“, angelegt an seinen typischen Stil mit einigen Hard-Tech-Elementen. Die glücklichen Gewinner mit den Titeln „Free Fall“ und „Pleasure“ sind die beiden Südafrikaner Stefan Viljoen aka The Beat Prophet, und der bekanntere Nate Raubenheimer alias Protoculture, der bereits unter anderem Paul Oakenfold, Markus Schulz oder Armin van Buuren remixte und 2006 sein erstes Album „Refractions“ auf Nano Records releaste.


Ebenso über die Kontinente hinausgehend zeigt sich Paul Oakenfold auf Perfecto Records durch eine Kooperation mit der südamerikanischen Electro-Pop-Band Poncho mit Sänger Maxi Trusso und deren Megahit „Please Me“ von 2009, das dort in kürzester Zeit sämtliche Verkaufsrekorde brach. Nachdem Paul das Original in den letzten Monaten regelmäßig in seinen Live-Sets spielte, entschied er sich dazu, den Track auf seinem eigenen Label zu re-releasen und dem Ganzen mit einigen Remixen eine neue Note zu geben. Er selbst steuert einen mit schönem Uplifting-Faktor bei, die Versionen von Flesh & Bone oder Roman Hunter bleiben mit popiger Manier relativ nah am Original.

Seine Augen auch nicht verschließen sollte man vor dem frischen „Eyes Closed“-Paket von US-Producer Justin Michael und dem Leadsänger der Indie-Rock Band Saint Motel. Im Original rocktronisch, untermalt mit einem fetzig-durchgehenden Gitarrenriff, gab es letzten Monat auf Zouk Recordings neben einer Instrumentalversion auch einen frechen Dubstep-Mix des Kaliforniers Flinch. Nun liegen neben der Ergänzung des Münchners Jerome Isma-Ae mit einer deepen Basslinie und ordentlich Schub auch zwei Versionen mit mächtigen Alarmelementen im positiven Sinne vor – sowohl der beiden Holländer Disfunktion, aber auch des Mexikaners Digital Freq.

Eine Fusion zweier weiterer großer Pioniere der frühen Trance-Szene kommt mit „One Thousand Suns“ von Chicane und Ferry Corsten. Eine schöne, ruhige sommerliche Hymne in jeglicher Hinsicht, die einen balearischen Spirit versprüht und auf Chicanes Modena Records veröffentlicht wurde, das seit Neustem als Sublabel zu Armada Music gehört. Die Neuinterpretationen des Kanadiers Colin Fisher, der als Soundprank zum festen Bestandteil von Above & Beyonds Anjunadeep-Künstlerriege zählt, wie auch Chicanes eigenem Alter Ego-Projekt Disco Citizens passen zwar gut, lehnen sich aber stilistisch im Vergleich zum Original nicht weit aus dem Fenster. Danny Howard aus Manchester verpackt das Konzept in einen stampfend-progressiven Floorfiller, der ziemlich abrockt, ohne das Gesicht zu verlieren.

Ziemlich maritim – zumindest namentlich – klingt auch mit Wellenrausch ein deutsch-österreichisches Projekt von Markus Geisberger und Torsten Fassbender, das es schon seit gut zwölf Jahren gibt. Besonders hohe Wellen wurden aber erst in den letzten eineinhalb Jahren mit einigen Releases geschlagen. Den Sound kann man tatsächlich mit dem offenen Meer vergleichen: unendliche Weiten an mystischen Soundkulissen mit meist epischen Vocals. Singles wie „Sanctified“, „Shape Of Berlin“, aber auch Remixe für Morvans „Kiss Of A Muse“ oder The Thrillseekers’ “Everything” gehören neben dem auf Afterglow erschienenen Album “Personal Epos” vom letzten Jahr zu meinen absoluten Favoriten. Auch in Markus Schulz’ Sets finden diese regelmäßig statt, weshalb es wohl nur eine Frage der Zeit für ein Signing auf Coldharbour Recordings war. „Million Miles To Run“ heißt dieser neueste Streich in gewohnter Manier, der Unterstützung in Form einer upliftigeren Erweiterung des Holländers Finne Jager, der als Phynn früher sehr viele Dienste für Black Hole Recordings und Magik Muzik leistete, heute aber auch auf diversen Sublabels von Armada vertreten ist.

Meinen absoluten Geheimtipp widme ich dieses Mal The Scumfrog, hinter dem sich das in New York lebende und ursprünglich aus Holland stammende Produktionsgenie Jesse Houk verbirgt. Normalerweise zeichnet sich dieser mehr im Deep- und Tech-House-Bereich aus, aber nicht nur. Er nutzt oft diese in Form von Remixen und Edits, um kommerzielleren Stücken wie jüngst Armin Van Buurens „We Are Here To Make Some Noise“, aber auch nennenswerten Popstars wie Missy Elliott, Kylie Minogue, oder Annie Lennox einen Underground-Touch zu verleihen. Sein aktuelles Machwerk ist das Remake von Stings „If I Ever Lose My Faith“. Der Vocal-Mix hat bereits eine coole Sogwirkung, interessant ist aber vor allem die Auswahl der Remixer. Die lebende Legende Carl Cox lädt auf ein technoides Stelldichein. Frank Beckers, der üblicherweise zusammen mit Studiopartner Christian Wedekind als D-Nox & Beckers veröffentlicht, liefert hier solo eine hypnotische Reise mit techhousigen Elementen. Last but not least verleihen Florian Kruse und Nils Nürnberg dem Paket den Deep House-Part. Sehr interessantes und vor allem außergewöhnliches Crossover auf Armada Music, einem Label, von dem man es eher weniger erwartet hätte.